G.11 Niederschlagsentwässerung

Bearbeitungsstand: 05/2017

Regenwasserkanalnetz

Im Stadtgebiet von Gütersloh wird eine Trennkanalisation unterhalten. Die Trennung der Kanalisation in Schmutz- und Regenwasserkanäle wurde von Anfang an geplant und durchgeführt, seitdem im Jahre 1913 die Düsseldorfer Firma Scheven den Auftrag zur Planung und zum Bau der Gütersloher Kanalisation erhielt. Das Netz der Regenwasserkanäle ist seit der Zeit auf circa 375 Kilometer angewachsen. Die verlegten Rohre weisen Durchmesser von unter 200 Millimeter bis zu 1800 Millimeter auf. Das Netz der Regenwasserkanäle lässt sich in viele Teilnetze untergliedern, die allerdings untereinander in Verbindung stehen (Vermaschung). Jedes Teilnetz führt das Niederschlagswasser zu einer Einleitungsstelle, an der es aus der Kanalisation in ein Gewässer ausläuft. Es gibt derzeit 230 Einleitstellen in die Gütersloher Gewässer, die, je nach Einleitmenge befristet oder unbefristet, teilweise mit Auflagen von der zuständigen Wasserbehörde genehmigt worden sind (vergleiche Karte G.11.1).

 

Niederschlagswasser auf privaten und öffentlichen Grundstücken

Seit dem 01.01.1996 ist unverschmutztes Niederschlagswasser mit der Regelung im Landeswassergesetz NRW gemäß § 44 Absatz 1 in Verbindung mit § 55 Absatz 2 Wasserhaushaltsgesetz ortsnah dem natürlichen Wasserkreislauf zuzuführen. Bauvorhaben im öffentlichen und privaten Bereich, die nach dem Stichtag begonnen wurden, werden danach in der Regel genehmigt, wenn Versickerungsanlagen wie Mulden, Schächte, Rigolen oder Kombinationslösungen geschaffen werden. Bei verdichteter Bauweise auf sehr kleinen Grundstücksflächen lassen die Gütersloher Bodenverhältnisse und Grundwasserstände die sonst mögliche Muldenversickerung aus Platzgründen oft nicht zu. Versickerungsanlagen mit weniger geeigneten Bodenverhältnissen kommen daher nicht ohne einen Notüberlauf an das öffentliche Regenwasserkanalnetz aus. In den neu erschlossenen Baugebieten der letzten Jahre wird das Niederschlagswasser der Baugrundstücke auf den eigenen Grundstücken in Mulden mit einem Überlauf in die städtische Regenwasserkanalisation abgeleitet. Verschmutzte Niederschlagswässer werden je nach Grad der Verschmutzung nach einfacher Vorreinigung in Regenklärbecken versickert oder abgeleitet. Stark verschmutztes oder Niederschlagswasser aus verschmutzungsgefährdeten, abgegrenzten Flächen wird nach Einzelprüfung an die Schmutzwasserkanalisation angeschlossen.

 

Kanalkataster

Informationen zum Bestand und zum Zustand der Regenwasserkanäle werden seit 1993 in einem Kanalkataster angelegt und gepflegt. Wegen des großen finanziellen Aufwandes sind die dazu notwendigen Tätigkeiten auf mehrere Jahre verteilt worden. Seit 01.01.1996 besteht nach der Selbstüberwachungsverordnung (SüwVOAbw) für Betreiber von Kanälen die gesetzliche Verpflichtung, bei der Ersterfassung des Kanalzustandes jährlich 10 Prozent des Netzes zu untersuchen, danach das gesamte Netz alle 15 Jahre. Die erstmalige vollständige Aufstellung des Regenwasserkanalnetzes ist abgeschlossen. Seit einigen Jahren laufen bereits die Wiederholungsuntersuchungen.

Bestandteil der Kanaldatenbank sind Daten zur räumlichen Lage von Schächten und Rohrleitungen, der Abzweige, Ein- und Ausläufe, Informationen zu Material, Durchmesser, Höhenlage, Fließrichtung und zum Zustand der Leitungen und Schächte. Um in der Datenbank geführt zu werden, müssen die Daten mittels Kamerabefahrung und Vermessung erhoben werden. Auf diese Weise ist nach Fertigstellung des Katasters ein weitgehend »richtiger« Datenstand gewährleistet. Der Zustand der Anlagen wird anhand der Beurteilung der Videoprotokolle vorgenommen. Schäden werden je nach Schadensbild in 5 Klassen eingeteilt:

  • Schadklasse 5: umgehender Handlungsbedarf
  • Schadklasse 4: kurzfristiger Handlungsbedarf
  • Schadklasse 3: mittelfristiger Handlungsbedarf
  • Schadklasse 2: langfristiger Handlungsbedarf
  • Schadklasse 1: geringfügige Schäden bzw. Schadensfrei, kein Handlungsbedarf

Aus den festgestellten Schäden ergibt sich das notwendige Sanierungsprogramm, welches jahresweise abgearbeitet wird. Bisher wurden insgesamt rund 38.500 Meter (Stand 2016) Regenwasserkanäle inklusive zugehöriger Bauwerke saniert oder erneuert. Der Kostenaufwand dafür betrug circa eine Million Euro jährlich. Auch zukünftig ist mit weiteren Maßnahmen in ansteigender Größenordnung (bis zu 3 Millionen Euro jährlich) zu rechnen (siehe Abwasserbeseitigungskonzept 2016 - 2021).

 

Regenwasserqualität

Je nach angeschlossener Fläche (Einzugsgebiet) können die circa 230 Einleitstellen Oberflächenwasser unterschiedlicher Verschmutzung an die Gewässer abführen. Verschmutzungen entstehen insbesondere durch den Verkehr, durch Industrie und Gewerbe, Verladebetrieb, Verwendung von Werkstoffen (z.B. Kupfer und Zink), Hunde, Staubablagerungen, et cetera. Bei der Beurteilung der Schmutzbelastung von Regenwassereinleitungen muss berücksichtigt werden, dass Regenereignisse je nach Intensität und Dauer unterschiedliche Spülwirkung auf den angeschlossenen Flächen und in den Rohren erzeugen. Bei starken Schauern enthält der erste ankommende Wasserschwall einen großen Teil der Schmutzstoffe, bereits nach kurzer Zeit (20 Minuten) sind gelöste Stoffe und nach 50 Minuten Schwebstoffe im Vorfluter angekommen, danach gehen die messbaren Verschmutzungsgehalte zum Teil bis auf die im reinen Regenwasser messbaren Gehalte zurück (Institut für Siedlungswasserwirtschaft 1995). Nicht immer entsprechen die messbaren Verschmutzungen aber den oben geschilderten grundsätzlich zu erwartenden Konzentrationen, wie folgendes Beispiel zeigen soll. An einer Einleitstelle in die Dalke wurden zu unterschiedlichen Zeiten Proben entnommen und untersucht: bei Trockenwetter, bei Regenwetter und nach einem kräftigen Regenschauer, dem zuvor eine längere Trockenwetterzeit vorangegangen war. Die Messergebnisse der 3 Proben sind in der folgenden Abbildung nebeneinander aufgeführt.

Quelle: Stadt Gütersloh, Fachbereich Tiefbau

 

Die Einleitstelle liefert einen Trockenwetterabfluss (Infiltration von Grundwasser), der chemisch als unbelastet bezeichnet werden kann. Die beiden anderen Proben stellen den weiter oben geschilderten Sachverhalt auf den Kopf, da die Werte des ersten Schwalles teilweise unterhalb derer der Probe aus dem längeren Regenereignis liegen. Hier kann der Umstand Bedeutung haben, dass es sich bei dem Einzugsgebiet dieser Einleitungsstelle um ein großes Gebiet handelt (circa 15 Hektar), dessen abfließende Welle mit Verzögerung am Vorfluter erscheint und daher bei der Beprobung des ersten Schwalles nur teilweise erfasst wurde. Alle vorgefundenen Werte der 3 Proben liegen im Bereich der Güteklasse II - III für Fließgewässer.

 

Regenrückhalte- und Regenklärbecken

Zu den Anlagen für die Niederschlagsentwässerung gehören Regenrückhaltebecken und Regenklärbecken. Regenrückhaltebecken dienen dem Hochwasserschutz. Sie nehmen die Wassermengen eines starken Regenereignisses auf, speichern sie und geben sie dosiert wieder an das Gewässer ab. Rückhaltebecken finden sich an Reinkebach I und II, Knisterbach, Stadtring Nordhorn, Schubertweg, B 61/Bebauungsplan 154, Ölbach (siehe Karte G.11.1). Die Regenrückhaltebecken sind sowohl im Hauptschluss (das Gewässer durchströmt das Becken ständig) als auch im Nebenschluss (das Gewässer strömt am Regenrückhaltebecken vorbei, gibt erst ab einer eingestellten Höhenschwelle Wasser an den Speicher ab) ausgeführt worden. Regenklärbecken reinigen verschmutztes Oberflächenwasser oder sind als Schutz vor möglichen Verunreinigungen an verschiedenen Stellen der Regenwasserkanalisation vorhanden (vielfach auch auf privaten Grundstücken). Sie wirken mechanisch/physikalisch, indem sie Feststoffe durch Sedimentation und Schwimmstoffe durch Oberflächenabscheidung entfernen. Einige Regenrückhaltebecken wirken zusätzlich ebenfalls wie Regenklärbecken. Zusätzlich wurden in den letzten Jahren weitere Rückhaltebecken gebaut oder geplant, die neben der Funktion der Rückhaltung auch die Versickerung von Regenwasser von befestigten Oberflächen (Wohngebiete und Straßen) erfüllen. Diese sind in der Karte nicht dargestellt.

 

Regenwasserbewirtschaftungskonzept

Bei der Prüfung einiger Einleitungsanträge für Regenwasser, welche von der Stadt Gütersloh der Bezirksregierung Detmold und dem Kreis Gütersloh vorgelegt wurden, trat die Problematik der Niederschlagswasserbehandlung in einigen Regenwasserkanaleinzugsgebieten auf. Rechtsgrundlage hierfür ist der Runderlass des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz, Land-wirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) "Anforderungen an die Niederschlagsentwässerung im Trennverfahren" vom 26. Mai 2004. Für Einzugsgebiete mit höherem Industrie- und Gewerbeanteil sowie mit stark befahrenen Straßen sollten die Erfordernisse einer Regenwasserbehandlung überprüft werden. Daher veranlasste die Bezirksregierung Detmold die Stadt Gütersloh, im Rahmen eines Änderungsbescheides für 13 Regenwassereinleitungen ein Regenwasserbewirtschaftungskonzept in Ergänzung zum Abwasserbeseitigungskonzept nach § 47 Landeswassergesetz aufzustellen. Bei der Aufstellung des Abwasserbeseitigungskonzeptes (ABK) wird das Regenwasserbewirtschaftungskonzept als Teil des ABK zukünftig alle 6 Jahre aktualisiert.

Grundlage für das Konzept sind verschiedene Daten, z.B. aus der Überfliegung der Stadt Gütersloh im Jahr 2000, der Erhebung der Regenwassergebühr, der allgemeinen Liegenschaftskarte (ALK), der Flächennutzungsplanung 2020, der Erhebung von Umweltdaten (z.B. Versickerungsfähigkeit), der Beantragung der Einleitungserlaubnisse, der Straßenverkehrszählung aus dem Jahr 2005 und weiteres. Die bebauten Flächen (Wohngebiete, Kernstadtbereiche, Gewerbegebiete, Mischgebiete, Straßen) wurden in 3 Kategorien eingeteilt und einer Selbsteinschätzung unterzogen:

Kategorie I:
unbelastet (unverschmutzt), nicht behandlungsbedürftig; Darstellung grün
Kategorie IIa:
schwach belastet (gering verschmutzt), derzeit nicht behandlungspflichtig; Darstellung gelb
Kategorie IIb:
belastet (verschmutzt), behandlungspflichtig; Darstellung rot

Neben der Selbsteinschätzung der Flächenbelastungen werden die Flächen dargestellt, welche bereits eine Regenwasserbehandlung aufweisen (zentrale kommunale und dezentrale private Regenwasserbehandlungsanlagen) und welche noch eine Regenklärung benötigen. Die Auswertung dieser Daten und Darstellungen ergibt die Ableitung folgender Maßnahmen:

Bezüglich der viel befahrenen Straßen und deren Behandlungsbedürftigkeit ist der Kreis Gütersloh der Auffassung, dass eine effektive Straßenreinigung sowie eine regelmäßige Reinigung der Straßenabläufe als Behandlung des auf den Straßen anfallenden Regenwassers ausreichen. Dies ist in Gütersloh gegeben. Die Stadtstraßen im Stadtgebiet werden durch den Fachbereich Stadtreinigung regelmäßig zweimal jährlich gereinigt. Die Reinigung auch der stark befahrenen Straßen innerhalb der Ortslage findet wöchentlich statt, sie ist in der Anlage zur Straßenreinigungssatzung der Stadt Gütersloh geregelt. Die Straßenabläufe sind zum weitaus größten Teil als Nassschlammfänge aufgestellt und werden ebenfalls regelmäßig jährlich durch den Fachbereich Tiefbau gereinigt.

Weiterhin wurde ein Gewässergütemessprogramm aufgelegt, bei welchem die wesentlichen Gewässer in Gütersloh an insgesamt 11 Stellen untersucht und mögliche Belastungen durch die Straßen zukünftig verifiziert werden. Die Auflagen der Erlaubnisbescheide zur Regenwassereinleitung sowie die Anforderungen bei den viel befahrenen Straßen können mit den vorgenannten Maßnahmen eingehalten werden.

Die Regenwasserbehandlung bei den Gewerbegebieten in Gütersloh erfolgt zum weitaus größten Teil dezentral. In den Fällen, in denen noch eine Behandlung erfolgen muss, ist daher eine dezentrale Regenwasserklärung bei Betrieben anzustreben. Bei dem Einzugsgebiet E 107 wird aufgrund der Struktur und der ansässigen Firmen (Firma Zimmermann - Sonderabfallentsorgung) bis 2019 der Bau einer Regenwasserbehandlung mit einem Retentionsbodenfilter vorgeschlagen. Dies erfolgt wegen gleicher Problematik bei den benachbarten Gebieten E 173 und E 206.

Das oben genannte Regenwasserbewirtschaftungskonzept wurde am 24.04.2009, das neue Abwasserbeseitigungskonzept am 28.04.2017 durch den Rat der Stadt Gütersloh beschlossen.

 

Regenwassernutzung

Regenwasser und Niederschläge müssen jedoch nicht ausschließlich ungenutzt abgeführt werden. Insbesondere im Haushalt ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten der Regenwassernutzung. Für etwa die Hälfte des dort gebrauchten Wassers ist nämlich keine Trinkwasserqualität erforderlich. Dazu zählen insbesondere die Toilettenspülung und die Gartenbewässerung.

Mit Hilfe eines Regenwasserspeichers, der das vom Hausdach ablaufende Wasser in Form eines Kellertanks oder einer außerhalb des Hauses liegenden Zisterne aufnimmt, können über ein separates Rohrleitungsnetz die o. g. Nutzungen betrieben werden. Das schont nicht nur die Trinkwasservorräte, sondern hält auch Niederschläge zurück. Darüber hinaus ergeben sich Einsparungen bei den Wasserkosten. Nähere Informationen zum Thema Regenwassernutzung sind in den Fachbereichen Umweltschutz und Tiefbau erhältlich.

 

Quelle:
Institut für Siedlungswasserwirtschaft Karlsruhe (1995): Schadstoffe in Regenabflüssen..., Heft 73, Seite.220 ff.

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 31.05.2017