G.13 Indirekteinleiter-Kontrolle

Bearbeitungsstand: 08/2013

 

Um Aufschluss über den Stand der Abwasserqualität zu erhalten, werden seit 1988 sogenannte Indirekteinleiterkontrollen durchgeführt und katastermäßig erfasst. Unter Indirekteinleitern sind Betriebe zu verstehen, die ihre Abwässer in das Kanalnetz der Stadt entlassen. Von dort gelangen sie in die Kläranlage.

 

Methodik

Die Abwasserüberwachung, das sogenannte Abwassercontrolling, erfolgt über 2 Wege. Zum einen wird das Kanalnetz an den Hauptsammlern kontinuierlich kontrolliert. Zum anderen werden die Abwässer einleitender Betriebe direkt geprüft. Im ersten Fall sind an festen Probenahmestationen automatische Probenehmer installiert, die jeweils 24-Stunden-Mischproben nehmen. Auf diese Weise kann bei stoßartig auftretenden Schadstoffeinträgen der Kreis der Verursacher eingeengt und schließlich der Verursacher selbst ermittelt werden. Die Betriebsüberwachungen sind demgegenüber anders organisiert. In einem ersten Schritt wurden und werden dazu alle Gütersloher Betriebe besichtigt und einer von 4 Überwachungsstufen zugeordnet. Diese sind nach Abwassermenge und -qualität gegliedert. Die nachfolgende Tabelle erläutert die Überwachungsstufen und zeigt den Anteil der jeweiligen Klasse an der Gesamtzahl der Betriebe (Stand 2012).

 

Überwachungsstufen

Überwachungs-
priorität
Zuordnungsmerkmale
(Auf Basis der
Betriebsbesichtigungen
und AbwHerkV)
Untersuchungs-
häufigkeit
Anteil
der
Betriebe
1 hohe Schadstofffracht möglich:
Metalle, Schwermetalle, AOX
 
hoher Abwasseranfall: > 1.000 Kubikmeter pro Jahr
enger Turnus 3,1 %
2 hohe Schadstofffracht möglich
 
hohe Schmutzfracht:
BSB / CSB
 
mittlerer Abwasseranfall: > = 1.000 Kubikmeter pro Jahr
regelmäßiger Turnus 9,6 %
3 geringe Schadstofffracht wahrscheinlich
 
geringes bis mittleres Abwasseraufkommen:
500 - 1.000 Kubikmeter pro Jahr
 
Auftreten von Schmutzstoffkonzentrationen zeitweise möglich
(Chargenbetriebe)
Stichproben nach Bedarf
(insbes. Abwasserchargen)
59,8 %
4 bei geordneter Betriebsführung Schmutzkonzentration im
Bereich häuslichen Abwassers
(vorbeugende Kontrolle)
geringes Abwasseraufkommen
Stichproben bei Auffälligkeit 27,5 %

Betriebe, die den Stufen 1 oder 2 angehören, werden regelmäßig geprüft. Das bedeutet die Entnahme von bis zu 12 Proben jährlich vom Abwasser des jeweiligen Betriebes, in Einzelfällen auch mehr, bis hin zu wöchentlichen Proben. In manchen Einzelfällen können über einen befristeten Zeitraum auch Dauermessreihen durchgeführt werden. Bis Ende 2002 wurden die Proben von Mitarbeitern des städtischen Labors für Umweltschutz genommen. Ab dem Jahr 2003 ist das Labor in die Eigenständigkeit der SWG-GmbH übergegangen, nimmt im Auftrag der Stadt Gütersloh die Beprobungen aber weiterhin vor.

 

Umfang und Ergebnisse der Betriebsüberwachung

Die Entwicklung der Zahl der überwachten Betriebe seit 1995 zeigt die nachfolgende Tabelle. Des weiteren ist die Anzahl der beanstandeten Proben sowie der eingeleiteten Bußgeldverfahren zu entnehmen. Teilweise liegen keine Daten (k. D.) vor.

  1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2010 2011 2012 2014
überwachte Betriebe 1) 149 160 147 k. D. 75 140 171 186 206 k. D. 229 118
Anzahl beanstandeter Proben 2) 42 50 22 20 17 11 26 20 30 21 69 60
eingeleitete Bußgeldverfahren 3) 3 3 1 k. D. 1 1 1 1 k. D. k. D. k. D. 8

1) Anzahl der Betriebe, die mindestens einmal im Jahr beprobt wurden

2) Anzahl der Proben, bei denen mindestens ein Parameter satzungs- oder wasserrechtlich festgelegte Grenzwerte überschritten hatte

3) Bußgeldverfahren werden eingeleitet, wenn mehr als eine der letzten 4 aufeinanderfolgenden Analysen eine Grenzwertüberschreitung aufweist

 

Ergebnisse der Betriebsproben

Die Zahl beanstandeter Proben konnte gegenüber den 1990er Jahren deutlich reduziert werden, bis zum Jahr 2005 um rund 3 Viertel auf 11. Bis 2011 lag die Zahl beanstandeter Proben mit 13 bis 30 immer noch deutlich niedriger als 15 Jahre zuvor, trotz der Zunahme der überwachten Betriebe um fast 40 Prozent. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass in den jeweiligen Zahlen teilweise auch mehrmalige Überschreitungen bei demselben Einleiter enthalten sind. Das ist auch die Hauptursache für den starken Anstieg im Jahr 2012, in dem sich die Anzahl der Proben mit Grenzwertüberschreitungen mehr als verdreifacht hat. Von den 69 Beanstandungen entfiel exakt ein Drittel allein auf einen Betrieb.

Im Jahr 2012 wurde die Überwachungsstruktur verändert. So wird bei der Kontrolle mehr auf die Eigenverantwortlichkeit in Form der Eigenüberwachung von Betrieben gesetzt:  Betriebe, die durch Verstoß gegen satzungsrechtliche Auflagen bzw. durch Überschreitung  einer / mehrerer Satzungsparameter auffallen, werden so  in die Pflicht genommen. Trotz der Reduzierung der überwachten Betriebe im Jahr 2014 auf die Hälfte gegenüber 2012, hat sich die Zahl beanstandeter Proben im gleichen Zeitraum nur um 15 Prozent verringert.

Mit der Verbesserung der Abwasserqualität ging zunächst auch ein Rückgang bei den Bußgeldverfahren einher. Deren Anzahl stieg zuletzt jedoch auf 8.

Die insgesamt jedoch relativ gute Qualität des Abwassers wird durch die Analysen in den Kläranlagenzuläufen bestätigt. Erläuterungen zu den Ergebnissen der Klärschlammanalysen enthält Kapitel G.14.

 

Sielhautuntersuchungen

Ein weiteres wichtiges Hilfsmittel bei der Indirekteinleiterkontrolle ist seit 2006 die Untersuchung der so genannten Sielhaut. Als Sielhäute werden die Bakterienschichten der vom Abwasser benetzten Kanalwandungen bezeichnet, in der sich im Abwasser gelöste Schadstoffe und Schwermetalle anreichern ("Memory-Effekt"). Dies ermöglicht eine Rückverfolgung im Abwasserpfad auf bestimmte Einleiter, auch wenn diese nur unregelmäßig belastete Abwässer abgeben. 

Die in der Sielhaut angreicherten Stoffe finden sich im gleichen Verhältnis auch im Klärschlamm der jeweiligen Kläranlage wieder. Im Jahr 2014 wurden an 41 Stellen im Kanalnetz Sielhäute beprobt. Im Bereich der Verbandssammler des Abwasserverbandes Obere Lutter mit Abwasserzuflüssen aus dem Bielefelder Stadtgebiet wird mit der Stadtverwaltung Bielefeld zusammengearbeitet.

 

Schwermetallbelastung im Industriegebiet Isselhorst

Bei den Indirekteinleiterkontrollen fällt seit einiger Zeit eine erhöhte Schwermetallbelastung im Industriegebiet Isselhorst auf, wofür mehrere verschiedene Einleiter Verursacher sind. Auch im Straßenstaub wurden verhältnismäßig hohe Schwermetallkonzentrationen festgestellt. Ein Hauptverursacher konnte zwischenzeitlich ermittelt werden. Auch wenn die Höchstbelastung gekappt werden konnte, wird es wegen der industriellen Nutzung auch künftig eine Grundbelastung mit Schwermetallen im Abwasser geben. Weitere Maßnahmen zur Verringerung der Schwermetallfrachten sind jedoch in Planung.


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 01.03.2016