G.15 Kooperation mit der Landwirtschaft

Bearbeitungsstand: 07/2018

Stickstoffproblematik

Nitrat ist ein wichtiger Pflanzennährstoff und wird daher in der Landwirtschaft und im gewerblichen und privaten Gartenbau als Dünger eingesetzt. Durch Auswaschung kann Nitrat ins Grund- und Trinkwasser gelangen. Im menschlichen Körper kann unter bestimmten Bedingungen aus Nitrat Nitrit entstehen. Um gesundheitliche Beeinträchtigungen hieraus zu verhindern, wurde der Grenzwert für Trinkwasser (Trinkwasserverordnung vom 21.05.2001) auf 50 Milligramm pro Liter festgelegt. Darüber hinaus schwächen regelmäßige hohe Einträge von organischem und anorganischem Dünger die Selbstreinigungskraft der Böden und führen zu verschiedenen Folgewirkungen.

Für den Boden als Nutzpflanzenstandort spielt die Versorgung mit Stickstoff (= N) wie oben dargestellt eine entscheidende Rolle. Die richtige Dosierung trägt entscheidend zum Ernteertrag bei. Dabei ist wichtig, dass der Stickstoff in der optimalen Menge für den Boden und für die Pflanzen zur Verfügung gestellt wird, da sonst einerseits die Pflanzen Schaden nehmen können und andererseits die große Gefahr der Auswaschung besteht.

 

Nmin-Analysen

Um die dem Bedarf angepasste Düngermenge zu ermitteln, sind sogenannte Nmin-Analysen hilfreich. Dabei wird die im Boden vorhandene Menge an mineralischem Stickstoff (Nitrat und Ammonium) vor der Aussaat oder während der Vegetation analytisch bestimmt. Nach der Ernte ermöglichen sie eine Kontrolle, ob die gesteckten Ziele eingehalten werden. Für die im Herbst noch im Boden verbleibende Menge Stickstoff besteht die Gefahr der Auswaschung in das Grundwasser, da vor allem Nitrat schnell in tiefere und damit im Frühjahr nicht mehr für die Pflanzen erreichbare Bodenschichten verlagert werden kann.

 

 

Kooperation Landwirtschaft / Wasserwirtschaft

Seit 1992 besteht zwischen den im Kooperationsgebiet wirtschaftenden Landwirten, der Kreisstelle Gütersloh der Landwirtschaftskammer NRW, dem landwirtschaftlichen Kreisverband Gütersloh und den Stadtwerken Gütersloh (SWG) als örtlichem Wasserversorger eine Kooperationsvereinbarung, die unter anderem auf die Reduktion des Nitrateintrags in das Grundwasser abzielt. Aktuell sind in diese Kooperation 70 Prozent der 1.955 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche innerhalb der Wasserschutzgebiete einbezogen (Wasserschutzgebiete: Karte G.5.1).

Die der Kooperation beigetretenen Landwirte verpflichteten sich auf freiwilliger Basis unter anderem dazu, Düngepläne und Nährstoffbilanzen erstellen zu lassen (letztere seit 1997 auch durch Düngeverordnung vorgeschrieben), Pflanzenschutzmittel fachgerecht anzuwenden und die anfallende Gülle inner- bzw. überbetrieblich nach guter fachlicher Praxis zu verwerten. Im Gegenzug führen die SWG die Analysen, die Beratung und die Erstellung der Nährstoffbilanzen kostenfrei durch, stellen sie unmittelbar zur Verfügung und fördern Investitionen, die dem Schutz von Grundwasser und Boden dienen.

 

 

Kooperation Landwirtschaft / Stadt Gütersloh

Diese bisher auf die Wasserschutzgebiete beschränkte Kooperation wurde im Jahre 2001 durch einen Vertrag zwischen der Landwirtschaft in der Stadt Gütersloh, dem landwirtschaftlichen Kreisverband Gütersloh, der Kreisstelle Gütersloh der Landwirtschaftskammer NRW und der Stadt Gütersloh auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. Gemäß Beschluss des Umweltausschusses wurde dieser Vertrag zunächst für die Dauer von 5 Jahren geschlossen und inzwischen zum vierten Mal um weitere fünf Jahre bis zum 31.12.2022 verlängert.

Die Teilnahme der einzelnen Landwirte an der Kooperation ist freiwillig. Mit Unterzeichnung der Beitrittserklärung wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass verschiedene Angebote in Anspruch genommen werden können. Die Angebote der Stadt Gütersloh umfassen dabei die Beprobung und Analyse von Boden und Wirtschaftsdünger, die Untersuchung des Grundwassers und die Dünge- und Anbauberatung einschließlich der Erstellung der Nährstoffbilanzen gemäß Düngeverordnung. Derzeit sind 104 Landwirte (Stand: 30.06.2018) Mitglieder der Kooperation. Das Kooperationsgebiet außerhalb der Wasserschutzgebiete umfasst zurzeit eine Fläche von 3.564 Hektar, davon circa 2.972 Hektar im Stadtgebiet Gütersloh.

Die nachfolgende Karte zeigt die Kooperationsflächen Landwirtschaft / Stadt Gütersloh.

 

Geobasisdaten der Kommunen und des Landes NRW © Geobasis NRW 2015

Legende

 

Nmin-Ergebnisse in Wasserschutzgebieten

Im Folgenden werden vergleichend die Nmin-Ergebnisse der Kooperation in den Wasserschutzgebieten und der stadtweiten Kooperation dargestellt. Für die Kooperation Stadt Gütersloh liegen Ergebnisse für die Jahre 2001 bis 2015 vor. Bei der Betrachtung der durchgeführten Bodenanalysen wird zwischen Mais- und Getreideäckern unterschieden.  Die Nmin-Werte unter Grünland sind in diesem Zusammenhang von untergeordneter Bedeutung, da hier eine sehr gute Stickstoffbindung durch die Pflanze stattfindet und die Nmin-Werte auch bei konventioneller Düngung in der Regel niedrig sind. Auf den in den Wasserschutzgebieten der Stadtwerke Gütersloh GmbH und auch im Stadtgebiet Gütersloh vorherrschenden leichten Sandböden findet eine sehr schnelle Verlagerung der Restnitratgehalte durch die Herbst- und Winterniederschläge statt. Es zeigt sich, dass durch die Kooperationen ein erheblicher Rückgang der auswaschungsgefährdeten Stickstoff-Vorräte (Rest-Nitratwerte zum Vegetationsende im Herbst) erreicht werden konnte. Das selbst gesteckte Ziel lautet, 30 bis 40 Kilogramm pro Hektar und Jahr auswaschbares Nitrat nicht zu überschreiten. Dieser Wert lässt langfristig die Einhaltung des Grenzwertes der Trinkwasserverordnung für Nitrat (50 Millogramm pro Liter) erwarten. Dieses Ziel konnte bisher nicht in allen Fällen erreicht werden. Die Durchschnittswerte für Nmin nach der Getreideernte liegen seit 1990 zwischen 30 und 50 Kilogramm Stickstoff pro Hektar.

Einzelne erhöhte Restnitratgehalte nach der Ernte von Getreide sprechen für eine nicht angepasste, erhöhte Spätdüngung bei einzelnen Betrieben. Hier besteht in der Zukunft weiterhin erhöhter Beratungsbedarf, während die Mehrheit der landwirtschaftlichen Betriebe in den Wasserschutzgebieten den Aufwand an Dünger dem Bedarf anpasst.

Die Gesamt-Stickstoff-Düngung von Mais zum Ende des Monats Mai sollte den Sollwert von 160 bis 180 Kilogramm pro Hektar und Jahr nicht überschreiten. Diese Düngungsempfehlung der Landwirtschaftskammer NRW beinhaltet auch den im Bodenvorrat befindlichen Stickstoff (Nmin) zum Düngungszeitpunkt und deckt sich somit mit Angaben in der wissenschaftlichen Literatur.

Da die Gefahr der vorzeitigen Auswaschung von Stickstoff auch im Frühjahr gegeben ist, wird in der Kooperation daher darauf geachtet, dass die Düngung zu Mais erst kurz vor der Aussaat erfolgt. Die anfänglich sehr hohen Restnitratgehalte nach der Mais-Ernte (Größenordnung 1990/91: 140 - 160 Kilogramm Stickstoff pro Hektar) konnten durch die Maßnahmen in der Kooperation reduziert werden und bewegen sich nun zwischen 50 und 70 Kilogramm Stickstoff pro Hektar (siehe unten stehende Abbildung).

*für 2002 keine Daten vorhanden; Quelle: SWG

 

Eine bedarfsgerechte und grundwasserschonende Stickstoff-Düngung wird immer wieder durch unvorhersehbare klimatische Schwankungen erschwert. Dies zeigen die stark schwankenden Nmin-Ergebnisse der einzelnen Jahre.  Vollkommenen Schutz für das Grundwasser kann daher die Kooperation auch langfristig nicht bieten. Die Stadtwerke Gütersloh GmbH hat daher die besonders auswaschungsgefährdeten Standorte ermitteln lassen und fördert auf diesen Flächen schwerpunktmäßig Extensivierungen und den Anbau von grundwasserschonenden Fruchtarten. Den positiven Einfluss der Kooperation mit der Landwirtschaft zeigen die rückläufigen bzw. konstant niedrigen Nitratgehalte in den Trinkwässern der Wasserwerke Langer Weg, Nordrheda-Ems und Quenhorn (siehe unten stehende Abbildung).

Quelle: SWG   TrinkwV = Trinkwasserverordnung

 

Einzelheiten zu Ergebnissen und Maßnahmen sind den jährlichen Kooperationsberichten der SWG zu entnehmen. Abschließend sei darauf hingewiesen, dass es auch eine Kooperation Land­wirtschaft/Wasserwirtschaft auf Kreisebene gibt. Dazu zählt unter anderem das Wasser­schutzgebiet Isselhorst sowie die Kooperation im Stadtgebiet Harsewinkel. Die hier ermittelten Ergebnisse lagen in den letzten Jahren auf ähnlichem Niveau wie im Bereich der kommunalen Kooperation.

 

Stickstoff-Verbrauch Bundesrepublik

Der Jahresverbrauch von Stickstoff-Mineraldünger in der Bundesrepublik Deutschland lag im Wirtschaftsjahr 2016/2017 bei rund 101 Kilogramm Stickstoff pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (Statistisches Bundesamt, 2017).

Neben der mineralischen Düngung stammen Einträge aus Wirtschaftsdünger, Futtermitteln, atmosphärischer Deposition und anderen Quellen. Der Überschuss, der zum Teil von Bakterien denitrifiziert (zu gasförmigen Verbindungen abgebaut), zum anderen Teil aber ausgewaschen wird, betrug 2015 auf landwirtschaftlichen Nutzflächen rund 100 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr (http://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/naehrstoffeintraege-aus-der-landwirtschaft). Angestrebt werden laut Umweltbundesamt 70 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr.

 

 

Quelle:
Statistisches Bundesamt (2013): Produzierendes Gewerbe, Düngemittelversorgung, Wirtschaftsjahr 2012/2013, Wiesbaden

 


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 08.11.2018