I.2 Verkehrslärm

Bearbeitungsstand: 07/2015

Verkehrslärm

Bedingt durch die starke Zunahme des motorisierten Individualverkehrs und die steigenden Kraftfahrzeug-Zulassungszahlen, wird auch der durch den Verkehr verursachte Lärm zu einem immer größeren Problem. Große Teile der Bevölkerung fühlen sich durch Verkehrslärm gestört und in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.

 

Lärmvorsorge

Der Gesetzgeber hat auf die zunehmende Lärmproblematik in mehreren Gesetzen und Verordnungen reagiert. So verlangt das Straßenverkehrsgesetz aktiven Schallschutz durch eine geignete Beschaffenheit der Kraftfahrzeuge. Die Straßenverkehrsordnung ermöglicht lärmminderne Verkehrsregelungen wie z. B. Geschwindigkeitsbegrenzungen. Im Rahmen der Bauleitplanung muß der Schallschutz Beachtung finden. Unter bestimmten Voraussetzungen ist bei Bau und Änderung von Verkehrswegen auch das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung relevant. Schließlich enthalten vor allem das Bundesimmissionsschutz-Gesetz (BImSchG) und die Verkehrslärmschutzverordnung (= 16. BImSchV) Regelungen, die im Rahmen der Lärmvorsorge beachtet werden müssen.

Bei Neubau oder wesentlicher Änderung von Straßen sind Lärmgrenzwerte einzuhalten. Sofern die Einhaltung der Grenzwerte nicht möglich ist, müssen Lärmschutzmaßnahmen getroffen werden. Der Eigentümer einer betroffenen baulichen Anlage hat dann gegen den Träger der Baulast Anspruch auf angemessene Entschädigung für Schallschutzmaßnahmen.

Nach § 2 Absatz 1 der 16. BImSchV gelten die in der folgenden Tabelle aufgelisteten Grenzwerte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass grundsätzlich die Tag- und Nachtwerte eingehalten werden müssen. Eine Ausnahme besteht nur bei Gebäuden, die zu bestimmten Zeiten nicht genutzt werden. Beispielsweise muß der Nachtwert bei Kindergärten nicht eingehalten werden.

 

Grenzwerte (Lärmvorsorge)

Im Rahmen der Lärmvorsorge nach § 2 der 16. BImSchV einzuhaltende Grenzwerte
  Tag [dB(A)] Nacht [dB(A)]
An Krankenhäusern, Schulen, Kurheimen und Altenheimen 57 47
In reinen und allgemeinen Wohngebieten und Kleinsiedlungsgebieten 59 49
In Kerngebieten, Dorfgebieten und Mischgebieten 64 54
In Gewerbegebieten 69 59

Sofern ein Gebiet nicht zu einer der Schutzkategorien zuordenbar ist, soll eine vergleichbare Schutzkategorie herangezogen werden. Art und Umfang von Schallschutzmaßnahmen regelt die 24. BImSchV (Verkehrswege-Schallschutzmaßnahmenverordnung).

 

Lärmsanierung

Von der Lärmvorsorge ist die Lärmsanierung zu unterscheiden. Dieser Lärmschutz wird als freiwillige Leistung durch Bund oder Land an Landes- und Bundesfernstraßen erbracht. Der aktive Lärmschutz an der Straße steht dabei dem passiven Lärmschutz am betroffenen Gebäude gleichrangig gegenüber. Lärmsanierungsmaßnahmen an Bundes- und Landstraßen setzen voraus, dass der Beurteilungspegel einen der im Bundeshaushalt festgelegten und in der folgenden Tabelle dargestellten Grenzwerte übersteigt.

Im Rahmen der Lärmsanierung nach Bundeshaushalt festgelegte Grenzwerte
  Tag [dB(A)] Nacht [dB(A)]
An Krankenhäusern, Schulen,
Kurheimen und Altenheimen,
in reinen und allgemeinen Wohngebieten
sowie Kleinsiedlungsgebieten
70 60
In Kerngebieten,
Dorfgebieten und Mischgebieten
72 62
In Gewerbegebieten 75 65

In baulichen Anlagen werden Wohn-, Unterrichts- und Krankenpflege- sowie ähnliche Räume geschützt, nicht jedoch Büros, Praxen, Treppenhäuser, Toiletten usw.

 

Berechnungsverfahren RLS 90

Der Bewertungspegel wird nach einem Verfahren der Richtlinie für den Lärmschutz an Straßen des Bundesministeriums für Verkehr (RLS 90) festgelegt. Dabei handelt es sich um ein Berechnungsverfahren zur quantitativen Darstellung der Lärmbelastung. Geräusch- oder Lautstärkemessungen finden nicht statt. Berücksichtigung finden die jeweilige Verkehrsstärke, der LKW-Anteil, die zulässige Höchstgeschwindigkeit, die Beschaffenheit der Fahrbahnoberfläche und die Steigung. Die Belastung wird in der Regel 25 Meter entfernt vom Fahrbahnrand dargestellt. Tag- und Nachtwerte werden getrennt ermittelt.

 

Straßenverkehrslärmbelastung/Lärmkartierungsbericht 2007 in Gütersloh

In der Stadt Gütersloh wurde im Jahr 2007 eine Lärmkartierung durchgeführt. Unter Berücksichtigung der rechtlichen Grundlagen (Richtlinie 2002/49/EG - Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm) wurde die Geräuschbelastung durch folgende Quellenarten untersucht:

  • Straßenverkehr auf Hauptverkehrsstraßen > 6 Millionen Kraftfahrzeuge pro Jahr
  • Schienenverkehr auf Haupteisenbahnstrecken > 60.000 Züge pro Jahr
  • Großflughäfen > 50.000 Bewegungen pro Jahr

Ausgehend vom Betrieb dieser Quellen im Jahr 2006 wurden unter Berücksichtigung des Geländes und der Bebauung die Geräusch-Einwirkung (Immission) berechnet und kartiert, soweit sie einen Lärmpegel von 55 dB(A) am Tag und 50 dB(A) in der Nacht überschritten haben.

Hauptquellen, welche in die Gemeinde einwirken, sind:

Haupt-Straßenverkehr

Haupt-Schienenverkehr

Eine Lärmeinwirkung ausgehend von Großflughäfen besteht in der Stadt Gütersloh nicht.

 

Lärmeinwirkung durch Straßenverkehr

Der Straßenverkehrslärm, der von Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen mit mehr als 6 Mio Kraftfahrzeugen pro Jahr ausgeht, wurde rechnerisch ermittelt:

Umfassende grafische Darstellungen der Kartierungsergebnisse in Gütersloh sowie in ganz NRW stehen unter der Adresse www.umgebungslaerm.nrw.de zur Verfügung.

Bereits früher sind im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplanes (VEP) für die A 2, die B 61 und die B 513 ähnliche Untersuchungen gelaufen (BSV 1999, vergleiche Kapitel C.1).

 

GeräuschScreening LUA

Weitergehende Lärmuntersuchungen in Gütersloh hat das Landesumweltamt (LUA) NRW (heute LANUV) 1999 angestellt (zu Untersuchungsumfang und Methodik vergleiche Kapitel I.1). Die Ergebnisse können auf den Seiten des LANUV (www.umgebungslaerm.nrw.de) abgerufen werden.

In das LUA-Screening wurden Bundesautobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen sowie Hauptgemeindestraßen einbezogen. Die Berechnungen beruhen auf Emissionsuntersuchungen des Jahres 1994 und erfolgten nach dem Verfahren RLS 90.

Karte I.2.1 Strassenlärm

Geobasisdaten der Kommunen und des Landes NRW © Geobasis NRW 2015

Die Karte I.2.1 zeigt die Untersuchungsergebnisse für den Bereich Straßenverkehr (Tagwerte) für die Stadt Gütersloh. Es fällt auf, dass das Stadtgebiet netzartig von Belastungslinien durchschnitten ist. Schwerpunkte sind die Autobahn 2 und die B 61 mit Pegeln bis zu über 80 dB(A). Entlang der A 2 umfasst die Zone mit einer Belastung >55 dB(A) eine Breite von etwa 1.500 Meter. An den anderen Hauptverkehrsstraßen treten Werte von 55 bis 70 dB(A) auf. Vergleichsweise ruhigere Zonen mit 35 bis 45 dB(A) sind im nordwestlichen Stadtgebiet konzentriert (vergleiche die sogenannten unzerschnittenen verkehrsarmen Räume >250 ha, Kapitel D.4).

 

Lärm durch Schienenverkehr

Im Rahmen des LUA-Screenings 1999 waren auch Berechnungen für den Schienenverkehr angestellt worden.Mittlerweile liegen jedoch aktuellere Daten vor, die vom Eisenbahn-Bundesamt im Zuge der Umsetzung der EG-Umgebungslärmrichtlinie ermittelt wurden. Berücksichtigt wurde das Schienennetz des Bundes. Ziel der europäischen Richtlinie ist es, Umgebungslärm europaweit zu erfassen und zu bekämpfen.

Das Eisenbahn-Bundesamt ist seit dem 01.01.2015 auch für die Aufstellung eines bundesweiten Lärmaktionsplans für die Haupteisenbahnstrecken des Bundes zuständig. Dieser regelt gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz Lärmprobleme und Lärmauswirkungen durch den Schienenverkehr. Ziel ist es, auf der Grundlage der Lärmkartierung und unter Beteiligung der Öffentlichkeit, die Lärmbelastung zu senken.

Nähere Informationen dazu finden Sie auf den Internet-Seiten des Eisenbahn-Bundesamtes unter Lärmaktionsplanung.

In der Karte I.2.2 sind die Ergebnisse hinsichtlich der Lärmbelastung für den Schienenverkehr (Nachtwerte) in Form von Isophonen (Linien gleicher Lärmbelastung) dargestellt. Es zeigt sich ein »Korridor«, der das Stadtgebiet entsprechend der Bahnlinie von Südwest nach Nordost durchschneidet. Die Pegelwerte liegen in unmittelbarer Quellnähe bei bis über 70 dB(A). Im Bereich dichterer Bebauung verschmälert sich das Belastungsband aufgrund der lärmabschirmenden Wirkung der Gebäude.

Quelle:
BSV, Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr. Ing. Reinhold Baier GmbH: Untersuchungen zum Verkehrsentwicklungsplan Stadt Gütersloh, Aachen, 1998, Schlussbericht 1999
Eisenbahn-Bundesamt, www.eba.bund.de
 

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 08.07.2015