I.3 Fluglärm

Bearbeitungsstand: 02/2014

 

Die Lärmbelastung in der Nähe von Flughäfen kann erhebliche Ausmaße erreichen. Das hat sich in der Vergangenheit auch am Gütersloher Flughafen gezeigt, der militärisch durch die Royal Air Force mit ihren Harrier-Kampfjets genutzt wurde.
Anfang Oktober 2013 haben die letzten Hubschrauber der Heeresflieger den Gütersloher Flughafen verlassen. Seit dem 01.11.2013 ist der Militärflugplatz für den Flugbetrieb geschlossen.

 

Lärmbelastung durch den Flughafen Gütersloh

Seit 1980 wurden daher kontinuierlich Lärmmessungen an 3 Standorten vorgenommen. 2 Stationen (Wichernstraße, Timpenweg) waren in der Nähe der Einflugschneise in 2 Kilometer Entfernung vom Flughafen angeordnet, eine dritte in 4,5 Kilometer Entfernung (Wacholderweg). Es zeigten sich insbesondere in den 80er Jahren sehr hohe Lärmbelastungen. Im Wohngebiet Wichernstraße wurden Spitzenwerte bis zu 117 dB(A) registriert. Ein Rückgang der Spitzenwerte wurde seit 1988 festgestellt.
Der äquivalente Dauerschallpegel (Leq, Mittelungspegel zur Beurteilung längerfristiger, im Schallpegel schwankender Geräusche) ging seit 1989 zurück. 1991 war eine Reduktion des Lärms um 65 bis 80 Prozent erreicht. 1992 wurden die lärmintensiven Harrier abgezogen.

Seit 1992 waren nur noch Hubschrauber in Gütersloh stationiert. Deren Lärmentwicklung ist grundsätzlich von derjenigen der Jets verschieden. Die Schalldruckpegel sind zum einen leiser, zum anderen wird das Geräusch als weniger unangenehm empfunden. Die Dauer der Lärmeinwirkung ist jedoch länger. Neben den Hubschraubern flogen vereinzelt noch Kampfjets den Flughafen zu Übungszwecken an. Darüber hinaus wurde der Flugplatz von 1993 bis 2003 zivil von Geschäftsflugzeugen mitgenutzt (vergleiche Kapitel C.6).
Die Geräuscheinwirkung durch die oben genannten Flugzeuge ist jedoch im Vergleich so gering, dass sie von den installierten Messanlagen nicht erfasst werden. Die Tabelle zeigt die Fluglärmentwicklung im Vergleich der Jahre 1983, 1993 und 1995. Aufgrund der positiven Entwicklung endete die Auswertung der Fluglärmdaten mit dem Jahr 1995.

 

Lärmbelastungen an 3 Mess-Stellen in Gütersloh 1983, 1992, 1995

Jahr Wichernstraße Timpenweg Wacholderweg
  Leq [dB(A)] Anzahl n pro Monat * Leq [dB(A)] Anzahl n pro Monat * Leq [dB(A)] Anzahl n pro Monat *
1983 64,3 1784 63,5 2169 58,2 1137
1993 43,6 90 52,1 400 39,5 31
1995 36,8 48 42,1 200 k.A. k.A.

* Lärmereignisse pro Monat (Durchschnitt der 6 verkehrsreichsten Monate);
Leq: äquivalenter Dauerschallpegel

Außerhalb des Flugplatzes verfügen die Firma Bertelsmann sowie mehrere Krankenhäuser über zivile Hubschrauberlandeplätze. Die Lärmentwicklung dort ist vergleichsweise geringfügig und wird nicht überwacht.

 

Lärmschutzgebiete

Der Landesentwicklungsplan Schutz vor Fluglärm (LEP 4) vom 17.08.1998 legt in der Umgebung von Flughäfen Gebiete fest, in denen Planungsbeschränkungen für die Siedlungsentwicklung zum Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm erforderlich sind (Lärmschutzgebiete). Hier soll ein ausreichender Schutz der Wohnbevölkerung gegen die Auswirkungen des Flugplatzbetriebes gewährleistet sein. Die Regelungen betreffen sowohl den Gebietsentwicklungsplan als auch die Bauleitplanung der Städte und Gemeinden.

Im LEP 4 werden 3 Lärmschutzzonen aufgrund des äquivalenten Dauerschallpegels (Leq) der 6 verkehrsreichsten Monate abgegrenzt. Die innerhalb der Zonen bestehenden Planungsbeschränkungen zeigt auszugsweise die nachfolgende Tabelle.

Zone A
[Leq > 75 dB(A)]
keine Neuausweisung Wohn-,
Dorf- und Mischgebiete etc. zulässig
Zone B
[Leq > 67 dB(A)]
keine Neuausweisung Wohn-, Dorf-
und Mischgebiete etc. zulässig;
Ausnahme:
zur Abrundung und
infrastrukturellen Ausstattung
vorhandener Baugebiete;
dann jedoch Schallschutzmaßnahmen zwingend
Zone C
[Leq > 62 dB(A)]
bei Neuausweisung von Baugebieten
müssen Schallschutzmaßnahmen
festgesetzt werden

Die Lärmschutzzonen des Gütersloher Flughafens sind mit Ausnahme der Zone A, die auf dem Gelände des Flughafens liegt, im Flächennutzungsplan dargestellt (siehe Anhang).

Lärmschutzbereiche entsprechend Fluglärmgesetz existieren am Flughafen Gütersloh seit Juni 1994 nicht mehr.

 

Geräusch-Screening LUA

Im Rahmen eines landesweiten Geräusch-Screenings wurden die Lärmbelastungen durch den Flugverkehr in Gütersloh vom Landesumweltamt (LUA) NRW ermittelt. Dabei wurden für im LEP 4 dargestellte Flughäfen die abgegrenzten Lärmschutzzonen als Ergebnisse übernommen. Für die übrigen Flugplätze, wie z. B. Bielefeld-Windelsbleiche, wurden Berechnungen auf der Grundlage der Zahl der Flugbewegungen (Stand 1997) unter bestimmten Annahmen (die Lage und Höhe der Platzrunden, die Flugzeugleistung, die Flugwege und andere betreffend) durchgeführt.

Karte I.3.1 Fluglärm

 

Geobasisdaten der Kommunen und des Landes NRW © Geobasis NRW 2015

Die Karte I.3.1 zeigt die Ergebnisse der Untersuchungen. Als Belastungen werden für den Flughafen Gütersloh die Grenzwerte der Lärmschutzzonen dargestellt. Die tatsächlichen Belastungen im Bereich des Flughafens Gütersloh liegen um ein Vielfaches niedriger. Im Bereich Friedrichsdorf sind geringfügige Belastungen durch den Flugbetrieb in Bielefeld-Windelsbleiche dargestellt.

 

Modellflugsport

Für die auf dem Gelände eines Modellflugsportvereins an der Paderborner Straße startenden Flugmodelle mit einem Gewicht bis zu 20 Kilogramm hat die Bezirksregierung Münster in ihrer bis zum 31.12.2001 befristeten Genehmigung (vergleiche auch Kapitel C.6) einen maximalen Schallpegel für die Flugmodelle bis 84 dB(A) genehmigt. Die Flugmodelle dürfen nur in dem Luftraum betrieben werden, der in einem Radius von 300 Meter um den Geländemittelpunkt liegt.


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 24.02.2014