L.2 Umweltmanagementsysteme

Bearbeitungsstand: 01/2019

Umweltmanagementsysteme sind eine wichtiges innerbetriebliches System zur Sicherung einer nachhaltigen Wirtschaft,  dienen dem Umweltschutz und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Im Folgenden werden die Umweltzertifikate EMAS, DIN EN ISO 14001, DIN EN ISO 50001, EN ISO 9000 ff sowie ÖKOPROFIT Gütersloh vorgestellt.
 

EMAS I, II und III (Eco Management and Audit Scheme)

 

Beim EMAS handelt es sich um das sogenannte EG-Öko-Audit, eine freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung. Es basiert auf einer Europäischen Verordnung (Verordnung [EG] Nr. 1221/2009 vom 25. November 2009).


Mittlerweile wurde die Version von EMAS I zweimal überarbeitet, sodass neben der Erweiterung des Anwendungsbereiches auf Gesellschaften, Körperschaften, Behörden sowie Teile davon und Organisationen privater Natur nun Angaben durch standardisierte Kennzahlen zur Verbesserung der Übersichtlichkeit und Einheitlichkeit erfolgen. Außerdem wurden die  Voraussetzungen und die Anbindung an die Industrienorm ISO 14001 verbessert.


Ziel:
Die EMAS-Verordnung hat das Ziel, den innerbetrieblichen Umweltschutz kontinuierlich zu verbessern.


Ablauf:
Gemäß der Verordnung müssen zunächst alle betriebsrelevanten Daten über Rohstoff-, Energie- und Wasserverbrauch sowie Angaben zu Emissionen ermittelt werden. Deren  Ergebnisse bilden das Grundgerüst für die Entwicklung von betrieblichen Umweltschutzmaßnahmen. Des Weiteren müssen Angaben zur Minderung der Umweltbelastungen, Verbesserung des Arbeitsschutzes und auch zur Kostenersparnis gemacht werden.


Umwelterklärung:
Im weiteren Verlauf hat der Betrieb eine Umwelterklärung zu erarbeiten, in der die direkten und indirekten Umweltauswirkungen sowie die Umweltleistungen und -ziele beschrieben werden. Mit der Umwelterklärung werden diese Informationen veröffentlicht. Ein unabhängiger Umweltgutachter prüft die Angaben auf ihre Richtigkeit. Jährlich ist die betriebliche Umwelterklärung zu aktualisieren und alle 3 Jahre erfolgt eine Revalidierung (Überprüfung) durch den Umweltgutachter auf Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sowie der betrieblichen Umweltpolitik. Unternehmen, die die Überprüfung erfolgreich bestehen, können sich in das EMAS-Register eintragen lassen und dürfen das EMAS-Logo führen.


Registrierung:
Erst wenn die Umwelterklärung für gültig erklärt wurde, kann sich der Betrieb bei der national zuständigen Stelle registrieren lassen. Die Registrierung kann über die örtliche Industrie- und Handelskammer oder die zuständige Handwerkskammer erfolgen. Das Zertifikat gilt für drei Jahre und muss dann im Rahmen einer erneuten Überprüfung verlängert werden.


Zur Zeit sind keine Unternehmen aus der Stadt Gütersloh eingetragen oder revalidiert. Nähere Informationen sowie den Betriebsregister finden Sie hier.

Ansprechpartner:
·        Industrie- und Handelskammer zu Bielefeld, Herr Tepper (Telefon: 05 21 / 55 41 07)
·        Kreishandwerkerschaft, Herr Drüner (Telefon: 0 52 41 / 23 48 41 2)

 

Umweltmanagementnorm ISO 14001

Die ISO 14001 legt seit 1996 sowie mit der Novelle 2015 weltweit gültige Kriterien zum Umweltmanagement fest. Auch die Teilnahme an diesem Zertifizierungssystem ist freiwillig. Im Unterschied zu EMAS handelt es sich hierbei um ein privatwirtschaftliches Prüfsystem, das zur Erreichung definierter Umweltziele sowohl vom produzierenden Gewerbe wie auch von dienstleistenden Unternehmen angewendet werden kann.


Wie bei EMAS geht es auch hier um die Entwicklung eines Managementsystems, mit dem gewünschte Umweltleistungen im Bereich der betrieblichen Umweltpolitik erreicht werden. Auch wenn mit diesem Managementsystem keine Umweltnormen festgelegt werden, fordert die ISO 14001, dass im Rahmen der betrieblichen Umweltpolitik die geltenden rechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Sonstige Forderungen und Maßnahmen der ISO 14001 können mit dem Qualitätsmanagementsystem ISO 9000 (siehe unten) zu umfassenden Systemen ausgebaut werden.


An ein Unternehmen werden durch die ISO 14001 ähnliche Forderungen gestellt, wie sie vorab für EMAS erläutert wurden:

In einer Planungsphase werden Umweltziele definiert sowie entsprechende Maßnahmen erarbeitet und Zuständigkeiten und Verfahrensweisen geklärt. Anschließend werden die festgelegten Maßnahmen und Verfahrensweisen im Betrieb umgesetzt. Anschließend werden die Maßnahmen und Verfahrensweisen unter Berücksichtigung der Umweltziele und Umweltleitlinien der Organisation überprüft. Gegebenenfalls werden danach Anpassungen und Verbesserungen vorgenommen.

Eine Umwelterklärung, Validierung sowie Registrierung und Teilnahmeerklärung gibt  es bei der DIN EN 14001 jedoch nicht.

 

Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001

Unternehmen, die nicht klein und mittelständisch sind (Nicht-KMU), sind verpflichtet, ein Energiemanagementsystem (EMS) zu betreiben. Bis 5.12.2015 gab es die Wahlfreiheit zwischen Energieaudits nach DIN EN ISO 16247 oder der Einführung eines Energiemanagementsystems nach DIN EN ISO 50001. Nach diesem Stichtag muss ein EMS nach 50001 eingeführt werden. Das gilt für alle Unternehmen, nicht nur des produzierenden Gewerbes.
Dazu zählen auch gemeinnützige Einrichtungen oder kommunale Betriebe sobald sie wirtschaftlich tätig sind und nicht überwiegend einer hoheitlichen Aufgabe nachgehen. Auch alle Unternehmen, an denen Kommunen mit mehr als 25 % beteiligt sind gelten unabhängig von ihrer Größe als Nicht-KMU und sind damit verpflichtet, ein EMS einzuführen.

KMU - Grenzen:
mehr als 250 Mitarbeiter oder
Umsatz > 50 Mio. Euro oder
Bilanzsumme > 42 Mio. Euro

Weitere Informationen:
Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz
Helmut Hentschel, 05241 82 2129, Helmut.Hentschel@guetersloh.de



Qualitätsmanagementnormen DIN EN ISO 9000 und DIN EN ISO 9001

Eine weitere Normenserie, die sich auf betriebliche Verfahrensabläufe bezieht, ist die DIN EN ISO 9000, die die Grundlage für die Umsetzung der internationalen Norm DIN EN ISO 9001 bildet.

Während EMAS und ISO 14001 Umweltmanagementsysteme sind, stellen die DIN EN ISO 9000 und DIN EN ISO 9001 jedoch ein betriebliches Qualitätsmanagement nach internationalem Standard dar. Es handelt sich also nicht um eine Umweltzertifizierung. Sowohl Umwelt- als auch Qualitätsmanagementnormen sollen betriebsinterne Regelkreise schaffen, die zu Verbesserungen im Betrieb führen: bei der ISO 14001 und EMAS im Umweltschutz, bei der ISO 9000 und ISO 9001 beim Qualitätsmanagement.

Im Einzelnen sind dies für die ISO 9000:

  • Kundenorientierung
  • Verantwortlichkeit der Führung
  • Einbeziehung der verantwortlichen Personen
  • Prozessorientierter Ansatz
  • Systemorientierter Managementansatz
  • Kontinuierliche Verbesserungen
  • Sachbezogener Entscheidungsfindungsansatz
  • Lieferantenbeziehungen zum gegenseitigen Nutzen

Die DIN EN ISO 9001 legt dagegen eher einen Schwerpunkt auf Verbesserung der internen Kommunikation und des Verständnisses der Prozesse und Verbesserung von Steuerungsprozessen.

Sowohl die DIN EN ISO 9000als auch die DIN EN ISO 14001 bauen auf gleichen Organisationsstrukturen auf. Daher kann bei Vorhandensein eines Qualitätsmanagementsystems das DIN EN ISO 14001-Umweltmanagement-system mit deutlich geringerem Aufwand eingeführt werden. Bei der Einbindung der Systeme ist darauf zu achten, dass der eigenständige und bedeutsame Charakter des Umweltmanagementsystems erhalten bleibt, damit die Qualität des Umweltmanagements nicht leidet.

 

ÖKOPROFIT Gütersloh

ÖkoProfit
Ökoprofit steht für Ökologisches Projekt für Integrierte Umwelt-Technik. In den 90er Jahren in Österreich als Kooperation zwischen der örtlichen Wirtschaft und Kommunen entwickelt,  haben sich in Deutschland bisher etwa 2.500 Unternehmen beteiligt.  Ökoprofit verschafft Unternehmen aller Branchen den strukturierten Einstieg in das Energie- und Umweltmanagement und kann als Einstieg in ein Umwelt- oder Energiemanagementsystem genutzt werden.

Die Beratung in Workshops und individuell in den Betrieben erfolgt durch einen Experten. Die Begleitung durch die Stadt und die Dokumentation werden durch das Land NRW unterstützt.

Seit 2017 beteiligt sich Gütersloh erneut an ÖkoProfit, im größeren Rahmen  in der Regiopolregion Bielefeld. Damit haben Gütersloher Unternehmen die Möglichkeit, ihre Standards mit Hilfe eines externen Beraters zu verbessern und öffentlich zertifiziert zu werden. In der Kampagne 2017/2018 beteiligten sich 5 Unternehmen aus Gütersloh:
 

DCP Werkstatt für Werbung GmbH & Co.KG
GWG Gütersloher Wertstoffzentrum
Maas-Naturwaren GmbH
Autohaus Schliephake e.K.
Stadtwerke Gütersloh GmbH

Bereits 2002 startete in Gütersloh eine Gruppe von 10 Unternehmen, langfristig dabei geblieben ist die Güth & Wolf GmbH, sie wurde 2015 zum dritten Mal re-zertifiziert

Die nächste Kampagne startet voraussichtlich Ende 2019.

Weitere Informationen:
Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz
Helmut Hentschel, 05241 82 2129, Helmut.Hentschel@guetersloh.de
 

Sonstige umweltrelevante Managementsysteme

Zu nennen sind das EcoStep und der QUB (Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe). Beide Systeme wurden für mittlere und kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe entwickelt.

EcoStep:

EcoStep ist ein integriertes Kleinbetriebsmanagementsystem und wurde für kleine und mittlere Unternehmen bis 250 Mitarbeiter aller Bereiche im Rahmen der Umweltallianz Hessen entwickelt. Es baut auf die Kerninhalte der Umweltmanagementsysteme DIN EN ISO 9001, DIN EN ISO 14001 und Teilbereichen von EMAS auf und ist eher prozess-orientiert. EcoStep ist integrativ und hat seine Schwerpunkte in den Bereichen Qualität, Arbeitssicherheit und Umweltschutz.

QUB (Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe)

QUB ist ein integriertes Zertifizierungsmodul für kleinere Unternehmen aus Handel, Handwerk und Industrie und orientiert sich an der Größe des Betriebes. Vornehmlich kleinen Betrieben soll über dieses System die Möglichkeit eingeräumt werden, ein Qualitäts- und Umweltmanagement zu installieren und sich zertifizieren zu lassen.

Sowohl das Managementsystem EcoStep wie auch der QUB wurden nach hiesigem Kenntnisstand bei Betrieben in Nordrhein-Westfalen nicht angewendet. Diese Systeme wurden vornehmlich in den südlichen Bundesländern und auch in Teilbereichen von Norddeutschland z. B. Bremen angewendet. Die beschriebenen Systeme sind eher Umweltmanagementansätze und weniger auf eine Kontinuität des betrieblichen Umweltschutzes ausgerichtet. Darüber hinaus wird mit ihnen kein überregional anerkanntes Zertifikat erworben.


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 17.01.2019