A.4 Lokale Agenda

Bearbeitungsstand: 10/2009

Allgemeine Grundsätze

Die Agenda 21 ist ein Handlungsprogramm für das, was im 21. Jahrhundert getan werden sollte, um die in der Zukunft erwarteten Probleme zu lösen. Welche Probleme uns beschäftigen werden und welche Maßnahmen zu ihrer Lösung notwendig sind, haben die Umweltminister der Staaten auf der Welt-Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro im Jahr 1992 diskutiert und im Dokument zur Agenda 21 niedergeschrieben.

Ziel ist eine nachhaltige, zukunftsbeständige Entwicklung. Die Agenda 21 beschreibt sich selbst in ihrer Präambel als ein Prozess, der »den Beginn einer neuen globalen Partnerschaft« darstellt, »die auf eine nachhaltige Entwicklung [sustainable development] ausgerichtet ist«. Die Themenpalette umfasst die ökonomische, ökologische und soziale Dimension sowie die zeitliche Perspektive und das Denken im globalen Zusammenhang.

Zwei Jahre nach Rio beschlossen die Bundesregierung sowie anschließend die Ministerpräsidenten der Länder die Umsetzung der Agenda 21 auf Bundes- bzw. Landesebene. Ebenfalls 1994 folgten die ersten Städte und Gemeinden mit Beschlüssen auf kommunaler Ebene.

»Gütersloher Weg«

Der Hauptausschuss des Rates der Stadt Gütersloh hat in seiner 5. Sitzung am 13.03.2000 beschlossen, die lokale Agenda 21 auf der Grundlage einer von der Verwaltung erarbeiteten Vorlage zu entwickeln. Sie sieht vor, einen eigenen »Gütersloher Weg« zu beschreiten, der durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist:

  • pragmatisches Vorgehen,
  • effizientes Engagement,
  • Projekte statt Programme,
  • Offenheit statt Vollständigkeit,
  • großes Ziel und kleine Schritte.

Das Kernstück der lokalen Agenda 21 ist die Partizipation der Bürgerinnen und Bürger. So wurden für die Projekt- und Arbeitsgruppen Bürgerinnen und Bürger nach dem Zufallsprinzip aus der Bürgerschaft für die Mitarbeit ausgewählt.

Erarbeitungsphasen

Die Erarbeitung der lokalen Agenda 21 wurde in der Zeit von Mai 2000 bis Februar 2001 durchgeführt. Sie gliederte sich in mehrere Phasen und Arbeitsschritte:

Phase Arbeitschritte
Projektmanagement in der Projektgruppe Planung und Koordination des Gesamtvorhabens
Erarbeitungsphase Erarbeitung der Leitziele der lokalen Agenda 21 für die Stadt Gütersloh
Informationsphase Information der relevanten gesellschaftlichen Gruppen
Konsultationsphase Konsultation der relevanten gesellschaftlichen Gruppen
Integrationsphase Ergänzung und Überarbeitung des lokalen Agenda 21 Dokuments (Endfassung)
Projektierungsphase Projektierung der Umsetzung und Gewinnung von Kooperationspartnern
Übergabe der lokalen Agenda 21 an die Bürgermeisterin Bitte um Weiterleitung an den Rat der Stadt Gütersloh
Übergabe der Agenda 21 für Gütersloh an den Rat der Stadt Vorlage eines konsensfähigen Dokuments mit speziellen Handlungszielen und Maßnahmen sowie eines konkreten Vorschlags für die Umsetzung der Agenda 21 in ausgewählten Projekten

AGENDA-Verein

Am Tag der Übergabe des Agenda-Dokumentes an Bürgermeisterin Maria Unger wurde der Verein »AGENDA e. V. — Verein für eine lebenswerte Zukunft in Gütersloh« gegründet. Er hatte sich aus ehrenamtlich aktiven Bürgerinnen und Bürgern gebildet, die zuvor in Arbeitsgruppen die »Lokale Agenda Gütersloh« erarbeitet hatten.

Ziel des Vereins, der im Jahr 2009 aufgelöst wurde, war es, die nachhaltige Entwicklung nach dem Grundsatz »Global denken — lokal handeln« voranzutreiben. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte ein Dialog zwischen allen politisch und gesellschaftlich relevanten Gruppen hergestellt werden. Der AGENDA-Verein sah sich als Bindeglied dieser Gruppen. Der Verein wollte Projekte planen und umsetzen, die umweltpolitische, soziale und wirtschaftliche Fragestellungen beinhalteten

Die Entwicklung eines Stadtleitbildes für Gütersloh 1999 sowie — damit verknüpft — das Zukunftsforum Gütersloh im Jahr 2000 waren nicht integrale Bestandteile der lokalen Agenda 21 in Gütersloh, aber Meilensteine auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Entwicklung, die von einem Höchstmaß an Bürgerbeteiligung getragen wurde.

Stadtleitbild

Im November 1999 wurde durch den Initiativkreis Stadtmarketing das Stadtleitbild »Gütersloh — Unterwegs in eine gute Zukunft« vorgestellt. Laut Präambel soll es Orientierungshilfe für alle sein: für Politik, Verwaltung, Vereine, Verbände und Initiativen. Es gibt Aufschluss darüber, welchen Weg Gütersloh ins nächste Jahrtausend gehen will. Das Leitbild ist gegliedert in verschiedene Handlungsfelder (Jugend, Wirtschaft, Natur und Umwelt etc.) und enthält Vorgaben und Ziele für die zukünftige Entwicklung der Stadt.

Zukunftsforum

Das Zukunftsforum vom Mai 2000 hatte die Aufgabe, das Leitbild zu diskutieren, kritisch zu prüfen und zu überarbeiten. Teilnehmer waren rund 100 Bürgerinnen und Bürger, die sich nach Presseaufrufen gemeldet hatten, sowie Vertreter von Vereinen, Gruppen und Verbänden. Im Rahmen des Zukunftsforums wurden der Leitbildentwurf auf eine breitere Basis gestellt, Entwicklungsziele formuliert und Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Adressaten zur Umsetzung der Maßnahmen sahen die Teilnehmer sowohl in Verwaltung und Institutionen als auch in Vereinen, Industrie und Wirtschaft sowie Bürgerinnen und Bürgern. Spitzenreiter bei den Maßnahmenforderungen waren die Bereiche Jugend, Umwelt und Verkehr.

Die bislang erläuterte Startphase der lokalen Agenda 21 bis zum Beginn der konkreten Umsetzung von entwickelten Projekten und Maßnahmen ist mittlerweile abgeschlossen.

Agenda-21-Projekte des Umweltdezernates

Seitdem wurde eine Vielzahl von Projekten im Rahmen des Agenda-Prozesses auf lokaler Ebene angestoßen. Im Folgenden werden Projekte des Umweltdezernates aufgeführt. Sofern zu einzelnen Themen eigene Kapitel in diesen Umweltdaten vorhanden sind, finden sich nähere Erläuterungen dort.

ÖKOPROFIT Gütersloh

ÖKOPROFIT Gütersloh zeigt Unternehmen Wege auf, die zur Einsparung von Kosten und einer deutlichen Entlastung der Umwelt führen.

Dazu werden in Workshops der teilnehmenden Betriebe über ein Jahr hinweg alle umweltrelevanten Themen bearbeitet, die für den jeweiligen Betrieb von Interesse sind. Zudem erfolgt eine intensive, individuelle Betreuung. Schwachstellenanalysen zeigen Probleme im Betrieb auf, etwa in den Bereichen Abfall oder Energiemanagement. Positiv wirkt darüber hinaus für den Betrieb, dass die (umwelt)rechtlichen Anforderungen individuell zusammengestellt und Hilfestellung für deren Umsetzung gegeben werden.

Abschließend werden wirtschaftlich geprüfte Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt, die zur Entlastung von Geldbeutel und Umwelt führen. Die öffentliche Verleihung der Auszeichnung »Gütersloher ÖKOPROFIT-Betrieb« dokumentiert das Umwelt-Engagement nach außen hin.

Bei ÖKOPROFIT Gütersloh handelt es sich um ein Kooperationsprojekt der Stadt Gütersloh mit der Kreishandwerkerschaft Gütersloh, der Umweltinitiative der Wirtschaft Gütersloh, der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld und des AGENDA e. V. Gütersloh. Die Finanzierung erfolgt durch die Stadt Gütersloh, das Land Nordrhein-Westfalen und die teilnehmenden Betriebe.

KlimaTisch

Der Gütersloher KlimaTisch ist ein eingetragener Verein, in dem sich verschiedene Akteure zusammengeschlossen haben, um Wege zu einer Ausschöpfung der ökologischen und ökonomischen Potenziale im Bereich der Wärme- und Heizungstechnik von Gütersloher Gebäuden zum Nutzen der heimischen Wirtschaft und der Umwelt aufzuzeigen. Die Stadt Gütersloh hat im Rahmen des KlimaTisches ein Förderprogramm zur Altbausanierung aufgelegt. (vergleiche Kapitel B.8)

fifty-fifty-Programm

Das erfolgreiche fifty-fifty-Schulprojekt diente dem bewussten bzw. sparsamen Umgang mit Energie und Wasser. Es wurde von der Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit den Gütersloher Schulen von 1997 – 2005 durchgeführt.

Indikatoren für eine nachhaltige Entwicklung

Die in Rio de Janeiro beschlossene Agenda 21 sieht vor, Indikatoren zu entwickeln, die Nachhaltigkeit messbar machen und als Grundlage für Entscheidungen auf allen Ebenen dienen können. Mit einem Set von Basisindikatoren des Projektes »Indikatoren für eine nachhaltige Entwicklung in NRW« stellte das Land ein Instrument für die Kommunen und Kreise zur Verfügung. Begonnen wurde zunächst mit dem Bereich »Bauen und Energie«.

Beispielhaft seien einige wenige aus einer Vielzahl von Indikatoren genannt:

  • Anteile energetischer Gebäudesanierung
  • Umfang solarer Wasserversorgung
  • Abfallaufkommen aus Haushalten
  • Anteil der Wohnbaumaßnahmen an bestehenden Gebäuden im Vergleich zum Neubau
  • Anteil von Siedlungs- und Verkehrsflächen im Stadtgebiet
  • Trinkwasserverbrauch je Einwohner

Biotopverbund/Kulturlandschaftsprogramm

Bestandteil einer vorsorgenden Umweltpolitik sind der Schutz und die Entwicklung naturnaher Lebensräume für Pflanzen und Tiere sowie einer abwechslungsreich strukturierten Kulturlandschaft. Der Umsetzung dieser Ziele dienen innerhalb der Stadt Gütersloh unter anderem das Biotopverbundsystem sowie das Kulturlandschaftsprogramm. Während beim Biotopverbund die Vernetzung von Lebensräumen für wildlebende Pflanzen und Tiere im Vordergrund steht, tritt im Kulturlandschaftsprogramm der Aspekt des Schutzes einer attraktiven bäuerlichen Kulturlandschaft als Identifikationsobjekt für die Bevölkerung hinzu.

Nähere Informationen zum Biotopverbund und zum Kulturlandschaftsprogramm enthalten die enthalten die Kapitel D.4 und D.8.

Kooperationen zum Schutz des Grundwassers

In Gütersloh existieren drei Kooperationen, die dem Schutz des Grundwassers im Hinblick auf Nährstoff- und Pflanzenschutzmitteleinträge dienen. Sie richten sich von Seiten der Stadt und der Stadtwerke Gütersloh GmbH an die Landwirtschaft. Informationen dazu enthält das Kapitel G.15.
Ferner gibt es seitens des Kreises Gütersloh eine Kooperation zum Schutz des Grundwassers für das Wasserschutzgebiet Isselhorst.

Naturschule

Natur, Landwirtschaft, Tiere und Pflanzen hautnah erleben! Dies ist für Kinder heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Seit 2002 bietet die Naturschule Gütersloh ein vielfältiges Kursangebot in den Oster- und Sommerferienspielen für Gütersloher Kinder zu den Themen Natur, Landwirtschaft, Kleintierzucht und Ernährung an.

Die Naturschule Gütersloh hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern und Jugendlichen das Leben auf dem Bauernhof näher zu bringen bzw. die Begegnung mit Tieren und Pflanzen in der Natur zu ermöglichen. Kinder können z.B. Lebensgewohnheiten von Hühnern oder Schafen kennen lernen oder erfahren, was alles auf dem Acker wächst oder auf der Obstwiese kreucht und fleucht. Auch der richtige Umgang mit Kaninchen oder Bienen- bzw. Vogelkunde, Wald- oder Fledermausexkursionen, Fossilienkunde oder auch Kochen mit Kindern gehören zum Programm.

Kontakt: Gisela Kuhlmann, Telefon: 0 52 41 / 82 20 88, Andrea Flötotto, Telefon: 0 52 41 / 82 22 50, Umweltberatung der Stadt Gütersloh, Siegfriedstraße 30, 33330 Gütersloh, Fax: 82 33 92, E-Mail: gisela.kuhlmann@guetersloh.de oder andrea.floetotto@guetersloh.de


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 28.06.2018