C.6 Flugverkehr

Bearbeitungsstand: 02/2014

 

Beeinträchtigungen der Umwelt durch Flugverkehr waren in der Vergangenheit fast ausschließlich auf die auf dem Flughafen Gütersloh startenden und landenden Flugzeuge zurückzuführen. Insbesondere die mit dem Flugverkehr verbundenen Lärmbelastungen haben immer wieder zu Beschwerden Gütersloher Bürgerinnen und Bürger geführt (vergleiche Kapitel I.3).

Geschichte des Gütersloher Flughafens

Am 24.04.1937 wurde der seit 1935 im Bau befindliche Flughafen Gütersloh eingeweiht. Der von Anfang an militärisch genutzte Flughafen wurde bis 1945 von Jagd- und Bomberflugzeugen der Deutschen Luftwaffe genutzt. Am 01.04.1945 wurde das Flughafengelände kampflos an die Amerikaner übergeben. Von 1945 bis 1993 wurde der Flughafen durch die Royal Air Force genutzt. In den ersten Nachkriegsjahren waren sowohl Jagd- als auch Transportflugzeuge im Einsatz. Ab 1963 kamen unterschiedliche Hubschrauberstaffeln hinzu.

Militärische Nutzung

Von 1965 bis 1977 waren Lightning-Kampfflugzeuge, von denen eine erhebliche Lärmbelästigung ausging, auf dem Flughafen stationiert. Diese Maschinen dienten der Überwachung der innerdeutschen Grenze und standen in ständiger Alarmbereitschaft. 1977 wurden die Lightnings durch Harrier-Senkrechtstarter ersetzt. Diese Maschinen wurden 1993 abgezogen; gleichzeitig endete die militärische Nutzung des Flughafens durch die Royal Air Force. Seitdem beschränkte sich die militärische Nutzung des Flughafens auf die dort stationierten Hubschrauber der britischen Heeresflieger. Anfang Oktober 2013 haben auch die letzten Hubschrauber den Flughafen verlassen. Seit dem 01.11.2013 ist der Militärflugplatz für den Flugbetrieb geschlossen.

Zivile Nutzung

Die zivile Nutzung des Flughafens begann bereits im Jahre 1986. Ab diesem Jahr starteten und landeten Firmen- und Chartermaschinen der Firmen Bertelsmann und Miele mit Genehmigung der britischen Militärs auf dem Flughafen. 1993 wurde auch anderen Firmen die zivile Mitbenutzung des Flughafens gestattet. Bereits im Jahr 2003 endete die zivile Nutzung auf dem Flughafen in Gütersloh.

Militärische Flugbewegungen

1992 stellte die Interessengemeinschaft Flughafen Gütersloh GmbH beim Ministerium für Stadtentwicklung und Verkehr in Düsseldorf einen Antrag auf zivile Mitbenutzung des Militärflughafens Gütersloh. Diese zivile Nutzung sollte auf maximal 3.500 Flugbewegungen begrenzt sein. Entsprechend dem Antrag wurde das Maximalgewicht der Flugzeuge auf 20 Tonnen begrenzt. Außerdem durfte zwischen 22.00 und 6.00 Uhr und an Wochenenden kein Flugverkehr stattfinden. Die zivile Mitbenutzung wurde im 4. Quartal 1993 aufgenommen und 10 Jahre lang fortgeführt. Auf Grund von Nutzungsänderungen der auf dem Flughafengelände stationierten britischen Streitkräfte wurde der zivile Flugverkehr jedoch am 30. Oktober 2003 endgültig eingestellt, nachdem der Vertrag zur zivilen Mitbenutzung von den britischen Streitkräften gekündigt wurde.

Angaben über die Anzahl der Flugbewegungen von 1937 bis 1982 liegen nicht vor. Erst von Januar 1983 bis September 1992 legte die Royal Air Force die Anzahl der Flugbewegungen pro Monat und Jahr offen. Diese sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt. Die häufigsten Flugbewegungen gab es mit 6.633 im April 1986, was 221 täglichen Flügen entspricht. Der langjährige Durchschnitt lag bei etwa 4.000 Flugbewegungen pro Monat.

Der Flugbetrieb der Heeresflieger mit Hubschraubern umfasst nach Einschätzung der Flughafen Gütersloh GmbH etwa 15.000 bis 20.000 Flugbewegungen pro Jahr.

Zivile Flugbewegungen

Die Flugbewegungen der zivilen Nutzung sind in der nachfolgenden Grafik dargestellt:

Hubschrauberlandeplätze

Neben dem Flughafen gibt es in Gütersloh derzeit noch 3 Hubschrauber­landeplätze:

  • Firma Bertelsmann, Carl-Bertelsmann-Straße
  • Städtisches Krankenhaus, Brunnenstraße
  • Sankt-Elisabeth-Hospital, Stadtring Kattenstroth

Angaben über die Zahl der Flugbewegungen auf den vorgenannten Landeplätzen liegen nicht vor. Alle drei Landeplätze werden jedoch nur sporadisch genutzt. Die Nutzung der Hubschrauberlandeplätze dürfte daher sowohl unter dem Aspekt Fluglärm als auch im Hinblick auf sonstige Immissionsbelastungen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen.

Modellflugsport

Darüber hinaus befindet sich an der Paderborner Straße das Gelände eines Modellflugsportvereins, auf dem seit 1975 Modellflugzeuge starten und landen. Im Februar 1997 wurde durch die Bezirksregierung Münster als zuständige Luftaufsichtsbehörde dem Verein die Erlaubnis zum Betrieb von Flugmodellen mit Verbrennungsmotoren bis zu 20 Kilogramm Gewicht erteilt. Bis dahin lag das zulässige Gesamtgewicht bei 5 Kilogramm, wofür keine behördliche Erlaubnis erforderlich war.

Die Erlaubnis der Bezirksregierung Münster ist bis zum 31.12.2001 befristet. Die Flugmodelle dürfen täglich in der Zeit von 9.00 bis 13.00 Uhr und von 15.00 bis 19.00 Uhr betrieben werden. An Sonntagen vormittags und ganztägig an stillen Feiertagen dürfen keine Modelle mit Verbrennungsmotoren eingesetzt werden. Ferner dürfen maximal 3 Modelle mit Verbrennungsmotoren gleichzeitig betrieben werden.

Da das Gelände des Vereins im Naturschutzgebiet »Große Wiese« (vergleiche Kapitel D.2) liegt, hat der Kreis Gütersloh als untere Naturschutzbehörde im Juli 1999 eine auf 2 Jahre befristete Ausnahme vom Modellflugsportverbot erteilt. Ein generelles Flugverbot besteht in der Zeit vom 16.03. bis 30.04 jeden Jahres; das Verbot kann auf den Zeitraum 01.03. bis 15.06. ausgedehnt werden, wenn dies zum Schutz von Brutrevieren des Großen Brachvogels (einer vom Aussterben bedrohten Wiesenvogelart) erforderlich ist.
Mit Bescheid vom 13.11.2007 hat die Bezirksregierung Münster die Erlaubnis zum Betrieb von Flugmodellen mit und ohne Verbrennungsmotoren mit einem Gesamtgewicht von bis zu 25 Kilogramm bis zum 31.10.2012 verlängert. Die Erlaubnis ist mit der Auflage versehen, dass in der Zeit vom 15. Februar bis 15. Juni eines jeden Jahres ein fixes Flugverbot für einen Zeitraum von 10 Wochen gilt. Der Kreis Gütersloh als untere Naturschutzbehörde legt dieses Zeitfenster fest und teilt es dem Modellflugverein mit.

Leider ist es dem Modellflugsportverein und der unteren Naturschutzbehörde noch nicht gelungen, ein geeignetes Ersatzgelände zu finden.

 

Quelle:
Büscher, Wolfgang (1994): Der Flugplatz Gütersloh im Wandel der Zeit, Veröffentlichungen aus dem Kreisarchiv, Reihe 1, Heft 3, Hrsg.: Kreis Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 25.09.2018