D.2 Geschützte Gebiete

Bearbeitungsstand: 12/2018

 

Nach Bundesnaturschutzgesetz und Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG NRW) können bestimmte Gebiete und Einzelobjekte festgesetzt werden, die dem Schutz von Natur und Landschaft dienen sollen.

Nach den Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) werden Naturschutzgebiete (NSG) festgesetzt, soweit dies

  1. zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften oder Biotopen bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten,
  2. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen oder erdgeschichtlichen Gründen oder
  3. wegen der Seltenheit, besonderen Eigenart oder hervorragenden Schönheit einer Fläche oder eines Landschaftsbestandteils

erforderlich ist. Die Festsetzung ist auch zulässig zur Herstellung oder Wiederherstellung einer Lebensgemeinschaft oder Lebensstätte im Sinne von Buchstabe a.

Es werden ferner Landschaftsschutzgebiete (LSG) festgesetzt, soweit dies

  1. zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts oder der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
  2. wegen der Vielfalt, Eigenart oder Schönheit des Landschaftsbildes oder
  3. wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung

erforderlich ist.

Darüber hinaus können auch Einzelschöpfungen der Natur als Naturdenkmale (ND) und Teile von Natur und Landschaft als geschützte Landschaftsbestandteile festgesetzt werden. Letztgenannte wurden auf Gütersloher Stadtgebiet bisher nicht ausgewiesen.

Die NSG, LSG sowie ND sind in Karte D.2.1 dargestellt. Bodendenkmale, die auch eine andere rechtliche Grundlage haben, werden in Kapitel E.5 behandelt.

 

Naturschutzgebiete

In der Stadt Gütersloh gibt es drei Naturschutzgebiete. Sie weisen insgesamt eine Größe von etwa 313 Hektar auf. Das entspricht einem Flächenanteil von 2,8 Prozent.

Das älteste und mit circa 16,6 Hektar auch kleinste Schutzgebiet in Gütersloh ist das NSG »Spexard«. Das Feuchtwiesenschutzgebiet wurde durch Verordnung vom 17.09.1987 unter Schutz gestellt. Gründe dafür waren die unter den Buchstaben a und b des § 20 Landschaftsgesetz angeführten Gegebenheiten. Mit dem Schutz geht eine Reihe von Verboten einher, die eine Beeinträchtigung der Lebensgemeinschaften des Gebietes verhindern sollen.

Durch Verordnung vom 10.01.1989 wurde das NSG »Am Lichtebach« festgesetzt. Bei diesem NSG handelt es sich ebenfalls um ein Feuchtwiesenschutzgebiet. Es wurde durch Verordnung vom 10. Dezember 2001 erweitert und umfasst nunmehr eine Fläche von circa 89,5 Hektar. Das NSG »Am Lichtebach« wird durch die Biologische Station Gütersloh/Bielefeld e. V. betreut.

Das NSG zeichnet sich durch einen etwa neunzigprozentigen Grünlandanteil und zahlreiche Bewirtschaftungsverträge aus. Ein hoher Anteil des Grünlandes wird zudem als reine Mähwiese genutzt. Besonders wertvoll ist die spezialisierte Vegetation der Gräben und mageren, sandigen Wegränder. Faunistisch ist das Gebiet unter anderem wegen vieler gefährdeter Arten bei den Wat- und Wiesenvögeln, Amphibien, Libellen und Heuschrecken von hoher Bedeutung.

Aufgrund der extensiven Bewirtschaftungsform und der zahlreichen bedrohten Pflanzenarten ist das NSG »Am Lichtebach« insbesondere aus botanischer Sicht eines der hochwertigsten Feuchtwiesenschutzgebiete des gesamten Kreises Gütersloh.

Am 31.05.1999 schließlich wurde nach vorangegangener gut 4jähriger einstweiliger Sicherstellung das circa 228 Hektar große NSG »Große Wiese« festgesetzt. Teile dieses Gebietes liegen auf dem Gemeindegebiet von Verl. Die besondere Ausstattung dieses Bereiches gab den Anlass für eine ausführliche Darstellung des Schutzzweckes in der Verordnung, die zugleich das Gebiet charakterisiert. Dort heißt es:

Die Unterschutzstellung erfolgt

  1. zur Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung von Lebensgemeinschaften und Biotopen seltener und gefährdeter sowie landschaftsraumtypischer, wildlebender Tier- und Pflanzenarten, insbesondere zur Erhaltung eines zusammenhängenden Feuchtwiesenbereiches, der mit seinen unterschiedlichen Biotoptypen und Nutzungen als ökologische Einheit zu betrachten ist;
    der von unterschiedlichen Vernässungsgraden geprägte Grünlandbereich hat besondere Bedeutung als Brut-, Nahrungs-, Rast- und Lebensraum für eine Vielzahl seltener und gefährdeter Vogelarten, insbesondere für Wat- und Wiesenvögel (Limikolen);
    Teilflächen des Gebietes sind aufgrund des floristischen Arteninventars von besonderer vegetationskundlicher Bedeutung; insbesondere sind folgende vorhandene Biotoptypen zu schützen:darüber hinaus soll die Unterschutzstellung die Funktion der Fließgewässer und der Auen als Ausbreitungskorridor für bodenständige, einheimische Tier- und Pflanzenarten sowie die Funktion des Gebietes insgesamt als Trittsteinbiotop im Verbund mit den benachbarten Feuchtwiesenschutzgebieten sichern und fördern; ein wesentliches Element hierfür ist die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Fließgewässer und der Aue;
    • naturnah verlaufende Fließgewässerabschnitte der Dalke mit Flach- und Steilufern sowie uferbegleitenden Gehölzbeständen
    • Nass- und Feuchtgrünland (in zum Teil magerer Ausbildung), Uferhochstaudenfluren, Kleingewässer, Röhrichte und kleinflächige Seggenrieder, Flutmulden;
  2. aus naturwissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, erdgeschichtlichen und landeskundlichen Gründen, die im Zusammenhang mit der ökologischen Entwicklung der Dalkeaue stehen;
  3. wegen der Seltenheit, besonderen Eigenart und hervorragenden Schönheit des großflächigen, zum Teil von Hecken und Gehölzen durchzogenen Grünlandgebietes.

Die Untersuchungen der Biologischen Station Gütersloh / Bielefeld e. V. im Rahmen der Betreuung des NSG »Große Wiese« ergaben, dass mit 10 Prozent ein hoher Flächenanteil des Gebietes als Acker genutzt wird. Zudem sind viele Flächen als Wechselgrünland festgeschrieben, so dass sie jederzeit umgebrochen werden können.

Trotzdem kommen aber verbreitet Pflanzengesellschaften der Flutrasen, Feuchtwiesen sowie der feuchten und mageren Weiden vor. Insgesamt wurden 43 Pflanzenarten der Roten Liste und Vorwarnliste NRW nachgewiesen. Bezüglich der Avifauna zeichnet sich das Gebiet durch typische Feuchtwiesen-Arten, aber auch durch Arten aus, die auf eine starke Landschaftsgliederung durch Hecken und Baumreihen angewiesen sind.

Weitere Fach- und Sachinformationen zu den Naturschutzgebieten NRW finden Sie auf der Seite des LANUV NRW: http://nsg.naturschutzinformationen.nrw.de/nsg/de/start

Landschaftsschutzgebiet

Als Landschaftsschutzgebiet ist durch Verordnung vom 23.03.1975 über die Hälfte des Stadtgebietes ausgewiesen. Diese Verordnung gilt bis zum Inkrafttreten eines Landschaftsplanes, den es bisher noch nicht gibt. Im LSG gelten Einschränkungen hinsichtlich verschiedener Nutzungen. Dabei geht es in erster Linie darum, Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes und Schädigungen der Natur zu verhindern.

 

Naturdenkmale

Bei den 9 Naturdenkmalen in Gütersloh handelt es sich überwiegend um Einzelbäume, davon allein 4 alte Eichen. Weiterhin ist ein Dünenhügel als ND ausgewiesen (vergleiche Karte D.2.1 und nachfolgende Tabelle).

Naturdenkmale im Stadtgebiet Gütersloh
Nummer Bezeichnung Nummer Bezeichnung
1 Platane 6 Stieleiche
2 Rotbuche* 7 Binnendüne
3 Winterlinde 8 Stieleiche
4 Rotbuche 9 Stieleiche
5 Stieleiche    

* Die Rotbuche ist bei dem Orkan "Friederike" am 18. Januar 2018 umgestürzt.

 

Geschützte Biotope

Neben diesen speziell abgegrenzten und festgesetzten Schutzgebieten bzw. Einzelobjekten gibt es auch bestimmte Biotope, die ohne besondere formelle Schutzausweisung generell nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz bzw. nach § 42 Landesnaturschutzgesetz NRW (früher § 62 Landschaftsgesetz NRW) geschützt sind. Maßnahmen und Handlungen, die zu einer nachhaltigen oder erheblichen Beeinträchtigung oder zu einer Zerstörung dieser Biotope führen können, sind verboten.

Es handelt sich um besonders seltene oder bedrohte Lebensräume. Dazu zählen unter anderem Moore, Röhrichte, seggen- und binsenreiche Naßwiesen, naturnahe Bachabschnitte, offene Binnendünen, Heiden, Trockenrasen, Verlandungsbereiche stehender Gewässer und Bruchwälder.

Im Stadtgebiet von Gütersloh wurden im Rahmen einer Biotoptypenkartierung 2005 über 100 dieser geschützten Biotope gefunden und beschrieben. Darüber hinaus gibt es in Gütersloh zahlreiche Biotope, die zwar den landesweit gültigen Anforderungen an ein »§-30-Biotop« hinsichtlich der Größe oder Ausdehnung nicht genügen, die aber für den Landschaftsraum Gütersloh von besonderer Bedeutung sind und daher als sogenanntes »besonders schutzwürdiges Biotop« erfasst wurden.

Weitere Fach- und Sachinformationen zu den gesetzlich geschützten Biotopen in NRW finden Sie auf der Seite des LANUV NRW: http://p62.naturschutzinformationen.nrw.de/p62/de/start

Landesentwicklungsplan

Gebiete und Flächen, die zwar keinem Schutz im engeren Sinne unterliegen, für die es aber bestimmte landesplanerische Zielvorgaben hinsichtlich ihrer Nutzung gibt, sind landesweit im Landesentwicklungsplan (LEP) und regional im Gebietsentwicklungsplan (GEP) ausgewiesen.

Im LEP (Aufstellungsbeschluß vom 11.05.1995) sind im Teil B die Ems-, Lutter- Reiherbach- und Lichtebachaue und die »Große Wiese« als Gebiete für den Schutz der Natur ausgewiesen. Flächen nördlich von Isselhorst sowie im Südwesten des Stadtgebietes im Bereich Pavenstädt / Kattenstroth sind durch die Freiraumfunktion »Grundwasservorkommen« gekennzeichnet. Weiterhin sind vorhandene Wälder als Waldgebiete abgegrenzt.

 

Gebietsentwicklungsplan

Im ökologischen Fachbeitrag zum GEP für den Regierungsbezirk Detmold (LÖBF 1995) sind die genannten LEP-Flächen zum Schutz der Natur vollständig als naturschutzwürdige Gebiete von landesweiter Bedeutung übernommen worden. Zusätzlich sind auch kleinere Flächen unter 75 Hektar Größe dargestellt und detailliert beschrieben.

 

Quelle:
Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten / Landesamt für Agrarordnung Nordrhein-Westfalen (LÖBF) (1995): Ökologischer Fachbeitrag zum Gebietsentwicklungsplan für den Regierungsbezirk Detmold - Oberbereich Bielefeld, Teilabschnitt Bielefeld / Gütersloh, Recklinghausen

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 17.04.2019