D.3 Kataster

Bearbeitungsstand: 11/2019

 

Eine Reihe von Daten, die Natur und Landschaft betreffen, ist in Gütersloh flächenmäßig und inhaltlich erfasst und in einer Form gesichert, die eine katastermäßige Auswertung möglich macht. Die nachfolgend vorgestellten Daten werden alle von der Stadt Gütersloh vorgehalten und im Rahmen ihres Umweltinformationssystems (UIS) digital genutzt und ausgewertet.

Dazu gehören die vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV, ehemals LÖBF) erfassten und als wertvoll erachteten Biotope ebenso wie die regelmäßig von der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld e. V. erhobenen und digital aufbereiteten Wiesenvogel-Daten. Beide Datenbestände werden im Folgenden exemplarisch dargestellt. Aber auch die Fundorte anderer seltener und geschützter Tiere und Pflanzen und die geschützten und schutzwürdigen Biotope (vergleiche Kapitel D.2) zählen dazu. Darüber hinaus sind beispielsweise die Ergebnisse einer Biotoptypenerfassung (vergleiche Kapitel D.4) sowie Lage und Abgrenzung aller in der Vergangenheit im Rahmen von ökologischen Gutachten bewerteten Flächen verfügbar.

 

Biotopkataster

Das LANUV führt ein regelmäßig fortgeschriebenes landesweites Biotopkataster. Darin sind Biotope und Biotopkomplexe enthalten, die aufgrund ihrer floristischen, faunistischen oder auch ihrer ästhetischen (Landschaftsbild!) Bedeutung als schutzwürdig eingestuft werden. Die Erfassung dient der reinen Information. Ein Schutz der entsprechenden Flächen ist damit mit Ausnahme der §-30-Biotope (vergleiche Kapitel D.2) nicht verbunden.

Die einzelnen nach Homogenitätskriterien abgegrenzten Biotopstrukturen werden anhand eines standardisierten Erfassungsbogens detailliert beschrieben. Dabei wird jeder Fläche eine Bezeichnung zugeordnet, die sich aus dem Kürzel BK, der Nummer des Messtischblattes (TK 25), auf dem die Fläche liegt, und einer laufenden Nummer zusammensetzt. Erfasst werden z. B. Strukturmerkmale wie Größe, Naturraum, Biotoptypen, ausgewählte Pflanzen und Tiere sowie Pflanzengesellschaften. Eine allgemeine Beschreibung rundet die Angaben ab.

Weitere Fach- und Sachinformationen zu den schutzwürdigen Biotopen NRW finden Sie auf der Seite des LANUV NRW: http://bk.naturschutzinformationen.nrw.de/bk/de/start

Flächengrößen und -anteile

Auf dem Gebiet der Stadt Gütersloh wurden derartige Biotope auf einer Gesamtfläche von circa 1.142 Hektar kartiert. Das kommt einem Flächenanteil am Stadtgebiet von etwa 10 Prozent gleich (vergleiche Karte D.3.1). Die Flächengrößen reichen von 400 Quadratmeter bei einem kleinen Großseggenried bis 228 Hektar beim Grünlandkomplex "Große Wiese". Die mittlere Flächengröße beträgt 14 Hektar; über 70 Prozent der Flächen sind kleiner als 10 Hektar, 30 Prozent sogar kleiner als 1 Hektar. Mit rund 300 Hektar befindet sich etwa ein Viertel der Flächen innerhalb von Naturschutzgebieten.

 

Flächenarten

Biotopkatasterflächen sind vor allem in den Auen von Lichtebach/Steinbach, Lutter, Schlangenbach, Dalke ("Große Wiese"), Ölbach, Wapel und Ems kartiert worden. Es handelt sich großenteils um Grünlandkomplexe mit wechselnden Anteilen von Feucht- und Nasswiesen. Ihre besondere Bedeutung erlangen sie durch die Vielzahl gefährdeter, häufig auf Feuchtwiesen spezialisierter Arten von Pflanzen und Tieren. Ebenfalls in das Kataster aufgenommen sind Komplexe einer reich gegliederten, mit Hecken und Feldgehölzen, z.um Teil auch Wäldern durchsetzten bäuerlichen Kulturlandschaft sowie naturnahe Kleingewässer, Magerrasen und andere mehr.

 

Wiesenvögel

Der Bestand der auf große Grünlandbereiche angewiesenen Wiesenvögel wird seit 1989 von der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld e. V. systematisch erfasst. Seitdem gibt es jährlich kreisweite Kartierungen, die den Wiesenvogel-Bestand dokumentieren.

Zu den regelmäßig untersuchten Arten zählen im Kreisgebiet Gütersloh Großer Brachvogel, Bekassine, Austernfischer, Uferschnepfe, Kiebitz und Steinkauz, die turnusmäßig alle drei Jahre flächendeckend erfasst werden. Im Stadtgebiet Gütersloh sind von ehemals circa 8 brütenden Wiesenvogelarten nur noch 3 übrig geblieben: Großer Brachvogel, Kiebitz und Steinkauz. Die Bekassine hat Mitte der neunziger Jahre ihren letzten Brutplatz in Spexard durch Bebauung verloren, andere typische Wiesenvögel wie Wiesenpieper, Braunkehlchen und Wachtel waren schon spätestens in den achtziger Jahren verschwunden. Erst neuerdings wurden wieder 2 Paare des Wiesenpiepers auf dem Flughafen entdeckt, dem zweiten Brutplatz im gesamten Kreis neben der ebenfalls wiederbesiedelten Rietberger Emsniederung. Die Schafstelze erscheint in den letzten Jahren wieder vereinzelt, jedoch eher in Getreideschlägen. Der Verlust an Flächen (insbesondere Grün- und Weideland) und landschaftlicher Kleinstrukturen in Verbindung mit der Intensivierung der landwirtschaftlichen Bodennutzung in den letzten Jahrzehnten haben zu diesem Artenrückgang beigetragen. Die Ausweisung von Feuchtwiesenschutzgebieten (vergleiche Kapitel D.2) und der Vertragsnaturschutz im Kulturlandschaftsprogramm des Kreises Gütersloh (vergleiche Kapitel D.8) sind ein Versuch, den weiteren Rückgang aufzuhalten.

Witterungs- und zum Teil auch erfassungsbedingt schwankt die Zahl der Wiesenvogelreviere im Stadtgebiet. Dennoch ist als Tendenz unverkennbar, dass seit Anfang der 1990er Jahre die Anzahl der Reviere der 3 verbliebenen Arten von circa 150 auf zuletzt unter 90 zurückgegangen ist. Die allermeisten Reviere stellt der Kiebitz, der inzwischen allerdings überwiegend auf Ackerflächen brütet und den noch dramatischeren Absturz der eigentlichen Wiesenvögel damit teilweise verdeckt. Die Anzahl seiner Reviere ist jedoch auch um fast die Hälfte zurückgegangen. Der Große Brachvogel ist mit 4 bis 6 Revieren dank intensiver Schutzmaßnahmen (Gelegeschutz) durch die Biologische Station relativ stabil. Sein Bestand erhöhte sich zuletzt durch Neuzugänge beim Flughafen auf insgesamt 8 Paare; vermutlich handelt es sich dabei um Umsiedler, die in ihren alten Revieren keine adäquaten Bedingungen mehr fanden. Beim Steinkauz ist besonders in den letzten 4 Zählperioden eine Aufwärtstendenz erkennbar.  Dies ist vermutlich gleichfalls eine Folge von Schutzmaßnahmen, die in diesem Fall vor allem durch das städtische Umweltamt vorangetrieben werden (Niströhren, Information der Revierinhaber). Unverzichtbare Partner beim Wiesenvogelschutz (Nestschutz) sind die Landwirte. Trotz einzelner Erfolge sieht die Zukunft der ehemals landschaftstypischen "ökologischen Gilde" der Wiesenbrüter insgesamt im Stadtgebiet düster aus.

 

Die Karte D.3.2 zeigt einen Auszug aus dem Kataster mit den Reviernachweisen für die Arten Großer Brachvogel, Kiebitz, Schafstelze und Steinkauz der Jahre 2013 bis 2014. Schwerpunkte der Wiesenvogelverbreitung im Stadtgebiet von Gütersloh sind die Auenbereiche von Lichtebach, Lutter, Reinkebach, Dalke und Ölbach.

Gerade besonders störungsempfindliche Arten mit großer Fluchtdistanz wie der Große Brachvogel konzentrieren sich stark auf die Naturschutzgebiete oder deren unmittelbare Nähe. Hier sind auch insgesamt die größten Revierdichten der dargestellten Wiesenvogelarten vorhanden. Auffallend ist das weitgehende Fehlen von Wiesenvögeln im südwestlichen Stadtgebiet zwischen Blankenhagen und Kattenstroth – sicher eine Folge der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung mit geringem Grünland- und hohem Ackeranteil.


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 11.11.2019