D.4 Biotopverbundsystem

Bearbeitungsstand: 10/2013

 

Die heutige Landschaft unterliegt einem starken Nutzungsdruck von vielen Seiten (vergleiche Kapitel D.1, E.2). Das hat eine Verarmung an Lebensräumen zur Folge. Die verbleibenden Lebensräume werden zunehmend isoliert. Sie sind oft untereinander von den verschiedenen Organismen nicht mehr erreichbar. Dies wird als Verinselung bezeichnet. Daraus resultieren Probleme wie genetische Verarmung und Unterschreitung der Mindestflächengrößen für die Überlebensfähigkeit von Populationen. Hier liegt eine wichtige Ursache für die heutige starke Gefährdung bzw. das Aussterben vieler Arten (siehe Abbildung).

Quelle: www.bfn.de, (Stand: 2012)

 

Gefährdung von Arten und Lebensräumen

Ziel des Biotopverbunds ist es, gefährdete Lebensraumtypen (Biotoptypen) oder für bedrohte Arten wertvolle Biotope zu erhalten und durch zusätzliche Flächen so zu ergänzen, dass in ihnen Tier- und Pflanzenpopulationen auf Dauer überleben können.

 

Konzept Biotopverbund

Das Konzept des Biotopverbundes gründet sich auf 4 Hauptbestandteile:

  1. Großflächige Lebensräume. Sie bilden die Kernzonen des Verbundes.
  2. Trittsteine zwischen den großflächigen Lebensräumen als Verbindungselemente.
  3. Korridore als Wanderwege. Sie verbinden großflächige Lebensräume und Trittsteine.
  4. Nutzungsextensivierung auf allen Flächen. Dadurch wird die Isolationswirkung herabgesetzt.

 

Biotopverbund Gütersloh

Die Stadt Gütersloh hat im Jahre 1997 eine Biotopverbundplanung in Auftrag gegeben. Sie umfasste zunächst die Analyse der abiotischen Verhältnisse wie beispielsweise Grundwasserflurabstände, Topographie, Böden et cetera zur Feststellung des ökologischen Potenzials.

Als Beispiel einer Auswertung ist die Karte D.4.1 angefügt,die den Grundwasserflurabstand im gesamten Stadtgebiet aufzeigt. Dabei fallen besonders die hohen Grundwasserstände im Bereich der Auen sowie große Flurabstände auf flachen Geländerücken oder bei größerer Entfernung zu Fließgewässern auf.

An derartige Auswertungen schloss sich die detaillierte Kartierung aller Biotoptypen im Außenbereich an. Dazu wurden etwa 12.000 Objekte von Ackerflächen über Wegesäume bis hin zu Wäldern erfasst. Eine gruppierte Darstellung der über 100 verschiedenen Biotoptypen zeigt die Karte D.4.2.

 

Bewertung

Karte D.4.3 Biotoptypenbewertung

Geobasisdaten der Kommunen und des Landes NRW © Geobasis NRW 2015

Legende

Maßstäbe bei der Bewertung der Biotoptypen aus ökologischer Sicht waren:

  • Alter und Ausprägung
  • Seltenheit
  • Gefährdung
  • Artenvielfalt
  • Schutzstatus.

Die Biotope wurden in 4 Wertigkeitsklassen eingeteilt:

  • Biotope höchster Wertigkeit (Naturschutzgebiete, naturnahe Wälder, Trockenrasen und Zwergstrauchheiden)
  • Biotope hoher Wertigkeit (Wallhecken, Hochhecken, Gehölzstreifen, Obstwiesen)
  • Biotope mittlerer Wertigkeit (Wälder mit nicht standortgerechten und einheimischen Arten, Pappelwald, Intensivgrünland, Fischteiche)
  • Biotope geringer Wertigkeit (Acker, strukturarme Zier- und Nutzgärten)

Eine Darstellung dieser Bewertung enthält die Karte D.4.3. Sie zeigt deutlich

  • den geringen Flächenanteil und die geringe absolute Flächengröße der höchstwertigen Biotoptypen (z. B. naturnahe Wälder, Trockenrasen)
  • die Dominanz mittlerer Wertigkeiten (z. B. Intensivgrünland)
  • die Deckungsgleichheit der geringsten Wertigkeitsklasse mit den intensiv genutzten Äckern.

Neben dem Status quo wurde auch die Entwicklungsfähigkeit der jeweiligen Biotoptypen im Hinblick auf den Biotopverbund bewertet.  Sie bildeten die Grundlage für die erarbeitete Kulisse der Biotopverbundflächen.  Dabei handelt es sich um weitgehend zusammenhängende Bereiche, die aktuell oder potenziell für den Biotopverbund wertvoll sind. Hier bestehen die besten Möglichkeiten für den Arten- und Individuenaustausch. Häufig gruppieren sich die Flächen um zentral liegende Fließgewässer (siehe Karte D.4.4).

Die Biotopverbundflächen gliedern sich in drei Bestandteile:

  • großflächige, naturnahe Kernzone (stabile Dauerlebensräume mit hoher Wertigkeit)
  • Randzone 1 (abgestufte Bedeutung für den Biotopverbund, jedoch sollten flächendeckende Maßnahmen auf erheblichen Flächenanteilen stattfinden)
  • Randzone 2 (als Puffer zu Intensivnutzungen, z.B. Gewässerrandstreifen als Schutz vor Nährstoffeinträgen)

Im Stadtgebiet wurden insgesamt 39 Biotopverbundflächen abgegrenzt. Sie erreichen zusammen eine Größe von circa 4.017 Hektar (Stand 2002; siehe Aufstellung des Flächenumfangs weiter unten). Die Kernzonen machen davon Hälfte aus (vergleiche Karte D.4.4). Detaillierte Informationen zu den Flächen enthalten eigene Datenblätter. Darin sind auch die individuell formulierten Entwicklungsziele enthalten, aus denen aus ökologischer Sicht anzustrebende Maßnahmen entwickelt wurden.

 

Mögliche Maßnahmen

 

Vernetzung der Lebensräume der Niederungen und Auen

  • Erhalt und Wiederherstellung der Grünlandnutzung
  • Entwicklung von Gewässerrandstreifen
  • Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Gewässer
  • Strukturanreicherung der Niederungslandschaften (z. B. durch Kopfbäume)
  • stärkere Strukturierung intensiv genutzter und ausgeräumter Landschaftsteile durch Säume, Randstreifen, Hecken und ähnliches

Eine übersichtliche Darstellung der großräumigen Zusammenhänge der komplexen Planungskarte sowie eine Reihe von Zusatzinformationen enthält die Konzeptkarte (vergleiche Karte D.4.5).

 

Überregionaler Biotopverbund

  • die Verbundachsen und Ausbreitungskorridore setzen sich außerhalb des Stadtgebietes fort
  • Verbundachsen sind in der Flächenkulisse des Kulturlandschaftsprogrammes des Kreises Gütersloh sowie im Landesentwicklungsplan dargestellt
  • ähnliche Darstellungen in einigen Nachbarkommunen (vergleiche Zielkonzept Naturschutz der Stadt Bielefeld)

 

Konfliktpotenzial

Planerisches Konfliktpotenzial besteht vor allem in Hinblick auf die Landwirtschaft (Befürchtung einer Wegnahme von Flächen, unterliegen starker Restriktionen) und auf städtebauliche Planung. Lösungen dazu werden fallbezogen in enger Abstimmung mit Landnutzern und Stadtplanung erarbeitet.

 

Flächenumfang

Die Biotopverbundkulisse umfasst etwa 4.000 Hektar (siehe folgende Abbildung). 2 Drittel davon unterliegen bereits aktuell begrenzten Planungsmöglichkeiten, da der Flächennutzungsplan (FNP) hier schon bestimmte Darstellungen aufweist. Dazu gehören z. B. die Bachniederungen, die Flächen für Wald, Überschwemmungsgebiete. Außerhalb der Verbundflächen weist der FNP noch etwa 1.400 Hektar Flächen auf, die ebenfalls eingeschränkten Planungsmöglichkeiten unterliegen.

 

Zu den FNP-Flächen mit eingeschränkten Planungsmöglichkeiten gehören Naturschutzgebiete, Abgrabungen, Bachniederungen, Wald, Altablagerungen, Grünflächen, Überschwemmungsgebiete, Flächen für Ausgleich, zu schützende Landschaftsteile, Wasser; Überschneidungen der Flächen sind berücksichtigt. Die Verbundkulisse beinhaltet auch einen Anteil von Verkehrsflächen, landwirtschaftlichen Hoflagen, Lagerplätzen usw.

 

Umsetzung

 

Die Umsetzung der vorliegenden Planung basiert auf:

  • freiwilliger Basis
  • privatem Engagement der Grundeigentümer
  • Förderprogrammen in der Landwirtschaft (vergleiche Kapitel D.8)
  • Naturschutzsonderprogrammen
  • Optimierungen im Rahmen der Realisierung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen (vergleiche Kapitel D.6).

 

Vertragsnaturschutz

  • eine Aufnahme von Biotopverbundflächen in das Kulturlandschaftsprogramm wurde vorerst auf die Kernzone und eine Flächenobergrenze von 1.000 Hektar begrenzt
  • der Vertragsnaturschutz ermöglicht auf freiwilliger Basis eine finanzielle Entschädigung für Ertragseinbußen auf Grund von Einschränkungen bei der Landbewirtschaftung
  • Kontakte zu geschulten Beratungsstellen vermittelt der Fachbereich Umweltschutz der Stadtverwaltung oder die Abteilung Umwelt der Kreisverwaltung

Eine Kurzfassung der wichtigsten Ergebnisse der Biotopverbundplanung zum Download ist auf der Internetseite der Stadt Gütersloh zu finden.

 

Quelle:
NZO-GmbH (2000): Biotopverbundplanung Stadt Gütersloh, Bielefeld

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 28.06.2018