D.5 Grünspangen- und Stadtteilparkkonzept

Bearbeitungsstand: 11/2019

Masterplan Grün + Freiraum (Teil 1)

 

1. Die Bedeutung des Stadtgrüns

Das optische Erscheinungsbild einer Stadt sowie die Lebenszufriedenheit der Menschen werden wesentlich durch die Quantität und insbesondere durch die Qualität ihrer Grünflächen bestimmt. Parks, Grünanlagen und Gärten sind bestimmende Elemente einer positiven Identifikation mit der Stadt. Freiräume und Grünflächen wirken sich wertsteigernd auf Grundstücke und Immobilien aus (Wohnen am Park, Wohnen im Grünen) und spielen in der Vermarktungsstrategie längst eine wichtige Rolle. Grün ist heute entscheidend für die Adressbildung, so der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmer. Somit wird der Zustand öffentlicher Grünflächen auch zum Indikator für den Wirtschafts- und Wohnstandort einer Kommune.

Grün- und Parkanlagen erfüllen eine Vielzahl ästhetischer, ökologischer, sozialer und stadtklimatischer Funktionen. Ihre Gestaltung und ihr Stellenwert beeinflussen die Entwicklung sozialer Beziehungen, die zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehören, und ihre Lage und Größe sind ein zentrales Anliegen einer Klimaanpassungsstrategie mit unmittelbaren Auswirkungen für die Lebensqualität in der Stadt.

Gleichzeitig gewinnt das Stadtgrün auch immer mehr an Bedeutung für die Gesunderhaltung der Stadtbevölkerung. Die fortschreitende Bewegungsarmut sowie das sich verändernde Stadtklima erfordern als Ausgleich vielschichtige Angebote, um die soziale Zufriedenheit und Gesundheit der Stadtgesellschaft weiterhin zu gewährleisten. Bestimmte Sportaktivitäten wie Joggen und Walken oder die Trendsportarten wie Parkour und Calisthenics werden nicht in Sportstätten ausgeübt, sondern in öffentlichen Park- und Grünanlagen. Der Nutzungsdruck auf die vorhandenen Anlagen wird sich daher weiter erhöhen.

Durch die demografische Entwicklung kommt dabei den wohnungsnahen Park- und Grünanlagen in der Stadt, die auch bei geringer Mobilität erreicht werden können, eine besondere Bedeutung zu. Im internationalen und nationalen Wettbewerb um Einwohner und Arbeitskräfte sowie um Unternehmen ist das Stadtbild und seine Grünqualität ein wichtiger Standortfaktor. „Grüne Städte“ zeichnen sich durch hohe Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit aus. Dies bestätigen wiederholt auch Städterankings.1)

Mit dem neuen Weißbuch „Stadtgrün -Grün in der Stadt- für eine lebenswerte Zukunft“   hat die Bundesregierung 2017 konkrete Handlungsempfehlungen für mehr Grün in unseren Städten erarbeitet. Eingebunden in die Erstellung des Weißbuchs waren neben den Bundesressorts, Ländern und Kommunen auch Verbände, Vereine, Stiftungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.  Das Weißbuch ist somit Ergebnis eines umfassenden Diskussionsprozesses. Im Ergebnis wird dem Stadtgrün eine Gleichrangigkeit zur übrigen Infrastruktur beigemessen. 1) Stadtgrün ist für die Zukunft unserer Städte und für die Lebensqualität der Bewohner unverzichtbar. 

Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gilt es, das Stadtgrün durch eine integrative Stadtentwicklung zu stärken - auch vor dem Hintergrund der Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen beispielsweise durch die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, Neuauflage 2016, das integrierte Umweltprogramm 2030 „Den ökologischen Wandel gestalten“ sowie der bei der dritten UN-Weltkonferenz zu Wohnen und nachhaltiger Stadtentwicklung (Habitat III) in Quito verabschiedeten „New Urban Agenda“. 1)

 

1.1 Stadtgrün in Gütersloh

Der Nutzungsdruck auf die städtischen Grün- und Freiräume hat auch in Gütersloh aufgrund des Bevölkerungswachstums, des steigenden Wohnraumbedarfs, der wirtschaftlichen Entwicklung und den Folgen des Klimawandels stark zugenommen. Die vorhandenen Grünräume wie zum Beispiel der Mohns Park werden immer stärker beansprucht, da Alternativen fehlen. Dies führt zu Übernutzungen, zu einem erhöhten Unterhaltungsaufwand und damit zu höheren Kosten. Da die Verteilung von öffentlichen Grünflächen im Stadtgebiet aufgrund der städtebaulichen Entwicklung nicht gleichmäßig ist, müssen in den Stadteilen, in denen es eine deutliche Unterversorgung mit Park- und Grünanlagen gibt, vorhandene Freiräume gesichert und nachhaltig entwickelt werden. 

Besonders hohe Defizite sind in der Innenstadt, im nördlichen, nordwestlichen und südlichen Bereich der Kernstadt festzustellen.

Die Erhöhung der Bevölkerungszahl auf über 100.000 Einwohner, die Veränderung der Altersstruktur, die bauliche Entwicklung mit zunehmender Verdichtung aufgrund der hohen Nachfrage, die Einkommenssituation sowie die Trendwende, wieder in die Stadt zu ziehen, wird den Bedarf nach wohnungsnahen Erholungsräumen weiter verstärken.

Die Einwohnerzahl in Gütersloh stieg von 1980 bis 2016 um 21.999 E, dies entspricht einem Zuwachs von 28%.

Der Anteil an öffentlichen, nutzbaren Grünflächen (Park- und Grünanlagen, Spiel- und Bolzplätze, Friedhöfe, Kleingartenanlagen) ist im gleichen Zeitraum  annähernd linear zum Bevölkerungsanstieg von 7,31m²/E um 1,87m²/E gestiegen und liegt 2018 bei 9,18 m²/E, dies entspricht einem Zuwachs von 25%.

Vergleicht man die Werte interkommunal (GPA 2016) mit anderen großen kreisangehörigen Städten, liegt Gütersloh mit 9,18m²/E im Mittelfeld (Mittelwert 9,30m²/E).

Insgesamt ist der Anteil an kommunalen Grünflächen mit 3,8%, hier sind insbesondere der Waldanteil aber auch die Wasserflächen relevante Parameter, die die Stadt Gütersloh vorhält, im interkommunalen Vergleich unterdurchschnittlich (Mittelwert 6,4%, GPA 2016).

Die Erhaltung, Verbesserung und Entwicklung der Freiraumsituation in Gütersloh hat daher auch in Zukunft eine hohe Bedeutung.

Um die eigenen Ansprüche „Gütersloh, die Stadt im Grünen“ und „Gütersloh, die kinder- und familienfreundliche Stadt“ weiter aufrechterhalten zu können, sind eine klare strategische Zielsetzung sowie entsprechende Investitionen im Rahmen der Stadtentwicklung unerlässlich.

 

2. Das Leitbild des Gütersloher Stadtgrüns

2.1 Bisherige Entwicklung

Aufgrund der bisherigen städtebaulichen Entwicklung verfügt Gütersloh über kein Grünsystem, in dem gerüstbildende Elemente wie „grüner Ring“ oder radiale und sternförmige Anordnungen den städtebaulichen Grundriss wie zum Beispiel über eine polyzentrische Raumstruktur beeinflussen. Erstmalig versuchte der Freiflächenentwicklungsplan 2) über Vorgaben zur Freihaltung der Niederungsbereiche und stadtklimarelevanten Landschaftszügen eine gewisse Systematik herzustellen.

Empfohlen wurde durch das Planungsbüro als Grünflächenentwicklungsziel ein Niederungs- und Grünschneisenmodell. Die Ansätze wurden in die Fachplanung Grünplanung „Die grüne 10“ aufgenommen und sind Teil des Stadtentwicklungskonzeptes Gütersloh 2010.

Im Zusammenhang mit der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes 2020 wurden Handlungsfelder systematisiert und konkretisiert, die im Masterplan Grün + Freiraum 2018 um die Ziele Umgang mit den Folgen des Klimawandels, Erhalt der Artenvielfalt, Renaturierung der Fließgewässer und Erhaltung von Gärten mit Altbaumbestand im innerstädtischen, verdichteten Stadtraum erweitert wurden.

 

2.2 Zukünftige Entwicklung

Das Leitbild 3) für die zukünftige Entwicklung umfasst folgende Ziele:

  • Erhalt und Entwicklung übergeordneter Grünzüge und stadtnaher Natur- und Erlebnisräume 
  • Grüne Stadtgliederung im Rahmen der Siedlungsentwicklung
  • Sicherung der ökologischen Freiraumfunktionen und Erhalt der Artenvielfalt
  • Anpassung an die Folgen des  Klimawandels
  • Vernetzung von Grün- und Freiflächen in Verbindung mit angrenzenden Landschaftsräumen und Biotopflächen
  • Renaturierung der Fließgewässer
  • Erhaltung von Gärten mit Altbaumbestand im innerstädtischen, verdichten Stadtraum

Da eine systematische Grünvernetzung aufgrund der bestehenden Strukturen fast

nicht mehr möglich ist (z.B. durch die Überbauung von Niederungsbereichen), wird im Rahmen einer bedarfsgerechten und systematischen Versorgung mit Grünflächen ein Grünspangen- und Stadtteilparkkonzept mit entsprechenden Fuß- und Radwegeverbindungen präferiert.

Die funktionale Anordnung der Grünspangen impliziert direkte  Verbindungsfunktionen im Rahmen der Naherholung aber auch stadträumliche Abgrenzungen wie die Grünspangen Süd-West und West,  die als „Grüner Ring“ den Übergang von der stadträumlichen Entwicklung zur freien Landschaft und damit eine städtebauliche Entwicklungsgrenze mit großer Bedeutung für das Landschafts- und Ortsbild definieren. Artenreiche Lebensräume innerhalb dieser Kulisse sind zu erhalten und zu entwickeln.

Ziel ist weiterhin eine Vernetzung der Park- und Grünflächen zu einem geschlossenen System, auch um quantitative Defizite in den einzelnen Stadteilen/Ortsteilen durch kurze und direkte Verbindungen zu kompensieren und die ökologischen und klimarelevanten Funktionen zu verbessern. Eine Integration der naherholungsrelevanten landschaftlichen Erholungsflächen im Bereich der Siedlungsränder ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Gesamtplanung. Ziel ist auch ein Nebeneinander von stadtnahen Natur- und Erholungsräumen mit weitgehend naturnahen Freiflächen für die landschaftsgebundenen Erholungsformen und intensiv nutzbaren Freiflächen für Spiel, Freizeitsport und wohnungsnaher Erholung.

Die räumliche Planung von Park- und Grünanlagen steht fast immer im direkten Zusammenhang mit der Entwicklung von Siedlungs- und Gewerbeflächen.Wo Natur und Landschaft im Rahmen der Stadtentwicklung beansprucht werden, soll möglichst auch ein Ausgleich des Eingriffs stattfinden, auch um die Akzeptanz bei den Bürger/innen zu erhöhen. Wo durch Siedlungsausweisungen die Nachfrage nach nutzbaren Naherholungsflächen wächst, erfolgen entsprechende Angebote. Es handelt sich also immer um integrative Planungen. Wo die Anlage von Grünanlagen wie im Innenstadtbereich kaum noch möglich ist, sollen die nicht öffentlichen Freiflächen wie die kirchlichen Friedhöfe und Gärten mit altem Baumbestand im Rahmen der Anpassungsstrategie an die Folgen des Klimawandels gesichert  und konzeptionell eingebunden werden.

 

3. Das Gütersloher Freiflächensystem

Das Freiflächensystem (Grundlage FNP 2020, Masterplan Grün + Freiraum) mit den Hauptelementen der Grünspangen und Stadtteilparks sowie den linearen Vernetzungselementen der Fließgewässer gliedert sich folgendermaßen:

 

Dalkegrünzug

Der Dalkegrünzug quert als zusammenhängende Grünverbindung die Stadt in Ostwestrichtung und ist mit den innerstädtischen Parkanlagen von zentraler Bedeutung für die Freizeit- und Erholungsnutzung sowie für den Biotopverbund. In den vergangenen 18 Jahren wurde die Dalke umfassend renaturiert und als Lebens- und Erholungsraum in die Stadt zurückgeholt.  

Ein wichtiges Zukunftsprojekt, auch aus touristischer Sicht, ist die Anbindung des Dalkewegs, der heute an der „Neuen Mühle“ endet, an den Emsradweg.

 

Grünschneise Südost mit Stadtpark

Die Grünschneise Südost wird durch den Stadtpark als Hauptelement bestimmt. Der intensiv gestaltete Stadtpark und die landschaftlichen, naturnahen Bereiche bilden einen zusammenhängenden und großflächigen Freiraumbereich mit hoher stadtklimatischer Bedeutung für die nächtliche Frischluftzufuhr bei Schwachwindlagen (siehe Stadtklimauntersuchung, Karte 8.3, Humanbiometeorologische Situation). 8) Die Verbundelemente zum Außenbereich sind der Dalkegrünzug im Osten und der landwirtschaftlich geprägte Freiraum beidseitig des Stadtrings Sundern.

Einen hohen Stellenwert hat die Landschaftsachse zwischen den Ortsteilen Sundern und Spexard beidseitig der Verler Straße, die die Siedlungsteile trennt.

 

Grünspange Süd mit Südpark

Eines der wichtigsten innerstädtischen Vernetzungselemente ist der geplante Südpark zwischen Südring und Kattenstrother Weg. In Verbindung mit der Grünanlage Auf`m Eickholt sowie den linearen straßenbegleitenden Grünelementen und Straßenbäumen soll eine Grünverbindung entstehen, die als Grüner Ring das südliche Stadtgebiet durchzieht und über die Grünverbindung Neuenkirchener Straße-Heidewaldstraße direkt an den Stadtpark angebunden werden kann.

 

Grünspange Südwest

Die Grünspange Südwest umfasst den Landschaftraum im Bereich der Kattenstrother Knisterbachniederung und hat wichtige stadtklimatische Ausgleichsfunktionen.
Sie zieht sich im Freiraumverbund über die Niederung Wiedey-Flüsschen in östliche Richtung bis zur Grünspange Spexard.
Der Freiraum im westlichen Stadtgebiet stellt sich überwiegend als unzerschnittener, durch die Ems-, Wapel- und Dalkeniederung geprägter Landschaftsraum mit zahlreichen Waldflächen dar, der sich bis zum Dettmersbach fortsetzt.

 

Konversionsstandort „Mansergh Barracks“

Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Konversionsstandorts „Mansergh Barracks“ kommt der Freiflächengestaltung eine besondere Bedeutung zu. So könnte im Norden des Areals zwischen Bebauung und Dalke eine ca. 3 ha große Seefläche mit Uferpromenade, die eine hohe Aufenthaltsqualität  aufweisen sollte, entstehen. Im westlichen Teil könnten sich eine Freizeitsportfläche sowie eine Spielanlage für alle Altersgruppen anschließen.

Zusammen mit dem renaturierten Dalkeabschnitt „Schulzentrum Ost“ und den vorhandenen Gehölzbeständen des südlichen Dalkeufers sowie den geplanten Biotopstrukturen im nordöstlichen Landschaftsraum sollte die Auenlandschaft weiter aufgewertet werden. Der alte Baumbestand ist weitestgehend zu erhalten.

Attraktive Naherholungs- und Freizeitgestaltungmöglichkeiten, biologische Vielfalt und Naturerfahrungsräume könnten so einen wesentlichen Beitrag zu einem innovativen Gesamtprojekt leisten.

 

Grünspange Südost und Dalkegrünzug

Die Grünspange Südost und der Dalkegrünzug verbinden die beiden Landschaftsräume und die geplante städtebauliche Entwicklung des Konversionsstandortes „Mansergh Barracks“ mit dem südlichen Landschaft- und Siedlungsraum Elbrachtssiedlung - Auf der Haar. Über eine Rad-Gehwegverbindung könnten die Siedlungsräume bis zur Spexarder Mitte mit dem Dalkegrünzug verbunden werden.

 

Grünspange Süd mit Bürgerpark Kattenstroth

Eines der wichtigsten innerstädtischen Vernetzungselemente ist die Freifläche zwischen Südring und Kattenstrother Weg. In Verbindung mit der Grünanlage Auf`m Eickholt sowie den linearen straßenbegleitenden Grünelementen und Straßenbäumen soll eine Grünspange entstehen, die als Grüner Ring das südliche Stadtgebiet durchzieht und über die Grünverbindung Neuenkirchener Straße/Heidewaldstraße direkt an den Stadtpark angebunden werden kann.

Die im Stadtentwicklungskonzept 2010 und im Masterplan Grün + Freiraum 2008 sowie im Flächennutzungsplan 2020 klare, räumlich diagonale Trennung zwischen Freiraum und Bebauung wurde zwischenzeitlich zu Gunsten von deutlich mehr Wohnbauflächen aufgegeben. Durch die bereits umgesetzte Bebauung parallel zum Südring und im Kreuzungsbereich Bertelsweg/Kattenstrother Weg wurde die Freiraumentwicklung bereits eingeschränkt.

Im Rahmen der Aufstellung eines Bebauungsplanes ist eine stadtklimarelevante Freifläche zur Kaltluftproduktion und Durchlüftung zu erhalten, in die die erforderlichen Naherholungsfunktionen, wie Spielmöglichkeiten für alle Altersgruppen, integriert werden können.

 

Grünspange Südwest

Die Grünspange Südwest umfasst den Landschaftraum im Bereich der Kattenstrother Knisterbachniederung und hat wichtige stadtklimatische Ausgleichsfunktionen (siehe Stadtklimauntersuchung, Karte 8.2 Durchlüftung). 8) Sie zieht sich im Freiraumverbund über die Niederung Wiedey-Flüßchen in östliche Richtung bis zur Grünspange Spexard. Der Freiraum im westlichen Stadtgebiet stellt sich überwiegend als unzerschnittener, durch die Ems-, Wapel- und Dalkeniederung geprägter Landschaftsraum mit zahlreichen Waldflächen dar, der sich bis zum Dettmers Bach fortsetzt.

 

Grünverbindung Alter Hellweg

Die Grünverbindung Alter Hellweg sichert trotz der weiteren Entwicklung von Gewerbe- und Wohnbauflächen wichtige stadtklimatische Funktionen. Vorhandene und geplante flächenhafte Biotopgestaltungen verbinden die Grünanlage Auf`m Eickholt mit dem Landschaftsraum.

 

Grünspange West mit Stadteilpark Pavenstädt

Nach Norden bildet das vorhandene Fließgewässer mit seinen Grünstrukturen den räumlichen Abschluss zum Siedlungsraum und trifft hier auf die Grünspange West. Durch Renaturierungsmaßnahmen soll der Erlebniswert gesteigert werden, eine zurückhaltende Erschließung öffnet den Raum für die Naherholung.

Über grüne Querverbindungen wird die nördliche Freiraumachse mit den angrenzenden Siedlungsräumen verbunden und trifft im Süden auf die Grünachse  „Auf dem Stempel“, die in Verlängerung parallel zum Johannesfriedhof im westlichen Bereich ebenfalls an die Grünspange West angebunden wird. Die Grünspange West verläuft nach Norden bis an die Schlangenbachaue und den geplanten Landschaftspark Blankenhagen und könnte durch kleine Waldflächen, die den Siedlungsrand begrenzen, strukturiert werden. Im schraffierten Bereich der Grünspangendarstellung verlaufen verschiedene Hochspannungsleitungen, welche die städtebaulichen Entwicklungsgrenzen im Landschaftsraum auch optisch verdeutlichen. Die Anlage eines Fuß- und Radweges innerhalb des „grünen Rings“ ist denkbar.  

 

Grünspange Nord mit Landschaftspark Blankenhagen

Der Landschaftspark mit den geplanten unterschiedlichen Räumen aus Intensivzonen, landschaftlich extensiven Freiflächen und Waldstrukturen soll Blankenhagen mit der Bebauung Kahlertstraße verbinden. Als lineares Vernetzungselement wird die Schlangenbachniederung integriert. Eine Überleitung in die nordwestliche Innenstadt besteht über den Mohnspark.

Im Norden wird mit der übergeordneten Grünverbindung der Lutteraue der Stadtteil Blankenhagen angebunden.

 

Luttergrünzug

Der Luttergrünzug verbindet Isselhorst mit Blankhagen. Die Lutter fließt in diesem Bereich innerhalb eines meist tiefen Regelprofils in einem gradlinigen bis schwach geschwungenen Verlauf. Im Bereich Isselhorst ist die Lutter relativ naturnah, nach Westen ist der Verlauf stark begradigt und naturfern. Eine natürliche Flusslandschaft mit Auen und Überflutungsmöglichkeiten ist nicht mehr vorhanden. Entwicklungsziel ist in diesem Abschnitt eine Renaturierung, die sich am historischen Verlauf orientiert und eine eigendynamische Entwicklung zulässt.

In den Luttergrünzug integriert ist der Lutterwanderweg Isselhorst-Blankenhagen-Marienfeld als wichtiger Naherholungsbestandteil. Der Lutterwanderweg ist auch Teil des Projektes „Zukunftsfit Wandern“.

 

Grünverbindung Postdamm

Die Grünverbindung Postdamm-Isselhorst verbindet den Siedlungsraum im Norden mit dem Ortsteil Isselhorst. Der mit altem Baumbestand gefasste Postdamm und der Kleinbahnstandort Mühlenstroth ist ein wichtiger Naherholungsbereich.

 

Grünspange Nordost mit Stadteilpark Nordhorn

Das nordöstliche Stadtgebiet wird durch die naturräumliche, lineare Vernetzungsstruktur der Reinkebach- und Schlangenbachniederung geprägt. Zusammen mit den Landschaftsräumen Trendelheide und Röhrheide bilden sie die Grünspange Nord-Ost. Die Verknüpfung mit dem besiedelten Raum ist über den Stadteilpark Nordhorn vorgesehen. Die Kleingartenanlagen in diesem Bereich verstärken diese Freiraumkonzeption.

Als gliedernde und strukturierende Freiräume zwischen Gewerbe und Wohngebieten dienen die Teillandschaftsräume Trendelheide und Röhrheide.

Der Landschaftsraum Trendelheide erstreckt sich über landwirtschaftlich geprägte Flächen von der Bahnlinie bis zum Reinkebach. Die Sicherung und Entwicklung von städtischen Grünflächen in südlicher Richtung in Form der Grünverbindung Avenwedde stellt den Anschluss zum Dalkegrünzug Ost her. Der Landschaftsraum Röhrheide zwischen dem Gewerbegebiet Osnabrücker Landstraße und Avenwedde-Bahnhof setzt sich vom Naherholungspark Avenwedder See weiter südlich bis zum Friedhof Buchenweg fort.

Das hohe Defizit an Spielmöglichkeiten für alle Altersgruppen soll im Stadteilpark Nordhorn parallel zur Carl-Miele-Straße kompensiert werden.

 

Grünverbindung Avenwedde

Die Grünverbindung Avenwedde gliedert die Siedlungsräume und verbindet die Grünspange Nordost über die Grünverbindung Eimerheide mit dem Dalkeraum.

 

Grünverbindung Naherholungspark Avenwedder See bis Reilmannsiedlung

Das Regenrückhaltebecken in Avenwedde ist für Naherholungszwecke nur sehr eingeschränkt nutzbar. Mit einer neuen Erschließung und einem Kinderspielplatz für alle Altersgruppen im Norden kann hier ein attraktiver Naherholungsraum entstehen. Über eine  Grünverbindung mit Rad-Gehweg, die parallel zum Reinkebach verlaufen könnte,

ist eine Anbindung nach Osten möglich. Teilbereiche könnten renaturiert werden, durch punktuelle Gewässeraufweitungen wäre auch eine deutliche Verbesserung des Hochwasserschutzes möglich.  

 

Grünverbindung Reilmannsiedlung-Friedrichsdorf Zentrum

Im Rahmenplan Friedrichsdorf  wird eine Grünverbindung mit Fuß- und Radweg von der „Reilmannsiedlung“ bis ins Zentrum vorgeschlagen.4)

Eine Grünverbindung mit Rad-Gehweg könnte direkt am Reinkebach verlaufen. Gleichzeitig könnte der Reinkebach in Teilbereichen verlegt, renaturiert und der Hochwasserschutz im Rahmen von Gewässeraufweitungen sowie mit der Anlage von Retentionsräumen erheblich verbessert werden.

 

Grünverbindung Eimerheide

Über die Grünverbindung Eimerheide wird die Grünverbindung Avenwedde an den Dalkegrünzug angebunden. Aufgrund der topografischen und baulichen Barrierewirkungen im Bereich Bertelsmann ist eine Durchgängigkeit kurz- und mittelfristig nur schwer zu realisieren.

 

Grünspange Spexard

Die Grünspange Spexard verbindet entlang des Knisterbaches und des Wiedey-Flüßchens die beiden Ortsteile. Als Puffer zwischen dem geplanten Gewerbegebiet Am Hüttenbrink an der A2 und den Wohnbauflächen (s. FNP 2020) kann ein nutzbarer Naherholungsraum entstehen.

Durch eine entsprechende Gestaltung könnten weiterhin großflächige Überflutungsbereiche für den Knisterbach geschaffen werden, die den Siedlungsraum Spexard von Hochwasserüberflutungen entlasten. Mit dem Boden aus den potentiellen Retentionsflächen könnte gleichzeitig die Lärmschutzproblematik parallel zur A2 durch Bodenmodellierungen gelöst werden.

Über die zentrale Mitte Spexard (Bauernhaus, Sporthalle usw.) wird die Grünschneise Südost in Richtung Hellweg und Elbrachtssiedlung angebunden.

 

Grünverbindung Siedlung Determeyer

Durch eine neue Brücke über die A2 für Fußgänger und Radfahrer könnte die Siedlung Determeyer direkt an die Grünspange Spexard angebunden werden. Über den Rad- und Gehweg Bruder-Konrad-Straße sind sowohl die Josefschule als auch das Bauernhaus Spexard sowie das Sportzentrum problemlos zu erreichen.5)

Die „Brücke Siedlung Determeyer“ an der A 2 könnte auch ein neuer Orientierungspunkt für Gütersloh werden.

 

Grünräume Innenstadt

Die Potentiale der innerstädtischen kirchlichen Friedhöfe und halböffentlichen Räume sowie der Gärten mit altem Baumbestand sollen als Maßnahme zum Umgang mit den Folgen des Klimawandels gesichert werden.

 

Konversionsstandort „Flughafen“

Das Flughafengelände befindet sich auf einem ehemaligen Dünengelände am Nordrand der Emsaue. Aus Gründen der Flugsicherheit wurden die Offenlandbereiche durch Pflegemahd offen gehalten, das Mähgut wurde entfernt, was zu einer Ausmagerung der Flächen geführt hat. Aufgrund dieser Rahmenbedingungen hat sich ein großflächiges Mosaik aus mageren, artenreichen Glatthaferwiesen und Trockenrasengesellschaften entwickelt, die in ihrer Ausprägung einzigartig in NRW sind.

Darüber hinaus befinden sich auf dem Areal Brutvorkommen mehrerer Vogelarten, die landesweit aufgrund des Mangels an geeigneten Lebensräumen in ihren Beständen stark zurückgehen. 6) Die zentralen und südlichen Freiflächen wurden als „Nationales Naturerbe“ ausgewiesen, für die im Auftrag des Bundesforstes ein Pflege- und Entwicklungsplan erarbeitet wird. Neben naturschutzfachlichen Vorgaben soll er auch Maßnahmen zur Erschließung und Besucherlenkung beinhalten. Die Betreuung des Gebietes obliegt dem Bundesforst.

Im nördlichen Bereich sollen auf überwiegend bereits bebauten und versiegelten Flächen ein Gewerbe- und Industriegebiet entwickelt werden. Dies umfasst auch die nördlich der B 513 gelegenen, bisher von den britischen Streitkräften genutzten Flächen (Siedlung Parsevalstraße, Sportanlagen). 7)


 

4. Flächen zur Entwicklung der Natur und Landschaft

Im Masterplan Grün + Freiraum (Grünspangen- und Stadtteilparkkonzept) werden weiterhin Flächen zur Entwicklung der Natur und Landschaft dargestellt, die an die vorherige Systematik nahtlos anschließen.

Die flächenhaften Biotopgestaltungen dienen der Sicherung und Entwicklung der ökologischen Funktionen im Rahmen der Stadtentwicklung und der landschaftsgebunden Erholung. Innerhalb der dargestellten Biotopflächen befinden sich ein Großteil der gemeindlichen Ausgleichsflächen sowie verschiedene Suchräume, die mit der Biotopverbundplanung und deren Ziele korrespondieren und den Aufbau eines Ökokontos/Fächenpools systematisieren.

Die Zuordnung der Flächen im Bereich der Fließgewässer entspricht auch den Empfehlungen der Landwirtschaftskammern (s. auch Fachbeitrag Landwirtschaft FNP GT 2020, Vorrangflächen für die Landwirtschaft, Kernzonen und die Zuordnung von Ausgleichsflächen an den Fließgewässern).

Da die Stadt Gütersloh relativ wenig Waldflächen aufweist, sind im Masterplan Grün + Freiraum im westlichen und nördlichen Bereich des Stadtgebietes Suchräume für die mögliche Anlage von Wald, auch als Maßnahme zum Umgang mit den Folgen des Klimawandels, verortet.

 

5. Resümee

Das Entwicklungskonzept Masterplan Grün + Freiraum, Grünspangen- und Stadtteilparkkonzept 2018, zeigt kurz-, mittel- und langfristige Perspektiven auf und versucht systematisch, den Umgang mit dem Stadtgrün aufzuarbeiten. Wichtige Themenfelder wie die Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowie die Biodiversitätsstrategie wurden einbezogen und grünplanerisch umgesetzt. Entwicklungsziele anderer Fachplanungen wie der Landschaftsplan, das  Stadtklimagutachten und die Biotopverbundplanung sind Bestandteil der Planung und räumlichen Grünentwicklung.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Wohn- und Lebensqualität in unserer Stadt und sichern ökologische Ausgleichsräume zum Schutz von Klima, Wasser, Boden, Tier- und Pflanzenarten.  

 

Quellen:

1) Weißbuch Stadtgrün, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, April 2017

2) Planungsgruppe Berlin GMBH von 1991

3) FNP 2020, BPW Hamburg – Landschaft & Plan 2005 mit Ergänzungen FB 67 2017

4) Rahmenplan Friedrichsdorf 2017, Seite 62,65,73

5) Rahmenplan Spexard 2010, Seite 21,25,31,36, Zukunftswerkstatt Spexard Dokumentation 2009, Seite 6,7

6) Vorentwurf Landschaftsplan Gütersloh, Stand 08.2017, Entwicklungsziele für die Landschaft, Biotopverbund (§10 LNatSchG NRW), Seite 16,17

7) Angaben Stabsstelle Konversion, Stadt Gütersloh 2018

8)  Stadtklimagutachten Gütersloh 2003


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 11.11.2019