D.7 Baumschadenbewertung / Baumschutzrichtlinie

Bearbeitungsstand: 06/2016

 

Bäume sind ein wichtiges ökologisches, gestalterisches, aber auch finanziell wertvolles Element in Städten. Ihrem Schutz und Erhalt gilt besonderes Augenmerk. Aus diesem Grund werden Bäume in Gütersloh regelmäßig kontrolliert und durch eine Baumschutzrichtlinie und eine Baumschutzsatzung auch besonders geschützt.

 

Baumkontrolle

Wichtig ist zunächst die Kenntnis des Zustandes der vorhandenen Bäume. Bereits 1991 hat die Stadt Gütersloh ein Gutachten zur Schadensbewertung der Gütersloher Straßenbäume in Auftrag gegeben. Fest etabliert hat sich zudem die eigene Kontrolle der Bäume durch den Fachbereich Grünflächen, die aufgrund der Verkehrssicherungspflicht unerlässlich ist. Dazu wurde ein eigenes EDV-System angeschafft, in dem die Bäume erfasst werden. Mittlerweile werden dort insgesamt 75.980 Bäume geführt. Etwa zwei Drittel davon, genau 48.665, sind mit Details zu Art, Zustand sowie weiteren Daten gespeichert und unterliegen derzeit der Regelkontrolle.

Bislang wurden in erster Linie Straßenbäume erfasst, außerdem Bäume in Grünanlagen sowie Bäume auf und an Spielplätzen und Schulen etc. Einige der erfassten Bäume unterliegen nicht der regelmäßigen Kontrolle (zum Beispiel Privatbäume). In geschlossenen Beständen und waldartigen Flächen findet in der Regel keine Einzelbaumerfassung statt.

Die nachfolgende Übersicht stellt die Anzahl von Bäumen wichtiger Gattungen vor. Dabei wird deutlich, dass zum einen an die natürlichen Bodenverhältnisse (relativ hoher Grundwasserstand, sandiges Substrat, vergleiche Kapitel D.1) angepasste, einheimische Arten wie Eiche, Birke, Erle, Buche, Hainbuche und Kiefer dominieren. Dazu tragen insbesondere die vielen Wirtschaftswege bei, an denen die meisten Bäume nicht gepflanzt wurden, sondern sich von selbst angesiedelt haben. Auf der anderen Seite gibt es in den Wohn- und Durchgangsstraßen die "typischen" Straßenbäume wie Linde, Ahorn, Kastanie und Platane. Diese sind nicht alle heimisch, aber an die harten Bedingungen an Straßen relativ gut angepasst (außer Ahorn). Nichteinheimische Ziergehölze mit hohen Bodenansprüchen (wie der Tulpenbaum) sind nur vereinzelt vertreten. Ebenso solche Arten, die für die Pflanzung an Straßen ungeeignet sind (z.B. Götterbaum wegen Ausläuferbildung).

 

Häufigkeit wichtiger Gattungen Gütersloher Straßenbäume

(Stand: 18.05.2016; Grundlage sind die in der Regelkontrolle befindlichen Bäume)

Gattung Anzahl
deutscher Name lateinischer Name  
Eiche Quercus 13.441
Platane Platanus 11.147
Linde Tilia 5.302
Hainbuche Carpinus 3.942
Birke Betula 3.712
Buche Fagus 3.323
Erle Alnus 2.987
Kiefer Pinus 1.232
Esche Fraxinus 1.007
Kastanie Aesculus 725
Ulme Ulmus 112
Fichte Picea 98
Fächerblattbaum Ginkgo 23
Götterbaum Ailanthus 21
Tulpenbaum Liriodendron 13
Zeder Cedrus 8

Die Baumdatenbank dient aber nicht nur der Verwaltung und Dokumentation, sie lässt auch weitgehende Auswertungen und Analysen zu. Eher von allgemeinem Interesse ist die Möglichkeit, die »dicksten« Bäume aufzulisten:

Einige der »dicksten« Bäume in Gütersloh
Art Standort Stamm
umfang
Kronen
durchmesser
deutscher Name lateinischer Name
Schwarzpappel Populus nigra Parkstraße, Ecke Am Stadtgarten 521 cm 32 m
Stieleiche Quercus robur Im Helft, nahe Münsterlandstraße 472 cm 21 m
Rotbuche Fagus sylvatica Dalkestraße, Josefshaus 471 cm 24 m
Roteiche Quercus rubra Stadtpark, zwischen Teich und Tennisplatz 442 cm 26 m
Urweltmammutbaum Metasequoia glyptostroboides Stadtpark, zwischen Teich und Tennisplatz 440 cm 12 m
Robinie Robinia pseudoacacia Hohenzollernstraße, Volkshochschule 420 cm 16 m
Plantane Platanus acerifolia Münsterstraße, Ecke Berliner Straße 390 cm 22 m
Echte Sumpfzypresse Taxodium distichum Stadtpark, zwischen Teich und Tennisplatz 388 cm 12 m
Silber-Ahorn Acer saccharinum Neuenkirchener Straße, Overbergschule 387 cm 24 m
Roßkastanie Aesculus hippocastanum Berliner Platz 334 cm 14 m

 

Baumzustand aktuell

Wirklich von Bedeutung ist dagegen die Analyse des Zustands der Bäume. Im Rahmen der Regelkontrolle werden die Bäume anhand einer 6-stufigen Skala, analog zum Schulnotensystem, von »sehr gut« bis »sehr schlecht/tot« bewertet. Aktuell sind nur rund 8 Prozent der Bäume einer der beiden Klassen »sehr gut« oder »gut« zuzuordnen. Der Schwerpunkt der Einordnung liegt im Bereich der mittleren Klassen 3 und 4 (zusammen etwa 85 Prozent). Einen schlechten oder sehr schlechten Zustand weist ein Anteil von circa 6,5 Prozent auf. Insgesamt fällt auf, dass gerade einmal die Hälfte der Bäume einen mindestens befriedigenden Zustand zeigt, während die andere Hälfte dem schlechteren Teil der Skala zugewiesen werden muss.

 

Quelle: Fachbereich Grünflächen

 

Entwicklung des Baumzustandes

Wie hat sich der Zustand der Bäume innerhalb der letzten Jahrzehnte entwickelt? Bei der Beantwortung dieser Frage ist ein Blick auf die Baumschadensbewertung aus dem Jahre 1991 hilfreich (Heider und Bangert 1992). Sie stützt sich einerseits auf Color-Infrarot-Luftbilder einer im Jahr 1987 durchgeführten Befliegung, andererseits auf eine Kartierung des Baumbestandes vom Boden aus.

Im Rahmen der damaligen Untersuchung wurden etwa 30.000 Straßenbäume im Hinblick auf Schäden bewertet und je einer von fünf Vitalitätsklassen zugeordnet. Diese reichten von »ohne Vitalitätsminderung« bis »absterbend, tot«. Dabei zeigte sich, dass drei Viertel überhaupt keine erkennbare oder höchstens schwache Vitalitätsminderungen zeigten. Lediglich gut ein Prozent der Bäume mußte den Klassen »starke Vitalitätsminderung / tot, absterbend« zugewiesen werden (siehe Abbildung). Das war ein im Vergleich mit anderen Städten relativ günstiges Ergebnis.

Auch wenn diese Untersuchung aufgrund unterschiedlicher Methodik und Klasseneinteilung nicht direkt mit der aktuellen Bewertung vergleichbar ist, so wird doch die deutliche Verschiebung von den positiven Skalenbereichen in Richtung der negativen sichtbar. War 1987 noch fast ein Viertel der Bäume ohne erkennbare Vitalitätsminderung, konnten in 2010 nur noch 9 Prozent der Bäume mit »sehr gut« oder »gut« gekennzeichnet werden. Starke Zunahmen zeigen auch die mittleren und unteren Klassenbereiche. Insgesamt muss eine deutliche Verschlechterung zumindest des Baumbestandes an Straßen in Gütersloh konstatiert werden.

Im Rahmen der damaligen Untersuchung konnten aber noch weitere interessante Sachverhalte aufgezeigt werden. So war beispielsweise festzustellen, dass eine bewachsene Baumscheibe positive Effekte auf den jeweiligen Baum hat. Baumaßnahmen im Umfeld wirken sich dagegen oft negativ aus.

Die Gutachter sprachen daher die Empfehlungen aus, Schutzeinrichtungen gegen mechanische Beschädigungen und erhöhte Einfassungen zur Verhinderung von Verdichtung und Salzeintrag anzulegen.


Baumschutzrichtlinie

Um Schädigungen an Bäumen und sonstigen Pflanzenbeständen bei Baumaßnahmen zu verhindern und kostenintensive Sanierungen oder Neupflanzungen zu vermeiden, hat die Stadt Gütersloh 1992 die »Richtlinie zum Schutz von Bäumen und sonstigen Grünelementen im Rahmen von Baumaßnahmen - Anforderungen an das Baumumfeld« aufgestellt. Sie ist von allen Dienststellen der Stadtverwaltung im Rahmen von städtischen Planungen und Maßnahmen zu beachten.

Die Richtlinie ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass ökologische Schädigungen auch finanzielle Auswirkungen haben. Der Wert der 30.000 Gütersloher Straßenbäume wurde 1992 insgesamt auf umgerechnet etwa 131 Millionen Euro geschätzt.

Grundsätzlich sind Schädigungen des Baum- und Vegetationsbestandes zu vermeiden. Falls dies nicht möglich ist, sind die Beeinträchtigungen auszugleichen. Generell gilt, dass die Vorschriften zur Schadensminimierung sowie die Baumschutzsatzung (siehe unten) zwingend einzuhalten sind.

Mögliche Schadensursachen können sein:

  • Bodenverdichtungen und -versiegelungen,
  • Eindringen pflanzenschädlicher Stoffe in das Erdreich (z. B. Öle, Säuren, Salze),
  • Aufschüttungen oder Abgrabungen,
  • mechanische Beschädigungen von Wurzeln oder oberirdischen Teilen,
  • Grundwasserabsenkungen.

Entsprechend umfassen die möglichen Schutzmaßnahmen unter anderem:

  • provisorische Baumeinzäunungen (Kronenbereich plus 1,5 Meter); in Ausnahmefällen bei beengten Verhältnissen Reduzierung bis auf Stammschutz aus Bohlenummantelung möglich,
  • Vermeidung von Abgrabungen (z. B. Gräben); falls der Eingriff unvermeidbar ist, soll er unter anderem in Handarbeit und möglichst schonend erfolgen,
  • Wässern bei Grundwasserabsenkungen.

Bei Bebauungsplänen, Baumaßnahmen und Ausschreibungen von Bauleistungen sind die Baum- und Vegetationsbestände zu berücksichtigen. Genaue Regeln und Vorschriften sind der Richtlinie zu entnehmen. Das Gleiche gilt für die Bemessung von Wurzelräumen, Standortanforderungen sowie die Größe und Beschaffenheit der Baumstandorte und Pflanzgruben. Die Baumschutzrichtlinie liegt beim Fachbereich Grünflächen, Parkstraße 51, vor.

 

Baumschutzsatzung

Insbesondere alte Bäume mit ihrer hohen ökologischen Wertigkeit verdienen besonderen Schutz. Daher hat der Rat der Stadt Gütersloh bereits 1982 die Baumschutzsatzung aufgestellt. Sie gilt innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile und im Geltungsbereich von Bebauungsplänen, nicht aber z.B. für Wald.

Die Baumschutzsatzung in ihrer aktuellen Fassung vom 28.11.2008 stellt alle Baumarten mit Ausnahme von Pappeln und Erlen unter Schutz, sofern sie

  • aufgrund der Festsetzungen eines Bebauungsplans zu erhalten sind,
  • als einstämmige Bäume in 1 Meter Höhe einen Stammumfang von mindestens 100 Zentimeter oder
  • als mehrstämmige Bäume in 1 Meter Höhe eine Summe aller Stammumfänge von mindestens 150 Zentimeter aufweisen.

Die Baumschutzsatzung verbietet es, solche Bäume zu fällen, zu entfernen oder zu schädigen, sie wesentlich zu verändern oder ihr weiteres Wachstum zu beeinträchtigen. Verboten sind also auch Einwirkungen auf den Wurzelbereich, etwa durch Asphaltierung, Betonierung, Abgrabung oder durch Lagern oder Ausschütten von Schadstoffen, Unkrautvernichtungsmitteln und Streusalz.

Sachgerechte Pflegemaßnahmen zur Erhaltung und Gestaltung von Bäumen und öffentlichen Grünflächen sowie Maßnahmen zur Abwendung von unmittelbar drohenden Gefahren (z.B. akute Umsturzgefahr auf ein Haus oder eine Straße) sind erlaubt. Wenn bestimmte Ausnahmesituationen vorliegen - etwa bei kranken Bäumen - kann der Fachbereich Grünflächen die Verbote aufheben.

Eine solche Befreiung muß schriftlich beim Fachbereich Grünflächen unter Darlegung der Gründe beantragt werden. Wenn nicht innerhalb von 3 Wochen von der Stadt widersprochen wird, gilt der Antrag als genehmigt. Bei einem Verstoß gegen die Satzung kann eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro verhängt werden. In vielen Fällen ist die Fällung eines geschützten Baumes mit der Pflicht zur Nachpflanzung verbunden (Satzung als PDF).

 

Quellen:
Fachbereich Grünflächen (2016): Daten der regelmäßigen Baumkontrolle
Heider & Bangert (1992): Interpretationsgutachten über die Color-Infrarot-Befliegung zur zusammenfassenden Baumschadensbewertung in Gütersloh, Paderborn

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 21.06.2016