D.8 Kulturlandschaftsprogramm

Bearbeitungsstand: 02/2015

 

Die Landschaft des Gütersloher Raumes wird durch die aus landwirtschaftlicher Nutzung hervorgegangenen Strukturelemente und Biotoptypen geprägt. Ohne Nutzung würden ertragsschwache, aber ökologisch und ästhetisch wertvolle Bestandteile wie beispielsweise die blütenreichen Feuchtwiesen aus der Landschaft weiter verschwinden.

Um Landwirtinnen und Landwirten Anreize zu geben, ökologisch besonders wertvolle Flächen naturverträglich weiter zu bewirtschaften, gibt es von Seiten des Landes Nordrhein-Westfalen bzw. des Kreises Gütersloh eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten, die in den jeweiligen Kulturlandschaftsprogrammen zusammengefasst sind. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises wickelt als Ansprechpartner vor Ort mit umfassender Hilfe und Beratung, insbesondere für den Vertragsnaturschutz, das Programm des Landes ab.

Das Kulturlandschaftsprogramm des Landes NRW bündelt seit dem Jahr 2000 sämtliche Agrar-Umweltmaßnahmen und Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes, die vorher über verschiedene Einzelprogramme abgedeckt wurden. Für die Förderung besteht als eine Grundlage eine Flächenkulisse (siehe Karte D.8.1), darüber hinaus sind jedoch noch weitere Kriterien für die Förderfähigkeit zu erfüllen, die im Einzelfall geprüft werden müssen.

Ein differenziertes Förderangebot kann für Landwirtinnen und Landwirte Anreize schaffen, extensive und ökologische landwirtschaftliche Produktionsverfahren einzuführen oder beizubehalten und ausgewählte Flächen besonders naturschutzgerecht zu bewirtschaften oder zu pflegen.

Im Einzelnen soll erreicht werden,

  • den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln zu verringern,
  • die Lebensbedingungen für besonders und streng geschützte Pflanzen und Tiere zu verbessern und zu erweitern,
  • vom Aussterben bedrohte lokale Haustierrassen zu erhalten,
  • pflanzengenetische Ressourcen zu sichern,
  • qualitativ hochwertige, umweltschonend bzw. ökologisch erzeugte Nahrungsmittel zu produzieren,
  • die ökologischen Leistungen der Landwirtschaft zu honorieren.

Die Naturschutz- und Extensivierungspolitik basiert auf dem bewährten Prinzip der Kooperation und Vertragspartnerschaft zwischen Behörden und Landwirtinnen und Landwirten. Die Teilnahme am Kulturlandschaftsprogramm ist freiwillig. Es werden Verträge mit fünfjähriger Laufzeit angeboten, die für alle Beteiligten eine verlässliche Basis darstellen.

Bei der Ermittlung der Zuwendungshöhen wurden folgende Kriterien berücksichtigt:

  • Ertragsrückgang bzw. -ausfall infolge der Bewirtschaftungsauflagen,
  • Verschlechterte Aufwuchsqualität
  • Verringerter Arbeitsaufwand bei geringeren Erträgen und Nutzungsgängen

 

Agrar-Umweltmaßnahmen und Vertragsnaturschutz

Wesentliche finanzielle Mittel für das Kulturlandschaftsprogramm stammen von der EU. Dabei sind in den letzten Jahren erhebliche Umstrukturierungen erfolgt; entsprechendes gilt für die Landesförderungen. Aktuelle Entwicklungen sind z. B. beim Kreis Gütersloh zu erfragen (siehe unten)

 

Kulturlandschaftsprogramm des Kreises Gütersloh

Auch bei Prämiensätzen des Kreises sind Änderungen erfolgt. Die Höhe der aktuellen Prämien ist bei der Unteren Naturschutzbehörde zu erfragen.

Das Kulturlandschaftsprogramm des Kreises Gütersloh ist in das Landesprogramm eingebunden. Ziele des Vertragsnaturschutzes innerhalb des Kulturlandschaftsprogrammes im Kreis Gütersloh sind:

  • Honorierung ökologischer Leistungen bei der Landbewirtschaftung,
  • Bewahrung und Entwicklung der §-30-Biotope und der Naturschutzgebiete,
  • freiwillige Mitwirkung der Grundeigentümer und Bewirtschafter,
  • Erschließung der Landes- und EU-Förderung für die Gütersloher Landwirte.

Im Gütersloher Kulturlandschaftsprogramm wird die in der Karte D.8.1 festgelegte Förderkulisse beschrieben. In die Förderkulisse wurden vor allem Naturschutzgebiete und gem. § 30 BNatSchG geschützte Biotope aufgenommen. Der Vertragsnaturschutz fördert jedoch nicht nur Maßnahmen auf Acker und Grünland, sondern auch die Pflege wertvoller Kulturbiotope. Dazu zählen z. B. Magerrasen und Heide, aber auch Heckenstrukturen und Streuobstwiesen.

 

Beispiele für Vertragsaspekte

Dazu werden auf freiwilliger Basis Verträge mit Bewirtschaftern abgeschlossen, in denen die Art der Bewirtschaftung bzw. die einzelnen durchzuführenden Pflegemaßnahmen sowie die Höhe des finanziellen Ausgleiches detailliert festgesetzt werden. Beispiele für die Inhalte sogenannter Vertragspakete könnten sein:

  • Die extensive Schnittnutzung (maximal zweimalige Mahd),
  • Die Standweide mit beschränkter Anzahl Großvieheinheiten pro Hektar,
  • Die Kombination der beiden vorgenannten Aspekte,
  • Pflegemaßnahmen (einmalige Mahd pro Jahr),
  • Neuanlage und Pflege von Streuobstwiesen, sofern sie innerhalb einer festgelegten Flächenkulisse liegen.

Bei Vertragsabschluss verpflichtet sich der Landwirt in einem mindestens fünfjährigen Bewirtschaftungsvertrag, die Vertragsflächen gemäß den Bewirtschaftungsgrundsätzen zu bewirtschaften.

Die Vergütung bemisst sich nach der Größe der Fläche, für die ein Bewirtschaftungsvertrag abgeschlossen wird, und dem Inhalt der Bewirtschaftungspakete.

An den Kosten beteiligt sich das Land in unterschiedlichem Umfang. Die restlichen Kosten sind vom Kreis aufzubringen.

Nähere Auskünfte zum Kulturlandschaftsprogramm erteilt die Abteilung Umwelt des Kreises Gütersloh (Frau Pagenkemper, Telefon: 0 52 41 / 85 27 17). Als direkter Ansprechpartner vor Ort steht auch Franz-Josef Tegelkamp aus Clarholz zur Verfügung (Telefon: 0 52 45 / 55 37). Herr Tegelkamp ist selbst Landwirt und auf Teilflächen seines Betriebes Vertragsnehmer des Kulturlandschaftsprogrammes.

Weitere Informationen zum Vertragsnaturschutz stehen auf den Seiten der Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) Verfügung. Das i. d. R. jährlich fortgeschriebene Anwenderhandbuch des LANUV NRW gibt einen Überblick über die Maßnahmen.


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 10.12.2018