D.9 Wald

Bearbeitungsstand: 12/2019

 

Dem Wald gilt von jeher besondere Aufmerksamkeit. Seine vielfältigen Funktionen als Holzlieferant, als Ort der Jagd, in früherer Zeit als Weide für das Vieh und heute als klimabeeinflussender und lufthygienischer Faktor sowie als Erholungsraum haben immer Interesse hervorgerufen.

 

Walddefinition

Nach der Forstgesetzgebung (Bundes-Waldgesetz, Landesforstgesetz) versteht man unter Wald »jede mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche«. Als Wald gelten auch mit dem Wald verbundene Flächen wie Waldwiesen, Holzlagerplätze, Waldwege etc. Dazu kommen noch Wallhecken und mit Forstpflanzen bestandene Windschutzstreifen und -anlagen. Ausdrücklich nicht um Wald handelt es sich bei sogenannten Feldgehölzen, also in der Flur oder im bebauten Gebiet liegende Baumgruppen, Baumreihen usw., bei Weihnachtsbaumkulturen sowie bei zum Wohnbereich gehörenden Parkanlagen. Insbesondere bei den Feldgehölzen ist der Übergang zum Wald nicht immer deutlich. Waldflächen fallen nicht unter den Schutz der in Gütersloh bestehenden Baumschutzsatzung (vergleiche Kapitel D.7 und N.2).

 

Waldanteil

Auf dem Gebiet der Stadt Gütersloh waren im Januar 2019 774 Hektar katastermäßig als Waldfläche erfasst (1990: 750,7 ha; 2001: 745,9 ha). Das sind 6,9 Prozent der gesamten Stadtfläche. Zum Vergleich: Kreisweit beträgt der Anteil etwa 14 Prozent, landesweit 27 Prozent und bundesweit 32 Prozent. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich um ein Stadtgebiet handelt, muss Gütersloh als waldarm bezeichnet werden.

  Bundesrepublik NRW Kreis Gütersloh Stadt Gütersloh
Waldflächenanteil 2001

30 Prozent

25 Prozent 13,5 Prozent 6,7 Prozent
Waldflächenanteil 2012 - 2019

32 Prozent

27 Prozent* 14 Prozent 8 Prozent
Quellen: Landeswaldbericht (2019),
Forstlicher Fachbeitrag für den Regionalplan der Bezirksregierung Detmold (2018)

 

So stuft der Landesentwicklungsplan NRW Gemeinden mit einem Waldflächenanteil von unter 25 Prozent in ländlich strukturierten Gegenden, in Verdichtungsräumen von unter 15 Prozent als waldarm ein und fordert eine Waldvermehrung. Dazu kommt in Gütersloh die kleinteilige Struktur des Waldes. Größere zusammenhängende Waldflächen fehlen, wenn man von den Forsten in Spexard und Niehorst absieht, so dass der Eindruck der Waldarmut noch verstärkt wird.

 

Waldstruktur in Gütersloh

Wie ist nun der Gütersloher Wald aufgebaut? Die bei der Forstverwaltung verfügbaren Daten beziehen sich auf den gesamten Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Bielefeld (also das Gebiet des Kreises Gütersloh und der Stadt Bielefeld) und sind von daher zur stadtweiten Analyse der Gütersloher Verhältnisse nicht geeignet. Dazu wurden Daten, die im Zusammenhang mit der Aufstellung des Landschaftsplanes erhoben wurden, herangezogen (vergleiche Kapitel D.10).

Von der Biotoptypenkartierung wurde im Wesentlichen der Außenbereich der Stadt erfasst, so dass lediglich etwa 82 Prozent der im Kataster als Wald erfassten Fläche einbezogen werden können. Die fehlenden 18 Prozent liegen entweder innerhalb des nicht kartierten Bereiches (z. B. Parkflächen in der Stadt, wenngleich diese rechtlich nicht unter Waldbegriff fallen) oder sind auf methodische Unterschiede bei der Einstufung als Wald zwischen Kataster und Biotoptypenkartierung bei der Einstufung als Wald zurückzuführen. So können z. B. Aufforstungsflächen im Kataster als Wald erfasst sein, während die Kartierung aus dem Jahr 2015 noch die reale Nutzung erfasst.

Trotzdem gibt die Biotoptypendarstellung der Wälder sicherlich einen guten und wohl auch repräsentativen Überblick über die Waldartenzusammensetzung in der Stadt.

Im Rahmen der Kartierung wurden die Biotoptypen nach einem vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW) entwickelten Schlüssel erfasst. Er umfasst allein 72 verschiedene Waldbiotoptypen, von denen über 40 in Gütersloh nachgewiesen wurden. Sie sind in der folgenden Abbildung aus Gründen der Übersichtlichkeit zusammengefasst worden.

*Erfasst wurden etwa 82 Prozent der katastermäßig als Wald dargestellten Fläche.
Quelle: NZO GmbH, 2019, Biotoptypenkartierung: Stand 2015

 

Bei der Betrachtung der Abbildung fällt zunächst der große Flächenanteil der Kiefern- bzw. Kiefernmischwälder vorwiegend mit einheimischen Laubhölzern auf. Dabei handelt es sich ganz überwiegend um Kiefernbestände, denen in wechselnden Anteilen Eichen, teilweise auch Birken beigemischt sind.

Die Bestandsbegründung mit den auch auf armen Sandböden recht schnellwüchsigen Kiefern erfolgte großenteils zur Zeit der Industrialisierung, als der Holzbedarf stark anstieg. Aufgeforstet wurden in diesem Zusammenhang häufig alte Heideflächen.

Flächenmäßig mit großem Abstand folgen die Eichen- bzw. Eichenmischwälder. Hier sind oftmals Kiefern beigemischt, obwohl die Eiche die dominierende Baumart dieses Waldtyps ist. Den nächst bedeutenden Anteil nehmen die Buchenwälder ein, gefolgt von den Birken- und Erlenwäldern. Fichtenforste sind in Gütersloh nur von nachgeordneter Bedeutung. Schließlich gibt es noch einige weitere Waldflächen, wie z. B. Ahorn- oder Pappelwälder. Auffällig ist auch der mit 22 ha verhältnismäßig hohe Anteil an Aufforstungsflächen.

 

Laub-Nadelwald-Verteilung

Fasst man die vorkommenden Waldtypen nach ihrem Natürlichkeitsgrad weiter zusammen, zeigt sich wiederum der hohe Anteil der eigentlich naturraumfremden Nadelhölzer (siehe Abbildung unten; vergleiche auch die Ausführungen zur potenziellen natürlichen Vegetation im Kapitel D.1). Auf etwa der Hälfte der Waldflächen kommen Kiefern- und Fichtenwälder vor. Für naturnahe bodenständige Wälder, die ausschließlich aus naturraumtypischen Arten aufgebaut sind, bleibt ein Anteil von 30 Prozent. Andererseits bedeutet die dargestellte Verteilung, dass bereits aktuell auf etwa 45 Prozent der Fläche aufgrund des Vorhandenseins von bodenständigen Laubhölzern innerhalb der Nadelwaldflächen mindestens das Potenzial für einen Umbau in naturnahe Bestände vorhanden ist.

*Erfasst wurden etwa 82 Prozent der katastermäßig als Wald dargestellten Fläche

Quelle: NZO GmbH, 2019, Biotoptypenkartierung: Stand 2015

 

Ein kurzer Vergleich mit dem gesamten Zuständigkeitsbereich des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe (OWL) verdeutlicht zusätzlich den hohen Nadelwaldanteil in Gütersloh. Zu den Flächenanteilen des Regionalforstamtes OWL gehört etwa der Teutoburger Wald mit seinem hohen Anteil an Buchenbeständen, aber auch Flächen der sandigen, nährstoffarmen Senne mit ihren dominierenden Kiefernwäldern.

Landesweit ist der Nadelwaldanteil dagegen erhöht aufgrund der ausgedehnten Fichtenforste, die insbesondere die Mittelgebirgslagen prägen (Sauerland, Eifel). Allerdings ist bei dieser Betrachtung zu berücksichtigen, dass es methodische Unterschiede zwischen dem mehrfach erwähnten LÖBF-Schlüssel und der forstwirtschaftlichen Einstufung Laub-/Nadelwald gibt.

Waldtyp* Regionalforstamt OWL Land NRW
Laubwald 63 Prozent 58 Prozent
Nadelwald 37 Prozent 42 Prozent
Datengrundlage 2014
Quelle: Forstlicher Fachbeitrag für den Regionalplan der Bezirksregierung Detmold (2018)

 

Waldbesitzverteilung

Der Wald in Gütersloh ist ganz überwiegend in privater Hand. Nur etwa 10 Prozent sind in öffentlichem Besitz (Stadt und Land). Für die zuständigen Flächen des Regionalforstamtes OWL liegt hingegen der Privatwaldanteil mit 58 Prozent auf vergleichbarem Niveau wie für das Bundesland NRW (63 Prozent Privatwald).

 

Besitz Land NRW Regionalforstamt OWL Kreis Gütersloh
privat 63 Prozent 58 Prozent circa 90 Prozent
öffentlich 37 Prozent 42 Prozent circa 10 Prozent

Quelle: Regionalforstamt OWL (Datenabfrage 2019)

 

Waldumwandlungen und Ersatzaufforstungen in OWL 2009

Im Zuständigkeitsbereich des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe wurden im Jahr 2009 6,5 Hektar Waldfläche in größtenteils Bauland oder landwirtschaftliche Nutzfläche umgewandelt. Entsprechend diesem Verlust an Waldflächen wurden 11,1 Hektar Ersatzaufforstungen genehmigt. Weitere 13,3 Hektar kamen im Zuge von Erstaufforstungen z. B. in Form von Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft außerhalb von Waldflächen oder durch zusätzliche Flächen für die Verbesserung der Brennholzversorgung hinzu. Insgesamt kam es im Jahr 2009 für den Zuständigkeitsbereich in Ostwestfalen-Lippe zu einer Vergrößerung der Waldfläche um 17,9 Hektar.

 

Waldumwandlungen Ersatzaufforstungen Erstaufforstung Gesamtfläche der Aufforstungen
6,5 Hektar 11,1 Hektar 13,3 Hektar 24,4 Hektar

 

Forstverwaltung / Forstplanung

Die forstwirtschaftliche Betreuung der Waldflächen in Gütersloh erfolgt durch das Staatliche Forstamt Bielefeld. Da es sich überwiegend um relativ kleine Waldflächen handelt, haben sich zahlreiche Waldbesitzer zu einer Forstbetriebsgemeinschaft zusammen geschlossen. Zweck ist die Verbesserung der Möglichkeiten hinsichtlich der Waldbewirtschaftung. Die Betreuung der Waldeigentümer ist zweigeteilt: Einerseits steht das Forstamt mit Rat und Anleitung zur Seite. Dieser Teil der Betreuung ist kostenlos. Andererseits kann eine sogenannte tätige Mithilfe erfolgen. Für diese Arbeiten werden nach einem Katalog Gebühren erhoben.

Ziel der Beratungs- und Betreuungstätigkeit des Forstamtes ist neben der Erzielung eines wirtschaftlichen Nutzens der Eigentümer vor allem die Gestaltung eines möglichst naturnahen Bestandsaufbaues. Dazu werden eine naturnahe Bewirtschaftung mit Verzicht auf Kahlschläge, Naturverjüngung durch vorhandene Bäume insbesondere im Hinblick auf naturnahe, abwechslungsreich aufgebaute Waldbestände sowie ein ungleichaltriger Bestandsaufbau angestrebt.

Ziele und Maßnahmen werden jeweils für einen bestimmten Zeitraum (10 bis 20 Jahre) im Forstbetriebsplan festgelegt. Er enthält unter anderem

  • die Nutzungsplanung aufgrund der objektiven jährlichen Nutzungsmöglichkeit,
  • die Alters- bzw. Stärkeklassenübersicht,
  • den Erläuterungsbericht,
  • das Betriebsbuch mit den Bestandesblättern,
  • die Forstbetriebskarte.

Neben den beratenden Tätigkeiten ist ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit der Forstämter das Wahrnehmen hoheitlicher Aufgaben. Dazu zählen insbesondere die Sicherung der Waldfunktionen und die Walderhaltung.

Kontakt:
 
Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe
Bleichstraße 8
32423 Minden
Telefon: 05 71 / 83 78 60
 
Forstbetriebsbezirk (FBB) Gütersloh
Herr Wortmeier
Tel. 05242 9089191

 

Waldschäden

Seit Jahrzehnten sind Waldschäden bekannt, die auf Luftverschmutzung und »Sauren Regen« zurückzuführen sind. Große Teile des Waldes sind davon betroffen.

Zur Quantifizierung der Schäden werden jährlich Untersuchungen durchgeführt, die das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen jährlich im Waldzustandsbericht veröffentlicht.

 

Quelle: Waldzustandsbericht, MULNV NRW 2019

 

Auffallend ist, dass seit 1985 der Anteil vitaler Bäume von etwa 65 Prozent auf 19 Prozent im Jahr 2019 deutlich abgenommen hat. Entsprechend hat der Anteil von Bäumen mit deutlichen Anzeichen einer Kronenverlichtung von 9 Prozent um 33 Prozentpunkte zugenommen, sodass im Jahr 2019 mehr als 40 % der Bäume in den Wäldern Nordrhein-Westfalens nicht zuletzt aufgrund der Dürrejahre 2018 und 2019 deutlich geschädigt sind. 

Die einzelnen Baumarten sind allerdings von der Entwicklung in unterschiedlichem Maß betroffen. So wurden vor allem in den letzten beiden Jahren erhebliche Schäden bei der Fichte festgestellt. Durch die Trockenheit der vergangenen Jahre wurden die Fichten vor allem durch den Befall mit dem Fichten-Borkenkäfer erheblich geschädigt. Das Insekt hat zum Teil zum Absterben ganzer Bestände geführt. Auch die Eiche leidet unter der Trockenheit, während die Buche mit der trockenen Witterung besser zurecht kommt.

 

Historie

Historisch hat der Wald vielfältige Wandlungen erfahren (vergleiche auch das Kapitel D.1 - Landschaftsgeschichte). Diese hingen vor allem mit der Nutzungsform zusammen. So wurde der Wald seit dem Mittelalter als Hudeplatz genutzt (z. B. Eichelmast), aber auch zur Entnahme von Streu sowie von Bau- und Brennholz. Das führte zu einer Devastierung des Waldes: übermäßiger Nährstoffentzug sowie die genannten Nutzungen führten zu einer Auflichtung und schließlich Verheidung (vergleiche Kapitel D.1). Später erfolgte eine Aufforstung der Heideflächen, im Gütersloher Raum insbesondere mit der Kiefer, um schnell wieder erntefähiges Holz zu erlangen.

 

Waldfunktionen

Heute steht ein anderes Spektrum an Ansprüchen an den Wald im Vordergrund:

  • Bereitstellung von Holz (Bauholz, Spanholz, Papierholz),
  • Erholungsraum,
  • Klimaschutz und Luftreinhaltung,
  • Boden- und (Grund-)Wasserschutz,
  • Immissionsschutz (z. B. Lärmschutz an Vekehrswegen),
  • Lebensraum für Pflanzen und Tiere,
  • zukünftig verstärkt die Energiegewinnung (z. B. durch Förderung sog. Hackschnitzel-Heizanlagen).

Sie alle können aber nur nachhaltig betrieben werden, wenn die ökologischen Belange in ausreichendem Maß berücksichtigt werden. Das Streben nach naturnaher Struktur und Artenreichtum ist vor diesem Hintergrund der einzig gangbare Weg (vergleiche auch die o. g. Ziele der Forstverwaltung).

 

Wald in der Stadt

Neben den Wäldern »im engeren Sinn« im Außenbereich der Stadt, bestehen insbesondere in Form der Parks in Gütersloh Waldflächen. Dazu zählen u. a. der Stadtpark und Mohns Park. Zukünftig sollen im Bereich des sogenannten Landschaftsparks Blankenhagen zwischen Kahlertstraße und Blankenhagen zusätzliche Waldflächen entwickelt werden. Es geht allerdings nicht um eine reine Waldbegründung, im Vordergrund steht vielmehr die Erholung. Von den vorgesehenen 49 Hektar Parkfläche sollen 11 Hektar zu Wald und circa 2,6 Hektar zu »waldartigen Flächen mit Hainen« entwickelt werden. Auf weiteren 17 Hektar sind naturnahe Extensivflächen und Feuchtbiotope geplant. Für die aktive Naherholung soll mit etwa 30 Hektar der Löwenanteil zur Verfügung gestellt werden.

Die Umsetzung des Landschaftsparks Blankenhagen wurde vom Umweltausschuss des Rates der Stadt Gütersloh 1996 beschlossen. Derzeit sind einige Waldflächen über Ausgleichsmaßnahmen realisiert. Der Landschaftspark ist wesentlicher Bestandteil der Grünplanung der Stadt (vergleiche Kapitel D.5) und kann darüber hinaus wichtige Funktionen im Biotopverbund übernehmen (vergleiche Kapitel D.4).

 

Wald-Biotopverbund

Der Aspekt des Biotopverbundes ist gerade bei den oftmals kleinteiligen, zersplitterten Waldflächen in Gütersloh von enormer Bedeutung. Um das Überleben von Waldarten zu gewährleisten, kommt neben der Schaffung möglichst großer zusammenhängender Waldflächen der Sicherstellung eines Austausches zwischen den vorhandenen Teilflächen einerseits über sog. Trittsteinbiotope wie beispielsweise Feldgehölze und andererseits über verbindende Elemente wie Hecken oder Gehölzstreifen eine entscheidende Bedeutung zu.

Aus diesem Grund war und ist dieses Thema im Rahmen der Biotopverbundplanung der Stadt ausführlich behandelt worden (vergleiche Kapitel D.4).

Eine Unterstützung und Entwicklung der Ausbreitungskorridore von Waldarten soll gerade in den Teilen des Stadtgebietes vorangetrieben werden, wo sich Waldflächen häufen und von daher ein besonderes Potenzial vorhanden ist. Dazu gehören der Raum nördlich von Niehorst, das Gebiet um Friedrichsdorf, Kattenstroth und der südliche Teil von Spexard (vergleiche Karte D.4.5).

 

Wald als Ökosystem

Der Wald als Biotop bietet zahlreichen Pflanzen und Tieren Nahrung und Lebensraum. Er ist auf mind. 95 Prozent der Fläche des Landes die ursprüngliche und natürliche Vegetationsform und damit die stabile Lebensgemeinschaft. Hier ermöglichen komplexe ökologische Zusammenhänge eine große Elastizität und Regenerationskraft nicht nur für das Ökosystem selbst, sondern auch für den Naturhaushalt ganzer Gebiete. Aufgrund des menschlichen Eingreifens ist der Wald auf das heutige Maß zurückgedrängt worden. Wie er sich nach dessen Aufhören unter verschiedenen Standortbedingungen entwickeln würde, ist in Kapitel D.1 dargestellt (potenzielle natürliche Vegetation).

Die Entwicklung eines naturnahen oder gar natürlichen Waldes erfordert sehr lange Zeiträume; das durchschnittliche Alter, das Buchen oder gar Eichen natürlicherweise erreichen, liegt bei mehreren 100 Jahren.

Das Struktur- und Lebensraumangebot im Wald ist vielfältig. Besondere Erwähnung verdient beispielsweise das Totholz. Es kann sowohl stehend als auch liegend in unterschiedlichen Stärken vorkommen. Stehend bietet es zum Beispiel Nistmöglichkeiten für den seltenen Schwarzspecht und in der Folge beispielsweise für die gleichfalls gefährdeten Arten Hohltaube, Dohle und entsprechend spezialisierte Fledermäuse. Darüber hinaus läuft eine Vielzahl von Lebens- und Zersetzungsvorgängen am Totholz ab, in die Hunderte von Insekten- und zahlreiche Pilzarten eingebunden sind. In Naturwaldzellen in NRW hat KÖHLER (1991) allein 352 ausschließlich auf Totholz angewiesene Käferarten nachgewiesen!

Informationen zu den Themen "Waldbewirtschaftung in Nordrhein-Westfalen" und "FSC-Label" sind zu finden unter www.umwelt.nrw.de, www.wald-und-holz.nrw.de und www.fsc-deutschland.de.


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 19.12.2019