E.1 Bodenkarte / Bodentypen

 

Bearbeitungsstand: 07/2008

 

Die Böden des Gütersloher Raumes sind überwiegend aus Ablagerungen der letzten und vorletzten Eiszeit entstanden. Aus den sandig-schluffigen Sedimenten der oberhalb der Auen gelegenen Niederterrasse, die häufig von Flugsand überdeckt sind, haben sich nährstoffarme Böden (Podsole und Braunerde-Podsole) entwickelt.

 

Podsol

Podsole sind dadurch gekennzeichnet, dass im Profil auf einen Auswaschungshorizont ein Anreicherungshorizont folgt, in dem Humusstoffe und darunter Eisen- und Aluminiumbestandteile angereichert werden. Das kann zu einer Verhärtung des Unterbodens führen (Ortsteinbildung). Podsole weisen einen sehr niedrigen pH-Wert auf. Häufig sind die tieferen Bodenhorizonte von Grundwasser beeinflusst (Gley-Podsole).

 

Podsol-Regosol

Im Stadtgebiet Gütersloh gibt es auch Böden, deren Entwicklung nur wenig fortgeschritten ist. Sie sind aus Flugsanden hervorgegangen und zeigen nur schwach die Merkmale eines Podsols. Derartige Böden werden als Podsol-Regosol bezeichnet.

 

Plaggenesch

Um die nährstoffarmen, dürreempfindlichen Podsole besser landwirtschaftlich nutzen zu können, hat man sie durch Aufbringen von Plaggen in ihrer Ertragsfähigkeit verbessert (Plaggenesch). Dabei wurden sog. Heideplaggen (Heidekraut und Humusschicht des Bodens) in die Viehställe zur Einstreu verbracht und später auf die Äcker aufgetragen. Die Böden höhten sich so im Laufe der Zeit auf und sind auch heute noch im Gelände zu erkennen. Der Humusanteil im teils mächtigen Oberboden ist hoch und die Bodenreaktion stark sauer.

 

Gley

In Niederungen und Talsenken sind die Böden bis in den nahen Oberboden vom Grundwasser geprägt. Es handelt sich hierbei um Gleye und Podsol-Gleye. Sie zeigen einen rostfarbenen Oxidationshorizont, in den Eisen- und Manganverbindungen kapillar aus einem stets unter grundwasserbedingtem Sauerstoffabschluss stehenden, graublauen Reduktionshorizont aufgestiegen sind. Diese natürlichen Grünlandstandorte wurden durch Dränmaßnahmen bis heute weitgehend in Ackerland überführt.

 

Pseudogley

Im östlichen und nördlichen Teil des Stadtgebiets haben sich aus sandig-toniger Grundmoräne Staunässeböden (Pseudogleye) entwickelt. Pseudogleye werden nicht durch Grundwasser, sondern durch Stauwasser beeinflusst. Sie weisen unter einem fahlgrauen, schwarz-fleckigen und wasserdurchlässigem Horizont einen grau-rostbraun marmorierten, wasserstauenden Horizont auf. Infolge des zum Teil stark ausgeprägten Wechsels von Vernässung und Austrocknung werden auf solchen Böden geringe bis mittlere Ernteerträge erzielt.

 

Podsol-Braunerde

Relativ kleinflächig haben sich aus sandig-lehmigen Sedimenten Podsol-Braunerden entwickelt. Auch sie stehen häufig unter allerdings schwachem Staunässeeinfluss. Diese geringfügig besseren Böden kommen vor allem in etwas höher liegendem Gelände der Flachrücken im Osten und Norden des Stadtgebiets vor.

 

Erläuterungen zu den Bodentyp-Abbildungen
Ah mineralischer Oberbodenhorizont mit Humusanreicherung
Ae gebleichter Auswaschungshorizont
Bv mineralischer Unterbodenhorizont, durch Verwitterung verbraunt
Bf mineralischer Unterbodenhorizont mit Eisenanreicherungen
Bh mineralischer Unterbodenhorizont mit Huminstoffanreicherungen
C Ausgangssubstrat
Go Mineralbodenhorizont mit Grundwassereinfluss, oxidiert, mit Rostflecken
Gr Mineralbodenhorizont mit Grundwassereinfluss, reduziert, meist an über 300 Tagen im Jahr nass
Sw Mineralbodenhorizont mit Stauwassereinfluss, stauwasserleitend
Sd Mineralbodenhorizont mit Stauwassereinfluss, wasserstauend

 

Quelle: Mückenhausen, 1993: Bodenkunde

Niedermoor

In den zahlreichen Bachtälern des Stadtgebiets sind typische Grundwasserböden — Gleye, Anmoorgleye bis zu Niedermoorböden — vertreten. Niedermoorböden sind im Gegensatz zu den anderen Bodentypen organische Böden. Das Substrat für die Bodenbildung besteht vorwiegend aus Resten von Pflanzen wie Seggen oder Schilf. Sie entstehen entweder als Verlandungsmoore aus trockengefallenen Gewässern oder als Versumpfungsmoore in Senken.

Neben den genannten Bodentypen kommen noch vielerlei Übergänge zwischen verschiedenen Typen vor. Einen Überblick über die Böden des Gütersloher Raumes gibt die Karte E.1.1.

Umfassendere digitale Daten zu Geologie und Böden gibt es auf den Seiten des Geologischen Dienstes NRW.

Grundwasser-Flurabstand

Aus der Beschreibung des Bodeninventars lässt sich bereits ableiten, dass das Grundwasser in weiten Teilen Güterslohs relativ hoch ansteht. Die geringsten Grundwasser-Flurabstände zeigen naturgemäß die Niedermoorböden. Hier liegt der Grundwasserspiegel maximal 40 Zentimeter tief unter der Geländeoberkante. In den Niederungen überwiegen Schwankungsbereiche des Grundwassers von 4 bis 8 Dezimeter unter Flur. Diese Bereiche sind weitgehend deckungsgleich mit der Verbreitung der Gleye bzw. vergleyten Böden. In Teilen des nördlichen Stadtgebietes sowie rund um den Flughafen steht das Grundwasser in Tiefen von 8 bis 13 Dezimeter an. Im übrigen Stadtgebiet betragen die Grundwasser-Flurabstände mehr als 13 Dezimeter (nach BK 50 L 4116 Gütersloh).

Schutzwürdige Böden

Die Karte der schutzwürdigen Böden des Geologischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen verzeichnet im Stadtgebiet Gütersloh verschiedene Böden unterschiedlicher Art und Entstehung (GLA 1998). Die Schutzwürdigkeit wird einerseits ökologisch mit extremen Verhältnissen beim Wasser- und Nährstoffangebot, andererseits mit der regionalen Besonderheit seltener Böden begründet.

Zur ersten Gruppe gehören zum einen die Böden sehr trockener Standorte. Es handelt sich meist um Podsole. Zum anderen zählen dazu die besonders nassen Böden. In und um Gütersloh sind das die Niedermoorböden und die Auenböden im Einflussbereich der Ems. Die genannten Bodentypen sind zwar aus landwirtschaftlicher Sicht nicht sonderlich wertvoll; sie sind aber als Standorte für viele Pflanzen- und Tierarten interessant, die speziell an derartige Lebensbedingungen angepasst sind. Auf normalen, landwirtschaftlich wertvolleren Standorten werden diese Spezialisten von anderen konkurrenzfähigeren Arten leicht verdrängt, weshalb sie heute oftmals selten geworden sind und zu den bedrohten Arten zählen. Daher sind die wenigen Standorte, deren Böden noch nicht landwirtschaftlich verbessert wurden, als Lebensraum wertvoll und schutzwürdig. Kulturhistorische Bedeutung haben dagegen die Plaggenesche. Sie sind eine regionaltypische Erscheinung des nordwest-deutschen Tieflands.

Exkurs Lagerstätten

Der Gütersloher Raum wird geologisch durch quartäre Sedimente geprägt. Dazu zählen einerseits glaziale Schmelzwasserablagerungen, andererseits die Niederterrassen-Sedimente der Flüsse. Beide Ablagerungsformen werden von fein- bis mittelsandigem Substrat dominiert. Stellenweise gibt es Beimengungen anderer Korngrößenfraktionen wie Schluff, Ton oder vereinzelt Gerölle.

Aufgrund von Qualität, Größe und wirtschaftlicher Nutzbarkeit der Vorkommen sowie aufgrund der infrastrukturellen Verhältnisse werden die Sandvorkommen rund um Gütersloh vom Geologischen Landesamt als Lagerstätten geführt. Davon ausgenommen sind die Siedlungszentren und der Flughafen. Die Gütersloher Sande sind als Zuschlag- und Füllstoffe in der Baustoffindustrie sowie in der Glas- und Metallindustrie nutzbar (GLA 1998).

Quellen:
  • Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen (GLA; Hrsg.) (1989): Bodenkarte von Nordrhein-Westfalen im Maßstab 1 : 50.000, Blatt L 4116 Gütersloh, Krefeld
  • Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen (GLA; Hrsg.) (1997): Schutzwürdige Böden in Nordrhein-Westfalen, Karte im Maßstab 1 : 50.000, Blatt L 4116 Gütersloh, Krefeld
  • Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen (GLA; Hrsg.) (1998): CD-ROM "Schutzwürdige Böden / oberflächennahe Rohstoffe", Krefeld
  • Mückenhausen, E. (1993): Die Bodenkunde und ihre geologischen, mineralogischen, geomorpholog. und petrologischen Grundlagen, DLG-Verlag, Frankfurt/Main

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 16.12.2013