E.2 Bodennutzung / Flächennutzung

Bearbeitungsstand: 07/2017

Der Boden als Lebensgrundlage unterliegt vielfältigen Nutzungen. Er wird neben seinen natürlichen Funktionen dabei nicht nur als Ausgangssubstrat für die Land- und Forstwirtschaft gebraucht, sondern auch als Standort von baulichen Anlagen wie Verkehrswegen und Siedlungen verbraucht.

Die Land- und Forstwirtschaft benötigt Boden als Standort für Nutzpflanzen. Er ist durch die Bereitstellung von Wurzelraum, Nährstoffen, Luft und Wasser unentbehrliche Grundlage ihres Wirtschaftens. Land- und Forstwirtschaft nutzen daher mit Abstand den größten Teil unserer Böden.

 

Flächenverbrauch

Die Nutzung des Bodens als reine Fläche für Siedlungen, Gewerbegebiete, Verkehrswege und andere Anlagen hat in den letzten Jahrzehnten sehr stark zugenommen. Zur Zeit werden in der Bundesrepublik täglich (!) 94 Hektar für Siedlungs- und Verkehrszwecke neu in Anspruch genommen (Statistisches Bundesamt, Internetauskunft vom 20.09.2011). Zum Vergleich: Diese Fläche entspricht in etwa der von 130 Profi-Fussballplätzen.

Etwa die Hälfte der rund 4,7 Millionen Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland ist überbaut bzw. versiegelt (vergleiche Kapitel E.6). Der in Jahrtausenden entstandene Boden ist dort einschließlich seiner ökologischen Funktionen (siehe Kapitel E.3) unwiederbringlich verloren. Böden können im vom Menschen überschaubaren Zeiträumen nicht wiederhergestellt werden.

Die Gesamtfläche Güterslohs beträgt 11.200 Hektar bzw. 112 Quadratkilometer. Innerhalb der Stadt ändert sich das Verhältnis von Freiflächen und Siedlungsflächen permanent zuungunsten nicht bebauter Flächen. Hält die aktuelle Entwicklung an, wird das Verhältnis spätestens in 40 Jahren ausgeglichen sein.

In den Jahren 1997 - 2007 betrug der jährliche Verbrauch an landwirtschaftlicher Nutzfläche circa 26,8 Hektar (Quelle: Stadt Gütersloh, FB Vermessung). Diese Fläche wurde in Anspruch genommen für Gebäude- und Freiflächen (circa 16,9 Hektar), Verkehrsflächen (circa 3,2 Hektar) und Erholungsflächen (circa 3,7 Hektar). Der starke Anstieg der Siedlungsflächen  von 6 Prozentpunkten im Jahr 2016 ist auf eine Veränderung in der statistischen Grundlage zurückzuführen. So wurden beispielsweise die Abbauflächen (Tagebau) nun den Siedlungsflächen zugeordnet.

Quelle: Katasteramt Kreis Gütersloh

 

Flächenanteile verschiedener Nutzungsarten

Einen detaillierteren Überblick über die Änderungen der Anteile verschiedener Nutzungsarten zwischen 1970 und 2011 gibt die folgende Abbildung (Quelle: Katasteramt Kreis Gütersloh, Liste 25 [1970], Liste 21 [2011]). Im Jahr 2016 wurde ein neues System für die Zuordnung und die Benennung der Nutzungen eingeführt (Quelle: Katasteramt Kreis Gütersloh, NW31).

Quelle: Katasteramt Kreis Gütersloh

 

Aus den Grafiken ergeben sich einige interessante Sachverhalte. So ist der Anteil der Ackerfläche von 1970 bis 2011 um 8,0 Prozentpunkte gesunken. Ähnlich sieht es beim Grünland aus: Hier beträgt der Rückgangbis 2011 6,0 Prozentpunkte. Von der landwirtschaftlichen Nutzfläche (Acker- und Grünland) ging in Gütersloh innerhalb einer Generation rund ein Fünftel (circa 1.490 Hektar) verloren, während die Einwohnerzahl gleichzeitig um rund ein Viertel angestiegen ist. Die Heideflächen sind soweit geschrumpft, dass ihr Anteil von 0,03 Prozent bzw. 3,8 Hektar kaum noch darstellbar ist.

Im gleichen Zeitraum nahm hingegen die Siedlungsfläche um 11,8 Prozentpunkte (circa 1.335 Hektar) zu, davon die Verkehrsfläche um 1,5 Prozentpunkte (circa 252 Hektar). Im Jahr 2016 ist der Anteil der Siedlungs-und Verkehrsflächen von 33,1 % auf 39,2 % gestiegen. Dies ist zum einen in der Änderung des Systems der Flächenzuordnung, aber auch aufgrund der immer weiter steigenden Flächenversiedlung zurückzuzführen. Die in Gütersloh für Siedlung und Verkehr pro Einwohner (gemeldete Personen) in Anspruch genommene Fläche stieg von circa 299 Quadratmeter pro Einwohner im Jahr 1970 auf circa 384 Quadratmeter pro Einwohner im Jahr 2011; die Tendenz ist weiterhin steigend. Sonstige Nutzungen weisen einen Zuwachs von gut 4 Prozent auf. Der geringe Waldanteil blieb über den Gesamtzeitraum relativ konstant, die Wasserfläche nahm dagegen bis 2011 um circa 44 Hektar (auf 0,9 Prozent) zu.

Für das Jahr 2016 haben sich Veränderungen in der statistischen Grundlage ergeben, sodass eine andere Einteilung der Kategorien gewählt wurde. Aus der Grafik ist ersichtlich, dass nur halb so viele Flächen in Gütersloh im Verhältnis zu Ackerland als Grünland bewirtschaftet werden. Rund ein Zehnten des Stadtgebietes wird durch Wald, Heide und sonstige Vegetation eingenommen. Der Anteil der Gewässer beträgt jedoch nur noch rd. 1 % wobei Fließgewässer und Stillgewässer etwa zu gleichen Teilen vertreten sind. Der im Verhältnis zu den Jahren 1970 und 2011 geringere Anteil der Gewässer ist hier jedoch wiederum in der Zuordnung der Flächen zu den Kategorien begründet. 2011 wurden das Abbauland und sonstige Vegetationsflächen in der Kategorie der Gewässer berücksichtigt, während die Gewässer für das Jahr 2016 eine eigene Kategorie bilden. Sonstige Vegetationsflächen wurden für das Jahr 2016 jedoch der Kategorie der Wald- und Heideflächen zugeordnet. 

Der Vergleich mit der Grafik für die Bundesrepublik zeigt, dass der Flächenanteil der Landwirtschaft an der Gesamtfläche in Gütersloh mit circa 52 Prozent durchschnittlich ist. Bedenkt man, dass es sich um städtisches Gebiet handelt, kann der genannte Wert jedoch als hoch gelten. Die landwirtschaftliche Fläche wird zu 64 Prozent als Acker und zu 36 Prozent als Grünland genutzt. Die Vergleichswerte von 2004 von 69 Prozent (Acker) bzw. 29 Prozent (Grünland) für die Bundesrepublik machen deutlich, dass Gütersloh nach wie vor in besonderer Weise von der Grünlandwirtschaft geprägt wird.

Der Waldanteil an der Gesamtfläche Güterslohs liegt mit 6,9 Prozent hingegen nur bei weniger als einem Viertel des Bundesdurchschnitts.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Internetauskunft vom 20.09.2011

 

Wie für eine Stadt nicht anders zu erwarten, beträgt der Siedlungsflächenanteil in Gütersloh (nur Siedlungsflächen) mit rund 29 Prozent gut das 4-fache des Vergleichswerts; auch der Flächenanteil der Verkehrsflächen ist mit 10,2 Prozent doppelt so hoch wie der Vergleichswert der Bundesrepubik. Auch die Waldflächen in Gütersloh sind im Verhältnis sehr gering. Die Anteile der übrigen Nutzungen liegen wiederum nah am Durchschnitt der Bundesrepublik.

 

Realnutzung

Die Karte E.2.1 zeigt die Nutzungsverteilung im Stadtgebiet. Sie basiert allerdings nicht wie die oben dargestellten Daten auf Katasterauswertungen, sondern auf Nutzungskartierungen aus den Jahren 1999 und 2004/2005. Zur besseren Übersichtlichkeit sind die Nutzungen aggregiert (bspw. werden nicht alle Waldtypen oder Bebauungsformen differenziert dargestellt).


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 28.07.2017