E.6 Bodenversiegelung

Bearbeitungsstand: 10/2011

Definiton

Unter dem Begriff Bodenversiegelung werden alle Formen einer nicht natürlichen wasser- und luftundurchlässigen Bodenabdeckung zusammengefasst. Dazu zählen Straßen und Wege, Parkplätze, Häuser und Gebäude. Teilweise betrifft die Versiegelung allein die Bodenoberfläche (Beispiel: Fahrbahndecke), oft reicht sie jedoch auch tiefer in den Untergrund (Fundamente, Keller). Die Versiegelung kann vollständig sein, oder - wie im Falle von durchlässigem Pflaster oder sogenannten wassergebundenen Decken - auch nur teilweise den Luft- und Wasseraustausch unterbinden.

 

Flächenanteil

Die Bodenversiegelung korrespondiert mit der Ausdehnung der Siedlungs- und Verkehrsfläche (SUV); ist jedoch nicht gleichzusetzen (siehe auch Kapitel E.2). Für die bundesweite amtliche Statistik wird ein Anteil der tatsächlich versiegelten Fläche an der SUV von 50 Prozent zu Grunde gelegt. Zu den SUV zählen neben den tatsächlich versiegelten Flächenanteilen nämlich auch Grünstreifen, bepflanzte Verkehrsinseln, Straßenseitengräben, Gartenflächen usw. Die Umwidmung von Freiflächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen wird seit langer Zeit katastermäßig erfasst und dokumentiert.

Der stetige Zuwachs der SUV gibt daher einen deutlichen Hinweis auf die fortschreitende Versiegelung von Bodenflächen. Die SUV wächst derzeit bundesweit um 94 Hektar (= 940.000 Quadratmeter) pro Tag (Internet-Auskunft Statistisches Bundesamt, Betrachtungszeitraum 2006 bis 2009).

 

Auswirkungen

Die Bodenversiegelung hat weitreichende Konsequenzen. Zunächst führt sie zu einer Zerstörung des Bodens und/oder zumindest zu einer Isolierung des belebten Bodenkörpers von der Atmosphäre. Damit ist der vollständige Verlust als Standort und Lebensraum für Pflanzen und Tiere verbunden (Bedeutung der Bodenfunktionen siehe Kapitel E.3). Ebenso deutlich ist die Veränderung für den Wasserhaushalt. Das abfließende Wasser steht für die Grundwasserneubildung am Ort des Niederschlags nicht mehr zur Verfügung. Spürbar sind auch die kleinklimatischen Veränderungen. Eine asphaltierte Fläche hat ein gänzlich anderes thermisches Verhalten als eine Grünfläche.

Die Problematik einer zunehmenden Versiegelung ist insbesondere durch die verschiedenen Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre der Öffentlichkeit bewusst geworden. Das Niederschlagswasser kann nicht mehr vom Boden aufgenommen werden, fließt beschleunigt ab und verstärkt die Gefahr von Hochwasserereignissen. Diese Erhöhung der Abflussspitzen bei städtischen Siedlungsflächen mit hohen Versiegelungsgraden ist ein bekanntes Phänomen. In (Neu-)Baugebieten ist daher seit längerem die Versickerung bei geeignetem Untergrund Pflicht (§ 51a Landeswassergesetz). Ergänzende Rückhaltungsmaßnahmen sind Regenrückhaltebecken (siehe dazu auch Kapitel G.10 bis G.13).

Der teilweise oder vollständige Verlust der Bodenfunktionen wirkt sich also auf die unterschiedlichen Umweltmedien aus. Der Zusammenhang ist direkt: Je größer die Versiegelungsfläche, desto stärker die Auswirkung.

 

Schutz vor weiterer Bodenversiegelung

Die entscheidende Maßnahme zur Eindämmung des weiteren Anstiegs der Versiegelung ist die Reduzierung des Flächenverbrauchs. Der Entsiegelung von Bodenflächen kommt dagegen nur eine nachrangige Bedeutung zu, nicht zuletzt aufgrund der damit verbundenen Kosten.

Hilfreich bei der Verhinderung der weiteren Versiegelung wäre sicher bereits die konsequente Beachtung der Bodenschutzklausel des Baugesetzbuches (§ 1 a (1) BauGB): »Mit Grund und Boden soll sparsam und schonend umgegangen werden, dabei sind Bodenversiegelungen auf das notwendige Maß zu begrenzen.« Bei der Umsetzung dieses Grundsatzes ist insbesondere die Bauleitplanung gefordert. Möglichkeiten zur Festschreibung von maximal überbaubaren Flächenanteilen, Belägen für Parkflächen, Straßenausdehnungen etc. bei neuen Baugebieten sind vorhanden. Bei alten Siedlungs- und Gewerbeflächen ist der Schließung von Baulücken und Umwidmungen der Vorzug vor Neuausweisungen zu geben.

Die Folgen der Versiegelung können auf vielfältige Art und Weise gemindert werden. Dazu zählen bei der Ausweisung von Gebäudeflächen die Auswahl von Böden mit geringer ökologischer Funktionserfüllung, bodenökologisch vorteilhafte Bauweisen (z. B. wasserdurchlässige Beläge), Wohnumfeldverbesserungen (Begrünungen von Dächern und Fassaden) und die Rückhaltung von Niederschlagswasser zur Minderung des Oberflächenabflusses mit dem Ziel der Erhöhung der Versickerungsrate und der Verwendung als Brauchwasser. Hier ist auch jeder Einzelne gefordert!

Entsiegelungspotenzial ist überall. Zwar ist eine vollständige Entsiegelung vieler Flächen nicht möglich, aber eine Auflockerung, Teilentsiegelung oder eine Belagsänderung wären häufig unproblematisch. So sind bei Straßen oft Verkehrsinseln, Eckausrundungen und ähnliches wie die Fahrbahn selbst asphaltiert. Allein im Bereich der Straßen, deren Versiegelungsgrad mit 97 Prozent anzusetzen ist, besteht ein Entsiegelungspotenzial von 26 Prozent. Weitere 8 Prozent könnten durch eine Belagsänderung teildurchlässig gemacht werden. Auch im Bereich der Wohnbebauung bestehen durch Rückbau überdimensionierter Park- und Wegeflächen et cetera Entsiegelungspotenziale bis zu 11 Prozent. Wenig Möglichkeiten bieten dagegen beispielsweise Industrieflächen, da der Bodenbelag hier überwiegend auch als Schutz gegen Einträge von Schadstoffen in den Untergrund dient (BLUME 1992).

Im Jahr 2000 wurde in Gütersloh eine Luftbildbefliegung und -auswertung zur Ermittlung der versiegelten Flächen durchgeführt. Damit sollte bei den Entwässerungsgebühren die geforderte Gebührengerechtigkeit (Trennung Schmutz- und Regenwassergebühr) hergestellt werden. Mittels hochauflösender Luftbilder wurden die Versiegelungsflächen bis auf die Ebene unterschiedlicher Dachneigungen ermittelt. Auf dieser Basis wurde dann die Darstellung auf Basis der Realnutzung in Versiegelungsstufen möglich. Die Zuordnung in 10-Prozent-Stufen zeigt die Karte E.6.1.
(Hinweis zur Karte: Der prozentuale Versiegelungsgrad wird in der Übersichtsdarstellung oberhalb des Maßstabs 1 zu 10.000 auf Basis der Kleinräumigen Gliederung, unterhalb dieses Maßstabs auf Grundlage der Realnutzung dargestellt)

 

Bodenversiegelung in Gütersloh

Insgesamt beträgt die tatsächliche Versiegelungsfläche in Gütersloh rund 20.400.000 Quadratmeter (Stand 2005). Das sind circa 18 Prozent der städtischen Gesamtfläche. Der Anteil der versiegelten Fläche an der SUV entspricht damit dem bundesweiten Durchschnitt.

Der Zuwachs an SUV betrug im Zeitraum von 2000 bis 2005 in Gütersloh 102 Hektar (= 1 Prozent des Stadtgebiets). Das entspricht einem jährlichen Zuwachs an tatsächlicher Versiegelungsfläche von 10 Hektar (50 Prozent von 20 Hektar).
Der größte Teil des Stadtgebietes weist als überwiegend landwirtschaftlich genutzter Außenbereich Versiegelungsanteile von maximal 10 Prozent auf. Gürtelartig um die Siedlungskerne angeordnet folgen Bereiche immer höherer Versiegelungsanteile, bis im Zentrum der Kernstadt Werte von über 80 Prozent erreicht werden. Diese konzentrische Abfolge wird radial von Industrie- und Gewerbegebieten entlang von B 61 und Bahnlinie sowie Richtung Avenwedde unterbrochen, die ebenfalls Höchstwerte erreichen.

Wohngebiete mit dominierender Ein- und Zweifamilienhausbebauung zeigen überwiegend Versiegelungsgrade zwischen 40 und 60 Prozent. Gleiches gilt für kleinere Verdichtungskerne in Blankenhagen, Nordhorn, Avenwedde-Bahnhof, Friedrichsdorf und die Siedlung Determeyer. Auffallend ist der Bereich Spexard. Im Kern an der Verler Straße weisen die Siedlungsflächen großflächig Versiegelungsanteile von über 70 Prozent auf. Das Gewerbegebiet südlich der A 2 fällt als große Fläche mit durchschnittlich über 50 Prozent Versiegelung auf. Geringe Versiegelungsgrade von 30 bis 40 Prozent, kleinflächig höchstens über 50 Prozent, zeigt dagegen Isselhorst. Der große Bezirk am ehemaligen Militärflughafen mit seiner Start- und Landebahn sowie den Hangars und übrigen Gebäuden hebt sich mit einem Mittelwert von bis zu 20 Prozent gegenüber dem Umland ab (siehe Karte E.6.1).

Die Baugebiete der Stadt Gütersloh weisen untereinander generell unterschiedliche Versiegelungsgrade auf. Eine Zuordnung eines Versiegelungsgrades zu einem bestimmten Baualter ist nicht möglich. Dieses Ergebnis haben Vergleiche unterschiedlich alter Baugebiete erbracht. Ihr Versiegelungsgrad liegt zwischen 25 und 75 Prozent. Lediglich die sehr alten Baugebiete aus der Zeit vor 1900 fallen durch hohe Versiegelungsgrade von 55 Prozent bis über 80 Prozent auf. Hier spielt sicherlich eine Rolle, dass mit zunehmendem Siedlungsalter immer mehr Nachverdichtungen (Garagen, Anbauten, Pflasterungen usw.) zu verzeichnen sind. Bei den neueren Baugebieten führt die geringere Grundstücksgröße im Vergleich mit älteren Baugebieten zu einer stärkeren Verdichtung und Versiegelung. Während früher häufig „Gartengrundstücke“ angelegt wurden (Haus inmitten eines relativ großen Gartens), sind heute die Grundstücksflächen generell kleiner und das Gebäude mit Nebenanlagen (Carport, Geräteschuppen) selbst füllt häufig ein Viertel bis die Hälfte der Gesamtfläche aus.


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 19.01.2012