G.1 Grundwasserstände

Bearbeitungsstand: 07/2016

Dem Grundwasser kommt als wesentlicher Quelle des Trinkwassers und als wichtigem ökologischen Standortfaktor (z. B. Wasserversorgung der Pflanzen) eine besondere Bedeutung zu. Es steht im Blickpunkt öffentlichen Interesses. Im Folgenden wird grundsätzlich auf die Grundwasserverhältnisse in und um Gütersloh eingegangen.

Das Grundwasser steht im Raum Gütersloh und in der östlichen Münsterländischen Bucht allgemein relativ hoch an. Die anstehenden Lockergesteine wie Sande und Kiese sind grundwassergefüllt. Sie bilden den Grundwasserleiter, einen sogenannten Aquifer. Er ist in diesem Raum überwiegend etwa 10 bis 20 Meter mächtig. Unter diesem Aquifer befinden sich Festgesteine der Kreidezeit. Diese Mergel- und Kalkmergelsteine, die sogenannten Emschermergel, stauen das Grundwasser. Auf diesem Grundwasserstauer bewegt sich das Grundwasser dem Gefälle folgend von Ostnordost nach Westsüdwest in Richtung auf den Vorfluter Ems. Unter den mehrere hundert Meter mächtigen Emschermergeln befindet sich in den kreidezeitlichen Kalksteinen ein weiteres Grundwasservorkommen. Demzufolge bestehen also 2 voneinander getrennte Grundwasserstockwerke.

Begriffserläuterungen

In der Karte G.1.1 sind die Grundwassergleichen des oberen Grundwasserstockwerkes sowie die Grundwasserflurabstände vom Oktober 2002 dargestellt. Grundwassergleichen sind Linien gleicher Höhe der oberen Begrenzung des Grundwasserspiegels, angegeben in Meter über Normal Null (m ü. NN). Ihnen steht der Grundwasserflurabstand gegenüber. Dabei handelt es sich um die Differenz aus Geländehöhe (ebenfalls in m ü. NN) und Grundwasserspiegel.

Die Grundwassergleichenkarte stellt die Verhältnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgrund von Interpolationen der Messstände an zahlreichen Messstellen dar. Die kartografische Darstellung der Grundwassergleichen unterschiedlicher Zeitpunkte kann unterschiedlich aussehen. Die Grundwassergleichenkarte liefert einige grundsätzliche hydrogeologische Informationen. Die Grundwasserfließrichtung ist unmittelbar ableitbar. Sie verläuft senkrecht zu den Grundwassergleichen. Darüber hinaus ist aufgrund der Scharung der Grundwassergleichen auf das Gefälle des Grundwasserspiegels und die Durchlässigkeit des Aquifers zu schließen. Je enger die Linien liegen, desto höher ist das Gefälle und desto geringer ist gleichzeitig die Durchlässigkeit.

Grundwassergleichen Oktober 2002

Die Darstellung vom Oktober 2002 zeigt, dass im Bereich der auch topografisch ausgeprägten Grundmoräne im Osten des Stadtgebietes (Friedrichsdorf/Avenwedde, vergleiche Karte B.9.1) die 1-Meter-Grundwassergleichen sehr dicht liegen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind in der Karte einige nicht dargestellt. Das Gefälle des Grundwassers ist in diesem Bereich recht hoch, zugleich ist aber auch die Durchlässigkeit des anstehenden Moränenmaterials gering (vergleiche die stauenden Pseudogleyböden in diesem Bereich, Kapitel E.1). Entsprechend den gleichmäßig gestalteten Gesteinsverhältnissen, liegen die Grundwassergleichen im übrigen Stadtgebiet in recht homogenen Abständen. Lediglich in den Gebieten von Blankenhagen und Spexard sowie im Bereich des Flugplatzes zeigen sich Aufweitungen.


Die eigentümlichen ringförmigen Grundwassergleichen in Spexard an der Neuenkirchener Straße, in Sürenheide sowie südwestlich von Kattenstroth knapp außerhalb des Stadtgebietes (Quenhorn) sind auf Grundwasserentnahmen zurückzuführen. Durch das Abpumpen bzw. Entnehmen von Grundwasser zur Trinkwassergewinnung (vergleiche Kapitel G.3) entstehen sogenannte Entnahmetrichter. Der Grundwasserstand sinkt in der Umgebung der Entnahmestellen ab.

Weiterhin fällt bei der Betrachtung der Karte auf, dass die Grundwassergleichen entlang von Fließgewässern Ausbuchtungen entgegen der Fließrichtung zeigen. Das hängt damit zusammen, dass sich der Grundwasserspiegel auf die Fließgewässer einstellt. Da diese immer etwas tiefer liegen als das umgebende Gelände, das im Raum Gütersloh ebenfalls nach Westen abfällt, liegen hier auch die Grundwassergleichen etwas tiefer. Die Grundwasseroberfläche folgt weitgehend der Geländeoberfläche.

Jahreszeitliche Grundwasserschwankungen

Aufgrund des Wasserverbrauches der Vegetation und Verdunstung sinkt der Grundwasserspiegel im Sommer zum Herbst hin ab. In der Regel ist im Oktober/November der tiefste Grundwasserstand erreicht. Im Laufe des Winters füllen sich dann die Grundwasserspeicher wieder auf, so dass zu Beginn der Vegetationsperiode im April der höchste Grundwasserstand im Jahresverlauf erreicht ist. Die bisher besprochenen Grundwassergleichen vom Oktober 2002 zeigen jedoch entgegen der Regel einen vergleichsweise hohen Grundwasserstand an.

Grundwasserflurabstände

Die Karte G.1.1 zeigt über die Grundwassergleichen hinaus die große Schwankungsbreite der Grundwasserflurabstände im Gütersloher Stadtgebiet. Sie reicht von weniger als 40 Zentimeter insbesondere der Bachniederungen von Lichtebach, Lutter, Reinkebach, Dalke (östliches Stadtgebiet), Menkebach, Ölbach und Wapel bis über 2 Meter im Bereich der Kernstadt und in der Umgebung der Grundwasserentnahmestellen. Der Grundwasserflurabstand spielt nicht nur für mögliche Nutzungen in der Landwirtschaft eine Rolle (bei hohen Grundwasserständen ist nur Grünlandnutzung möglich), sondern auch im Hinblick auf die Regenwasserversickerung von öffentlichen und privaten Grundstücken. Diese ist im Bereich der blauen Darstellungen der Karte unmöglich, auf den grün dargestellten Flächen im Einzelfall zu prüfen und im Bereich der übrigen Flächen grundsätzlich möglich.

Grundwassermessstellen

Die Bezirksregierung Detmold beobachtet im Stadtgebiet Gütersloh mehrere Grundwassermessstellen. Die ungefähre räumliche Lage der Messstellen ist aus der folgenden Tabelle ersichtlich:

M 1 Avenwedde
M 2 Spexard
M 3 Stadtzentrum
M 4 südwestliches Stadtgebiet, an der Grenze zu Rheda-Wiedenbrück
M 5 Pavenstädt

Grundwasserstand

Der Topografie und der Grundwasserfließrichtung entsprechend ist die absolute Höhe über Normal Null der Grundwasserstände der Messstellen im Osten des Stadtgebietes höher als die der Messstellen im Westen. Die Grundwasserstände von 2000 bis 2015 werden in den folgenden 2 Diagrammen getrennt für die Monate April und Oktober dargestellt. Prinzipiell werden die höchsten Wasserstände zum Ende des Winters im April, die niedrigsten im Herbst (zum Ende des Wasserwirtschaftsjahres) erreicht. Insgesamt zeigen die Wasserstände über die Jahre hinweg einen parallelen Gang. Bei der Messstelle 3 ist sowohl im April als auch im Oktober seit 2010 ein leichtes Absinken des Grundwasserstandes in Bezug auf den vorherigen Verlauf festzustellen. Diese Messstelle wird allerdings seit 2013 nicht mehr gemessen. Weitere Tendenzen sind nicht erkennbar.

Quelle: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, Grundwasserdatenbank NRW

 

Quelle: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, Grundwasserdatenbank NRW

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 05.07.2016