G.2 Grundwasseranalysen

Bearbeitungsstand: 10/2018

 

Gemäß § 19 des Wassergesetzes für das Land Nordrhein-Westfalen (Landeswassergesetz – LWG) ermitteln die zuständigen Behörden die Grundlagen des Wasserhaushalts. Für den Kreis Gütersloh ist die Bezirksregierung Detmold (früher: Staatliches Umweltamt Bielefeld) zuständig.

Grundwasserüberwachung


Grundwasserstände zu beobachten, Messdaten zu sammeln, zu speichern und auszuwerten und wasser- und abfallwirtschaftliche Planungen und Maßnahmen verfügbar zu machen, ist Aufgabe des Landesgrundwasserdienstes (LGD). Diese Aufgabe wird in Gütersloh ebenfalls durch die Bezirksregierung Detmold wahrgenommen. Der LGD wurde zu Beginn der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wegen der rasch zunehmenden Nutzung der Grundwasservorräte in NRW aufgebaut. Während die Messdaten in den Anfangsjahren des LGD zunächst für die kartenmäßige Darstellung von Grundwassergleichen und Flurabstandskarten (vergleiche auch Kapitel G.1) verwendet wurden, stehen heute mehr Fragestellungen des Naturhaushaltes, der Abfallwirtschaft, die Beurteilung von Altlasten sowie Grundwasserförderungen und deren Auswirkungen auf den Wasserhaushalt im Vordergrund.
 

Grundwasserqualität


Neben der Erhebung der vorgenannten hydrografischen Daten hat die Grundwasserbeschaffenheit einen hohen Stellenwert. Ab 1984 wurde deshalb vom Land NRW die landesweite Überwachung der Grundwasserbeschaffenheit aufgebaut und betrieben. Die Bezirksregierung Detmold ist hier für die Planung des regionalen Messnetzes, die Durchführung der Probenahmen und Analytik sowie für die Dokumentation und Auswertung der Messdaten zuständig. Ziel der Grundwasserbeschaffenheitsüberwachung ist:

  • das Erkennen lang- und kurzfristiger Veränderungen der Grundwasserbeschaffenheit
  • das Erkennen flächenhafter und punktförmiger Belastungen
  • die Formulierung von Gegenmaßnahmen und Sanierungsmöglichkeiten

Kreis Gütersloh


In der staatlichen Verwaltungshierarchie nimmt der Kreis Gütersloh Aufgaben als untere Wasserbehörde wahr. Bezogen auf das Grundwasser zählen dazu unter anderem

  • die Einräumung von Rechten zur Entnahme von Grundwasser bis zu einer Menge von 600.000 Kubikmeter pro Jahr
  • die Erteilung wasserrechtlicher Erlaubnisse zur zeitlich befristeten Entnahme von Grundwasser (z.B. Grundwassersanierungen oder Grundwasserabsenkungen bei Baumaßnahmen)
  • die Genehmigung der Einleitung von Wasser in das Grundwasser (z.B. über Schluckbrunnen)
  • die Anordnung von Maßnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung von Grundwasserschäden

Grundwasser-Messstellen des LGD


Der LGD betreibt auf dem Gebiet der Stadt Gütersloh insgesamt 19 Grundwassermessstellen, von denen bei 12 Messstellen nur die Wasserstände regelmäßig kontrolliert werden. Bei 7 Messstellen werden darüber hinaus regelmäßige Grundwasseranalysen erstellt. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über den Umfang der Untersuchung

Lage der Grundwassermessstelle

Untersuchungsumfang

Osnabrücker Landstraße

020 102 069 (C037)

monatliche Wasserstandsmessungen seit 1949

Carl-Bertelsmann-Straße

020 102 070 (C074)

monatliche Wasserstandsmessungen seit 1949

Analysen im Zeitraum 1985 - 1988

Möllenbrocksweg (B195)

020 102 082

wöchentliche Wasserstandsmessungen von 1949 bis Juni 2000

seit Juni 2000: tägliche Messungen der Wasserstände

seit 1985: mindestens eine Grundwasseranalyse pro Jahr (wenige Ausnahmen)

Mönkeweg

021 000 130 (C039)

1962 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

seit 1990: monatliche Wasserstandsmessungen

Münsterlandstraße

021 000 165 (C040)

1962 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

seit 1990: monatliche Wasserstandsmessungen

Reithallenweg

021 000 177 (C041)

1962 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

seit 1990: monatliche Wasserstandsmessungen

Lutterweg

021 000 232 (C042)

1962 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

1990 - 2012: monatliche Wasserstandsmessungen, danach nur noch einzelne Werte

Flughafen

021 000 256 (C043)

1962 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

seit 1990: monatliche Wasserstandsmessungen

Herzebrocker Straße (C046)

021 000 347

1962 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

seit 1990: monatliche Wasserstandsmessungen

seit 1985: mindestens eine Grundwasseranalyse pro Jahr

Bruder-Konrad-Straße

021 000 426 (C047)

1962 - 1977: halbjährliche Wasserstandsmessungen

seit 1977: monatliche Wasserstandsmessungen

seit 1985: mindestens eine Grundwasseranalyse pro Jahr (wenige Ausnahmen)

Brockhäger Straße

021 000 797 (C050)

1964 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

1989: - 2012: monatliche Wasserstandsmessungen, danach nur noch einzelne Werte

Luise-Hensel-Straße

021 000 827 (C051)

1964 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

1989 - 2012: monatliche Wasserstandsmessungen, danach nur noch einzelne Werte

Sürenheider Straße

021 000 876 (C052)

1964 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

seit 1989: monatliche Wasserstandsmessungen

Am Hüttenbrink

021 000 955 (C055)

1964 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

seit 1989: monatliche Wasserstandsmessungen
(wenige Ausnahmen)

Schneckenweg (3 Messstellen)

021 000 268 (C044)*

026 525 045 (C151)

026 545 057 (C152)

*seit 1985: mindestens eine Grundwasseranalyse pro Jahr

* 1962 - 1989: halbjährliche Wasserstandsmessungen

* seit 1989: monatliche Wasserstandsmessungen

Carl-Bertelsmann-Straße

023 085 265 (C018)

1985 - 2014: mindestens eine Grundwasseranalyse pro Jahr

1970 - 2013: monatliche Wasserstandsmessungen

(Messstelle ist nicht mehr vorhanden)

Herzebrocker Straße (Multilevel-Brunnen) – C05

5 Analysen im Zeitraum 1993 bis 2007

Weitere Grundwasseranalysen werden durch Gewerbebetriebe, bei denen durch die Art des Betriebes Grundwasserverunreinigungen durch Störungen im Betriebsablauf nicht ausgeschlossen werden können, veranlasst. Zu diesen Betrieben zählen z.B. die Sonderabfallbehandlungsanlage der Firma Zimmermann, das Kompostwerk und die Kläranlage Putzhagen.
 

Erfassung Grundwassermessstellen

Im Jahr 2000 hat der Fachbereich Umweltschutz damit begonnen, sämtliche im Stadtgebiet Gütersloh bekannten Grundwassermessstellen systematisch in einer Datenbank zu erfassen, um die örtliche Grundwassersituation besser darstellen und bewerten zu können. Ergänzend dazu wurde die genaue Lage der Messstellen vor Ort dokumentiert und in Karten übertragen. Nach den durchgeführten Recherchen haben die nachfolgend genannten Behörden und Institutionen Grundwassermessstellen in Gütersloh errichtet:

  • Stadt Gütersloh
  • Stadtwerke Gütersloh GmbH
  • Kreis Gütersloh
  • Bezirksregierung Detmold (vormals Staatliches Umweltamt Bielefeld)
  • Gütersloher Betriebe

Darüber hinaus lagen Hinweise über weitere Messstellen vor, die jedoch keinem Betreiber zugeordnet werden konnten. Die Datenbank umfasst derzeit circa 600 aktuell vorhandene Messstellen und Brunnen. Sofern Erkenntnisse über weitere Messstellen vorliegen, wird die Datenbank weiter ergänzt (siehe Übersichtskarte unten).

Grundwasserbelastungen

Da das hiesige Trinkwasser ausschließlich aus Grundwasservorkommen in und um Gütersloh gewonnen wird, ist jegliche Form von Einträgen schädlicher Stoffe zu vermeiden. Allerdings ist in der Vergangenheit wenig sorgsam mit dem Grundwasser umgegangen worden, mit der Folge, das bis in die heutige Zeit das Grundwasser an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet zum Teil deutlich belastet und für eine Trinkwassernutzung gänzlich ungeeignet ist. Verursacht wurden diese Grundwasserverunreinigungen vor allem durch ehemalige Mülldeponien (oft wurde der Müll direkt in das offen anstehende Grundwasser gekippt) und durch gewerbliche und industrielle Tätigkeiten (siehe Kapitel E.8). Als besonders gefährlich für das Grundwasser hat sich dabei der Umgang mit Lösemitteln (z.B. Chlorierte Kohlenwasserstoffe – CWK) erwiesen. Diese Stoffe dringen tief in das Grundwasser ein, bilden mit dem Grundwasserstrom oft Kilometer lange Schadstofffahnen und müssen teilweise mehrere Jahre lang saniert werden. Im Jahr 2007 befanden sich 4 CKW-Schadensfälle durch die Verursacher bzw. durch den Kreis Gütersloh in der laufenden Sanierung. Die Sanierung von 4 weiteren Schadensfällen konnte bis dahin abgeschlossen werden. Aber auch nach Abschluss der Sanierung verbleiben Reste von CKW im Grundwasser, die in Jahrzehnte dauernden Prozessen auf natürlichem Wege abgebaut werden müssen.
Hinzu kommt eine verbreitete diffuse Beeinträchtigung des Grundwassers durch verschiedene Stoffe (vergleiche auch Kapitel G.4), unter anderem durch alte Hausgruben, undichte Kanäle, et cetera. Weitere Beeinträchtigungen des Grundwassers entstehen durch intensive landwirtschaftliche Düngung (vergleiche Kapitel G.15).
 

Hintergrundbelastung

Eine Untersuchung darüber, welche Stoffgehalte im Grundwasser als Hintergrundbelastung anzusehen sind, liegt leider nicht vor. Die vorliegenden Grundwasseranalysen wurden überwiegend im Umfeld von Altablagerungen, Altstandorten und CKW-Schadensfällen durchgeführt. Auch liegen nur allgemeine Statistiken über die Grundwasserqualität bei den circa 3.000 Hausbrunnen und deren räumliche Verteilung im Stadtgebiet vor. Auffallend ist allerdings, dass das Grundwasser in Gütersloh in weiten Teilen durch hohe Eisen- und Mangan-Gehalte aus natürlichen Quellen „belastet“ ist. Für eine erste Einschätzung der Hintergrundbelastung sollen die Analysen aus den Messstellen des Landesgrundwasserdienstes herangezogen und mit den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung (TVO 2018) verglichen werden. Die Proben zu den in der nachfolgenden Tabelle dargestellten Analysewerten wurden zwischen September 2017 und Mai 2018 entnommen. Alle Gehalte sind – außer beim pH-Wert– in mg/l angegeben. Die Leitfähigkeit ist in MilliSiemens pro Meter (mS/m) angegeben.
 

Parameter

B195
020102082
 

C044
021000268
 

C046
021000347
 

C047
021000426
 

C057
021001789
 

Grenzwert TVO

pH-Wert

7,3

4,6

7,1

7,2

7,2

6,5 bis 9,5

Leitfähigkeit

87

38

47

 

82,0

279 bei 25°

Ammonium

0,55

< 0,06

< 0,06

0,28

0,26

0,5

Nitrat

1,33

3,28

66,41

< 1,33

1,46

50

Chlorid

68

86

11

30

47

250

Sulfat

100

24

47

50

100

250

Bor

< 0,03

< 0,03

0,066

0,055

0,042

1

Eisen

4,5

0,36

0,043

8,0

1,6

0,2

Mangan

0,31

0,043

0,0083

1,3

1,0

0,05

Nitrit

< 0,07

< 0,07

< 0,07

< 0,07

<0,07

0,5

Kalium

1,2

7,0

21,0

3,2

5,1

 

Magnesium

4,2

2,1

3,4

8,1

4,5

 

Calcium

160

15

63

170

140

 

 

Die gemessenen Werte für Leitfähigkeit, Nitrit, Bor, Chlorid und Sulfat  sind in allen Analysen unauffällig und erfüllen die Anforderungen der TVO. Lediglich für Ammonium in der Messstelle B195 und für Nitrat in der Messstelle C046 wird der TVO-Grenzwert überschritten. Für die Stoffe Kalium, Magnesium und Calcium sind in der TVO keine Grenzwerte festgelegt. Während in den Messstellen C044 und C057 der Kalium-Gehalt leicht erhöht und in der Messstelle C046 deutlich erhöht ist, sind alle übrigen Gehalte als unauffällig zu bezeichnen.
Auf Grund der örtlichen Lage der Messstellen B195, C044 und C046 dürften die erhöhten Werte bzw. Grenzwertüberschreitungen auf Einflüsse aus landwirtschaftlicher Düngung zurückzuführen sein.
Überschreitungen der Grenzwerte bei dem Parameter  Mangan liegen in den Messstellen B 195, C047 und C057 vor. Außer in der Messstelle C046 wird der Grenzwert für Eisen in allen anderen Messstellen überschritten. Es handelt sich hierbei jedoch um geogen bedingte Gehalte, die auch im Rohwasser der Gütersloher Wasserwerke vorkommen und dort in entsprechenden Aufbereitungsanlagen entfernt werden (vergleiche Kapitel G.3).


Die zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie vom Land NRW aufgestellten Gewässersteckbriefe (MUNLV 2008) stufen beide Grundwasser-Teileinzugsgebiete, an denen Gütersloh Anteile hat (Grundwasserkörper 3_07 und 3_08), hinsichtlich ihres chemischen Zustandes beim Nitrat als „schlecht“ ein (Qualitätsnorm ist die Konzentration 50 Milligramm pro Liter Nitrat, entsprechend dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung); die übrigen quantitativen und qualitativen Bewertungsparameter (z.B. Pflanzenschutzmittel und sonstige chemische Stoffe wie Schwermetalle, Lösungsmittel oder Salze) werden dagegen als „gut“ eingestuft.


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 05.10.2018