G.4 Private Wasserversorgung

Bearbeitungsstand: 11/2018

 

Der Großteil der Gütersloher Haushalte wird über das öffentliche Leitungsnetz mit Trinkwasser versorgt. Darüber hinaus gibt es jedoch auch über 3.000 private Trinkwasserbrunnen in Gütersloh. Grundsätzlich ist auch dieses Wasser für Trinkwasserzwecke geeignet. Es bestehen allerdings einige mögliche Belastungen.

 

Potenzielle Trinkwasserbelastungen

Bakteriologische Belastungen können aus dem schlechten Zustand des Brunnens herrühren, wodurch Oberflächenwasser eindringen kann. Nahe gelegene Mist- und Jauchelagerungen, undichte Abwasserleitungen sowie schlecht gewartete Aufbereitungsanlagen können ebenfalls bakteriologische Probleme bringen.

Chemische Belastungen bestehen potenziell vor allem durch Nitrat. Es gelangt im wesentlichen durch Überdüngung in das Grundwasser. Die Pflanzen können in diesem Fall den Dünger nicht schnell genug aufnehmen. Bei niedrigen pH-Werten ist es darüber hinaus möglich, dass sich Schwermetalle (z. B. Blei, Zink, Kupfer) aus den Hausinstallationen und Aluminium aus dem Boden lösen und so ebenfalls in das Trinkwasser gelangen. Weiterhin stellen Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel eine potenzielle Gefahr für das Grund- und damit für das Trinkwasser dar. Darüber hinaus bestehen Gefahren für die Trinkwasserqualität in Hausbrunnen durch Altablagerungen und Altstandorte (vergleiche Kapitel E. 8) sowie durch chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW, siehe unter).

 

Trinkwasserverordnung ab 01.01.2003

Die rechtliche Grundlage für die Qualität des Trinkwassers ist die Trinkwasserverordnung vom 21. Mai 2001, die am 01.01.2003 in Kraft getreten ist (neugefasst mit Bekanntmachung vom 10. März 2016 (BGBl. I S. 459), die zuletzt geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 3. Januar 2018 (BGBl. I S. 99), kurz: TrinkwV 2001). Sie regelt bundesweit die zulässigen Inhaltsstoffe und deren Konzentration. Es werden dort verbindliche Grenzwerte festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen. Die folgende Tabelle zeigt einige wichtige Grenzwerte.

Grenzwerte der Trinkwasserverordnung
Bezeichnung Grenzwert
(in mg/l, soweit nicht anders angegeben)
Aluminium 0,200
Ammonium 0,50
Blei 0,010
Chlorid 250
Eisen 0,200
Kupfer 2,0
Mangan 0,050 (0,2*)
Natrium 200
Nitrat 50
Sulfat 250
1,2-Dichlorethan 0,0030
Tetrachlorethen und Trichlorethen** 0,010
Vinylchlorid 0,00050
ph-Wert nicht unter 6,5
und nicht über 9,5
Leitfähigkeit 2.790 µS/cm bei 25°

* gilt für Kleinanlagen bis 1.000 Kubikmeter Abgabe pro Jahr

** Summe der für die beiden Stoffe nachgewiesenen Konzentrationen

 

Mit der TrinkwV 2001 wurde die europäische Trinkwasserrichtlinie in nationales Recht umgesetzt. Sie verschärft die Anforderungen hinsichtlich mikrobiologischer und chemischer Kennwerte (z. B. bei Blei, Kupfer und CKW). Die Überwachungsanforderungen im häuslichen Bereich werden intensiviert.

 

Überwachung der Trinkwasserbrunnen

Für die Überwachung der privaten Trinkwasserbrunnen im Kreisgebiet und damit auch in der Stadt Gütersloh ist die Abteilung Gesundheit des Kreises Gütersloh zuständig. Grundsätzlich ist jeder Betreiber einer privaten Trinkwasserentnahmestelle dazu verpflichtet, das von ihm entnommene Wasser in regelmäßigen Abständen untersuchen zu lassen (mindestens jährlich bakteriologisch, alle 3 Jahre physikalisch-chemisch, im Einzelfall auch häufiger). Zum Kernprogramm zählen in der Regel Untersuchungen auf Bakterien (Escherichia coli, coliforme Keime, Koloniezahlen bei 22/36 Grad Celsius sowie Enterokokken) und auf physikalisch-chemische Parameter wie pH-Wert, Leitfähigkeit und Oxidierbarkeit sowie die Konzentrationen von Nitrat, Nitrit, Ammonium, Natrium, Chlorid, Eisen, Mangan, Säurekapazität, Kalzium, Kalium und Magnesium. Dabei wird hinter gegebenenfalls installierten Aufbereitungsanlagen beprobt, die z. B. die Eisen- oder Nitratkonzentrationen senken. Da derartige Anlagen bei circa 30 Prozent aller Trinkwasserbrunnen vorhanden sind, kann nur bedingt auf die Grundwasserqualität rückgeschlossen werden.

 

Qualität des privat geförderten Trinkwassers

Die Analyseergebnisse werden beim Kreis ausgewertet. Basis der folgenden Erläuterungen sind die während des Zeitraumes 2014 bis 2016 eingegangenen Untersuchungsergebnisse der insgesamt ca. 3.000 im Stadtgebiet von Gütersloh erfassten Trinkwasserbrunnen. Aufgrund der in der Regel 3-jährlichen Untersuchung der Brunnen in Bezug auf die senorisch-physikalisch-chemischen Parameter, ist im Untersuchungszeitraum jeder der aufgeführten Stoffe mindestens einmal untersucht worden. Die mikrobiologischen Parameter werden in der Regel einmal im Jahr untersucht. Von den etwa 3.000 Brunnen sind etwa 1.920 Kleinanlagen zur Eigenversorgung und 640 Brunnen sogenannte "dezentrale kleine Wasserwerke". Dezentrale kleine Wasserwerke sind Brunnen, die größere Personengruppen (z. B. mehrere Mieter) mit Wasser versorgen. 440 Brunnen sind sonstige Hausbrunnen z. B. für Gewerbe- oder Lebensmittelbetriebe sowie im Umbau befindliche oder unbewohnte Gebäude (Stand: 13.09.2017).

Im Rahmen der permanent durchgeführten Untersuchungen werden immer wieder verschiedene Überschreitungen der Grenzwerte der TrinkwV festgestellt, so auch in den Jahren 2014 bis 2016 (vergleiche unten stehenden Abbildung).

Hauptbelastungsstoffe sind Ammonium, Eisen und Mangan. Die Ammoniumbelastungen waren in 6,1 Prozent der Messungen zu hoch (vergleiche auch Kapitel G.15), bei Mangan liegt der Anteil bei 29,4 Prozent. Die Manganbelastungen sind meist nur geringfügig und auf Qualitätsmängel des Entnahme- und Leitungs­systems zurückzuführen.  In 11,7 % der Proben überschritten dieEisenwerte den Grenzwert gemäß TrinkwV 2001. 

In Bezug auf die absolute Anzahl machen die Eisen- und Manganbelasteten Trinkwasserbrunnen den Löwenanteil der zu sanierenden Brunnen aus.

Weitere Belastungen bestehen häufig mit Nitrat und Verkeimungen (E.-coli-Bakterien, coliforme Keime; vergleiche auch Kapitel G.15).

Quelle: Kreis Gütersloh, Abt. Gesundheit, Daten beziehen sich auf Probeergebnisse, dabei können einzelne Brunnen z. B. aufgrund von Sanierungsarbeiten oder defekten Wasseraufbereitungsanlagen mehrfach untersucht worden sein.

 

Konsequenzen bei Überschreitung von Grenzwerten

Sofern Überschreitungen der übrigen Grenzwerte festgestellt werden, erfolgt eine schriftliche Information der Betreiber bzw. Eigentümer. Bei einer geringfügigen Überschreitung genügt für verschiedene Parameter häufig eine Reinigung und/oder Chlorierung des Systems zum Einhalten der Werte. Zudem wird durch eine genaue Beobachtung festgestellt, ob es sich eventuell nur um temporäre Qualitätseinbußen gehandelt hat. Zeigen sich jedoch auf Dauer deutliche Überschreitungen der Werte, wird eine Sanierung erforderlich. Diese kann entweder im Anschluss an das öffentliche Trinkwassernetz oder in der Erstellung eines neuen Bohrbrunnens (z. B. Tiefenbohrung) bestehen. Sofern beide Möglichkeiten ausscheiden, ist der Einbau einer Wasseraufbereitungsanlage möglich. Hier ist allerdings mit vergleichsweise hohem Wartungs- und Kostenaufwand zu rechnen.

 

Brunnentiefe

Die Tiefe der Brunnen hat erheblichen Einfluss auf die stoffliche Zusammensetzung des Brunnenwassers. Von den 3.032 erfassten Brunnen (Stand 2011) ist die weit überwiegende Zahl (circa 62 Prozent) maximal 20 Meter tief (meist 11 bis 20 Meter). 34 Prozent der Brunnen sind zwischen 21 und > 40 Meter tief, bei 4 Prozent ist die Tiefe unbekannt.

 

Chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW)

Besondere Beachtung hat in Gütersloh Ende des letzten Jahrhunderts die Belastung des Grund- und bzw. Trinkwassers mit chlorierten Kohlenwasserstoffen gefunden. Seit 1980 hat der Kreis Gütersloh als untere Wasserbehörde bisher acht, zum Teil massive Grundwasserverunreinigungen durch CKW im Stadtgebiet ermittelt. Die im Zusammenhang mit der Erkundung und Sanierung dieser Schadensfälle gewonnenen Erkenntnisse haben den Kreis dazu veranlasst, zwischen Juli 1999 und September 2000 eine Untersuchung aller Hausbrunnen im Stadtgebiet Gütersloh auf CKW durchführen zu lassen.

CKW wurden und werden teilweise noch heute z. B. in Kaltreinigern für Motoren, als Verdünnung sowie als Lösungsmittel in Farben, Lacken und Klebstoffen verwendet. Sie sind außerordentlich mobil und können sich großflächig im Untergrund verteilen. Gefahren bestehen bei der Aufnahme in den menschlichen Körper durch Schädigungen der Leber, der Milz, des Nervensystems und des Blutes. Zudem sind einige CKW kanzerogen (krebserregend). Die genannten Untersuchungen wurden zwischen Juli 1999 und September 2000 an insgesamt 2.997 privaten Trinkwasserbrunnen auf dem Gebiet der Stadt Gütersloh durchgeführt. Dabei wurden an 219 Brunnen CKW nachgewiesen. Die Gesamtkonzentration der insgesamt 9 untersuchten CKW lag überwiegend unter 10 Mikrogramm pro Liter. Bei 39 Proben wurden Konzentrationen von 10 - 50 Mikrogramm pro Liter und bei 6 Proben von über 50 Mikrogramm pro Liter festgestellt. Überschreitungen der Grenzwerte der aktuellen TrinkwV wurden an 24 Hausbrunnen (= 0,8 Prozent) nachgewiesen. Aufgrund der Vielzahl von untersuchten Hausbrunnen, in denen CKW nachgewiesen wurden und der diffusen Verteilung dieser Hausbrunnen über das Stadtgebiet, hat der Kreis im Jahr 2000 das Hygiene-Institut des Ruhrgebietes damit beauftragt, die Ergebnisse unter medizinisch-toxikologischen Gesichtspunkten zu bewerten und Vorschläge für die daraus zu ziehenden Konsequenzen zu unterbreiten.

Der Gutachter geht davon aus, dass bei Konzentrationen von bis zu 100 Mikrogramm pro Liter bei einer Aufnahmemenge von 1 bis 2 Liter pro Tag und Person keine akut- oder chronisch-toxischen (giftigen) Effekte beim Menschen zu erwarten sind. Zu berücksichtigen sind auch Langzeiteffekte. Einzelne der CKW sind kanzerogen. Hier kann kein Schwellenwert angegeben werden, unterhalb dessen eine Gefährdung ausgeschlossen werden kann. Grundsätzlich gilt in diesen Fällen ein Minimierungsgebot hinsichtlich der Konzentrationen im Trinkwasser. Ein allgemein zumutbares Risiko liegt bei 1 : 100.000, das heißt bei einem zusätzlichen Sterbefall pro 100.000 Sterbefälle insgesamt. Das bedeutete für den Kreis Gütersloh einen Krebsfall durch CKW im Trinkwasser in 35 Jahren. Diesem Zusatzrisiko werden Konzentrationen einzelner CKW zugeordnet. Sie liegen bei Tetrachlormethan bei 2 Mikrogramm pro Liter und bei Vinylchlorid bei 5 Mikrogramm pro Liter. Die entsprechenden Werte anderer CKW liegen mit 20 bis 2000 Mikrogramm pro Liter erheblich höher. Insgesamt muss jedoch festgestellt werden, dass sich auch aus einer Grenzwertüberschreitung keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung ergibt. Derartige Überschreitungen bei Eigenwasserversorgungsanlagen sind, wie oben ausgeführt, nur vereinzelt aufgetreten (abgesehen von den Anlagen im Bereich der 8 seit 1980 bekannten Schadensfälle). Der Gutachter rät dazu, bei allen neu angelegten Brunnen eine Erstuntersuchung durchzuführen. Bei den übrigen Brunnen reichen Analysen auf CKW alle 5 Jahre, wenn die Konzentration von CKW bei unter 1 Mikrogramm pro Liter liegt. Bei Konzentrationen von 1 - 5 Mikrogramm pro Liter sollte alle 3 bis maximal 5 Jahre auf CKW untersucht werden; bei Konzentrationen über 5 Mikrogramm pro Liter sind jährliche Messungen angezeigt. Aufgrund der diffusen Verteilung der CKW im Stadtgebiet und dem großen Stellenwert der Eigenwasserversorgung gerade im Kreis Gütersloh wird vorgeschlagen, kreisweite CKW-Untersuchungen durchführen zu lassen. In diesem Zusammenhang wird die besondere Bedeutung des vorsorgenden Grundwasserschutzes hervorgehoben.

 

Brauchwasser

Hinsichtlich der Verwendung von gefördertem Wasser als Brauchwasser zur Nutzung im Garten (Bewässerung, »Planschen«) gelten deutlich geringere Bewertungsmaßstäbe. Da CKW leicht flüchtig sind, erfolgt bei der Bewässerung von Gartenpflanzen zum großen Teil eine Verdampfung dieser Bestandteile. Aufgrund der hohen Verdünnungswirkung der umgebenden Außenluft besteht auch keine Gefahr durch Aufnahme in den Körper über die Lunge. Eine Anreicherung im Boden oder in Nutzpflanzen ist ebenfalls nicht zu erwarten. Selbst beim Baden sind bis mindestens 300 Mikrogramm pro Liter CKW im Wasser keine nachteiligen Wirkungen auf die menschliche Gesundheit durch Aufnahme über Haut oder Lunge zu erwarten.

 

Quelle:
Hygieneinstitut des Ruhrgebietes (2000): Bewertung der in der Stadt Gütersloh festgestellten Grundwasserverunreinigungen durch chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) aus umweltmedizinisch-toxikologischer und umwelthygienischer Sicht sowie im Hinblick auf die Notwendigkeit weitergehender Grundwasseruntersuchungen auf CKW in den übrigen Städten und Gemeinden des Kreises Gütersloh - Gutachterliche Stellungnahme, Gelsenkirchen

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 19.11.2018