G.6 Fließgewässer

Bearbeitungsstand: 08/2013

 

Das Stadtgebiet von Gütersloh wird entscheidend durch die Vielzahl von Bächen und Gräben mitgeprägt. Von besonderer Bedeutung sind die das Stadtgebiet von Ost nach West durchziehenden Bäche, die von Senne und Teutoburger Wald kommen und der Ems zufließen. Von Norden nach Süden sind dies der Lichtebach, die Lutter mit ihrem Nebengewässer Reiherbach, der Reinkebach, die Dalke mit den Nebengewässern Menkebach und Hasselbach, die Wapel und der Ölbach. Im Westen tangiert der Vorfluter Ems das Stadtgebiet. Der Reckbach im Norden berührt es lediglich mit seinem Einzugsgebiet. Für einige sehr kleine Bäche ist kein eigenes Teileinzugsgebiet ausgewiesen. Sie werden daher in dieser Übersicht nicht namentlich erwähnt. Insgesamt hat dieses Gewässernetz eine Länge von 408 Kilometer.

 

Gewässergröße

Mit Ausnahme der Ems handelt es sich bei den genannten Bächen um kleinere Gewässer mit mittleren Abflüssen von maximal 2,65 Kubikmeter pro Sekunde (vergleiche unten stehende Tabelle). Nur Dalke, Wapel und Ölbach weisen Werte von über 1 Kubikmeter pro Sekunde auf. Menkebach, Reiherbach, Reckbach und Hasselbach zeigen Werte von unter 0,2 Kubikmeter pro Sekunde. Die Größe ihrer Einzugsgebiete liegt zwischen knapp 12 und 625 Quadratkilometer am Ausgang des untersten das Stadtgebiet berührenden Teileinzugsgebietes.

 

Bemessungsmittelwasserabfluss der Fließgewässer im Stadtbereich Gütersloh *

  Gebietskennzahl
(GKZ)
Größe des
Einzugsgebietes
(AEo)
Abflußspende
(BMq)
Mittelwasserabfluss
(BMQ)
    [ km2 ] [ l / s * km2 ] [ m3 / s ]
Ems 313.11 625,03 9,5 5,94
Dalke 312.9 245,56 10,8 2,65
Wapelbach 312.89 163,34 10,7 1,75
Ölbach 312.849 79,82 13,7 1,09
Lutter 313.25 72,5 11,5 0,83
Lichtebach 313.28 31,25 11,1 0,35
Welplagebach/ Reinkebach 313.26 27,09 10 0,27
Menkebach 312.6 19,02 10 0,19
Reiherbach 313.24 27,53 6,7 0,18
Reckbach 313.44 15,57 11 0,17
Hasselbach 312.4 11,92 10 0,12

* alle Werte angegeben für den Ausgang des untersten das Stadtgebiet berührenden Teileinzugsgebietes
Quelle: StUA Bielefeld (2001)

 

Einzugsgebiete

Den größten Anteil am Stadtgebiet von insgesamt 111,98 Quadratkilomter weisen die Einzugsgebiete von Dalke und Reinkebach mit jeweils etwa 20 Prozent auf. Lutter, Wapel, Ems und Ölbach zeigen Anteile von 10 - 15 Prozent (vergleiche Grafik unten). Der restliche Anteil von circa 13 Prozent entfällt auf die übrigen Fließgewässer.

 

Fließlänge auf Gütersloher Stadtgebiet

Die Fließlänge der Gewässer auf Gütersloher Stadtgebiet zeigt die folgende Tabelle. Die Dalke durchzieht das Stadtgebiet auf 15 Kilometer Länge. Sie quert es im Bereich seiner größten West-Ost-Ausdehnung. Das gilt mit Einschränkungen auch für den Reinkebach. Mit großem Abstand folgen Lutter und Ölbach in der Rangliste der Fließlängen. Ihre Werte sind mit über 7,5 Kilometer fast um die Hälfte kleiner. Die übrigen Fließgewässer weisen deutlich kürzere Fließlängen zwischen 0,9 und 5,9 Kilometer auf.

Fließlänge der Gewässer auf Gütersloher Stadtgebiet

Gewässer Fließlänge auf Stadtgebiet
[Kilometer]
Dalke 15,0
Welplagebach / Reinkebach circa 13,9
Lutter 7,7
Ölbach 7,5
Lichtebach 5,9
Reiherbach 4,5
Ems 4,3
Wapelbach 3,6
Menkebach 1,3
Hasselbach 0,9
Reckbach 0

 

Gewässersystematik

Die Gewässer in Nordrhein-Westfalen werden vom Landesumweltamt systematisch erfasst. Dazu werden sie über eine Kennzahl verschlüsselt. Ferner erfolgt eine Stationierung der Gewässer in 100 Meter lange Abschnitte, eingeteilt entgegen der Fließrichtung von der Mündung zur Quelle. Die Stationierung dient der eindeutigen Bestimmung der Gewässerabschnitte. Darüber hinaus werden die oberirdischen Einzugs- bzw. Teileinzugsgebiete mit Hilfe der sogenannten Gebietskennzahl (GKZ) verschlüsselt (vergleiche Karte G.6.1). Die Systematik ist so aufgebaut, dass aus der GKZ die Kennzahl des übergeordneten Gewässers (in welches das betrachtete Gewässer mündet) abgeleitet werden kann. Schließlich erfolgt eine Einteilung in Gewässer 1. und 2. Ordnung, die bestimmten rechtlichen, planerischen und administrativen Belangen dient. In Gütersloh gibt es ausschließlich Gewässer 2. Ordnung.

 

Gewässerfunktionen

Die fließenden Gewässer erfüllen zahlreiche Funktionen: Abführung von Niederschlägen, Vorflut für die Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen, Aufnahme von Niederschlags- und Abwasser von Siedlungsflächen, Verkehrswegen und Kläranlagen, Lebensraum für Pflanzen und Tiere, Erholung für den Menschen et cetera. Infolge dieser Funktionen wurden Gewässer vom Menschen seit jeher umgestaltet und an bestimmte Nutzungsformen und –funktionen angepasst. Bereits mit der Sesshaftwerdung des Menschen setzte die anthropogene Veränderung der Gewässer ein. Die Rodung der Wälder brachte verstärkten Eintrag von Sediment durch Abschwemmung von Bodenmaterial von den Feldern, was wiederum zu mächtigen Auenablagerungen führte. Spätestens im Mittelalter begannen direkte Eingriffe in die Gewässer durch die Anlage von Mühlen. Damit war der Aufstau des Gewässers verbunden. Zudem erfolgte häufig die Anlage mehr oder weniger langer Mühlengräben, also von Abschlägen, die das Wasser den Mühlen zuführten. Zudem wurden früh weitere Gräben angelegt. Sie dienten unterschiedlichen Zielen. Zum einen war es im 19. und frühen 20. Jahrhundert üblich, die gewässernahen Grünländereien zu flößen. Flößen bedeutet das Bewässern der Wiesen und Weiden mit Fluss- bzw. Bachwasser zum Zweck der Düngung. Mit der Verfügbarkeit von industriell hergestelltem mineralischen Dünger verschwand diese Nutzungsform. Zum anderen wurden aber auch viele Flächen durch Gräben entwässert, um die Bearbeitbarkeit, insbesondere im Hinblick auf den Ackerbau, zu verbessern.

 

Gewässerausbau

Die Intensivierung der Nutzung machte den technischen Ausbau der Gewässer notwendig, da das Wasser aus den Entwässerungsgräben sonst nicht schnell genug abgeführt werden konnte. Dazu wurden die Gewässer in Regelprofile gezwungen und begradigt (vergleiche Kapitel G.10). In der Folge schnitten sich die Bäche und Flüsse tiefer ein. Das führte wiederum zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels um ein Maß, das Probleme für die Landwirtschaft brachte. So wurde häufig die Anlage von Wehren in den Gewässern notwendig, die den Grundwasserspiegel auf einem optimalen Niveau halten sollen.

 

Länge des Grabennetzes

Dieses komplexe System der Be- und Entwässerung beruht auf einer Vielzahl von Gräben. In Gütersloh ist ein großer Teil davon kartographisch erfasst. Zusammen mit den kleineren Bächen ergibt sich ein Netz von über 330 Kilometer Länge (vergleiche Karte G.6.1).

 

Wasserrechte / wasserrechtliche Erlaubnisse

Auch aktuell werden die Gewässer durch Wasserentnahme und/oder Aufstau genutzt. Derartige Nutzungen können durch Wasserrechte bzw. wasserrechtliche Erlaubnisse gesichert sein. Zu möglichen Nutzungen zählen insbesondere die Entnahme von Wasser (z. B. zum Betrieb von Fischteichen oder Mühlen) und der Aufstau des Gewässers (z. B. zum Zweck der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen bzw. der Sicherstellung eines landwirtschaftlich günstigen Grundwasserstandes).

 

Ökologische Bedeutung der Gewässer

Neben der wirtschaftlichen Bedeutung der Gewässer wird in den letzten Jahrzehnten wieder verstärkt ökologischen Belangen Rechnung getragen. Den Fließgewässern und Gräben kommt aufgrund ihrer Ausdehnung insbesondere bei der Vernetzung von Lebensräumen eine besondere Bedeutung zu (vergleiche auch Kapitel D.4). Sie verbinden über vergleichsweise große Entfernungen hinweg verschiedene Lebensräume miteinander und können so zusammen mit ihren begleitenden Biotoptypen wie Uferböschungen, Gehölzstreifen, Feuchtgrünlandflächen und Auwäldern tragende Pfeiler eines funktionierenden Biotopverbundes sein.

 

Beeinträchtigungen

Entscheidend für die ökologische Qualität eines Gewässers ist insbesondere seine Durchgängigkeit. Wehre, Staustufen, Verrohrungen et cetera erschweren oder unterbinden Wanderungs- und Ausbreitungsbewegungen von Gewässerorganismen. Fische, aber auch Kleintiere des Makrozoobenthos, also der Lebensgemeinschaft am Grunde des Gewässers, verlieren auf diese Weise gegebenenfalls einen entscheidenden Teil ihres Lebens- und Aktionsraumes. So werden beispielsweise für Wanderfische die Oberläufe, die natürlicherweise aufgrund ihrer strukturellen Beschaffenheit (z. B. kiesig-sandiges Substrat) zum Laichen aufgesucht werden, unerreichbar. Weitere Beeinträchtigungen sind Ausbau und Verbauung des Gewässers. Sie verhindern eine natürliche Gewässerdynamik mit Uferabbrüchen, Laufveränderungen, Geschiebeablagerungen und der Ausbildung natürlicher oder naturnaher Vegetationsstrukturen. Diese sind aber wiederum die Grundlage des Vorkommens typischer Pflanzen- und Tierarten.

 

Ökologische Maßnahmenkonzepte

Auf der Grundlage von Leitbildern, die einen natürlichen Zustand dieser Fließgewässer beschreiben, werden heute zunehmend Konzepte entwickelt, um Gewässern und ihren Auen wenigsten abschnittsweise große Teile ihrer ökologischen Vielfalt zurückzugeben. Dazu werden das Gewässer und seine Aue gemeinsam betrachtet. Nach einer detaillierten Analyse der ökologischen Bestandssituation im Hinblick auf Gewässer- und Gewässerstrukturgüte, Biotoptypen sowie das Vorkommen typischer und besonderer Tier- und Pflanzenarten werden Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Deren Umsetzung soll zu einer ökologischen Optimierung führen.

In Gütersloh werden derartige Maßnahmen je nach gegebenen Möglichkeiten sukzessive umgesetzt. So wurde beispielsweise 1994 damit begonnen, Flächen in der Lutteraue ökologisch zu verbessern und attraktiv für angepasste Tier- und Pflanzenarten wie z. B. Amphibien und Watvögel zu gestalten. Im Jahr 1996 erfolgte eine Ausweitung der 2 Jahre zuvor optimierten Flächen nördlich von Blankenhagen. In diesem Fall wurden im Rahmen des Konzeptes unter anderem Blänken angelegt, um feuchte bzw. amphibische Lebensräume zu schaffen.

Optimierungsmaßnahmen an den Gewässern selbst sind ebenfalls notwendig. Entscheidend kommt es auf die Wiederherstellung der Durchgängigkeit an. Daneben sind aber auch strukturelle Verbesserungen unverzichtbar. Sie kommen nicht nur direkt Tier- und Pflanzenarten zugute, sie sind auch wesentlich, um die Selbstreinigungskraft des Gewässers zu erhöhen. Einträge aus Landwirtschaft, Kläranlagen und Siedlungsflächen können bei naturnaher Struktur des Gewässers wesentlich besser kompensiert werden. Das trägt dazu bei, eine weitere Verschlechterung der Gewässergüte, also der chemischen und biologischen Qualität, zu verhindern (vergleiche Kapitel G.7).

Ein grundlegendes Gewässerentwicklungskonzept liegt seit 2010 für alle größeren Bäche vor. Es wurde vom Fachbereich Grünflächen entwickelt. Darin werden alle Fließgewässer 2. Ordnung im Stadtgebiet dargestellt und bewertet. Der Bewertung liegen vereinfachte Zustandsbeschreibungen und Maßnahmenschwerpunkte zu Grunde:

  • naturnaher Gewässerzustand
  • erheblich veränderter Gewässerzustand
  • bereits durchgeführte Renaturierungsmaßnahmen
  • geplante Renaturierungsmaßnahmen mit den Schwerpunkten Dalke und Lutter

Wesentliche Ziele des Konzeptes sind:

  • Rückführung der Gewässer in einen annähernd natürlichen Zustand
  • Wiederherstellung des Fließgewässercharakters und der ökologischen Durchgängigkeit
  • Reaktivierung des Fließgewässers als Lebens- und Erholungsraum.

Besonders an der Dalke sind in den vergangenen Jahren sukzessive bereits zahlreiche strukturverbessernde Maßnahmen durchgeführt worden. Sie sind auf der Homepage der Stadt Gütersloh gut dokumentiert (Dalke und Dalkegrünzug). Großenteils dienten diese Umgestaltungen nicht nur der ökologischen Optimierung, sondern zugleich der Verbesserung der Hochwasserschutz-, aber auch der Naherholungsfunktion.

Eine Präsentation zum Gesamtkonzept können Sie als PDF unter "Downloads" auf der Homepage der Stadt herunterladen (Gewässerentwicklungskonzept ab 2010).


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 28.06.2018