G.8 Gewässerunterhaltung, -ausbau und -renaturierung

Bearbeitungsstand: 05/2011

Organisation

Stadt Gütersloh verfügt über ein Gewässernetz von circa 408 Kilometer Länge, davon 14,6 Kilometer verrohrt. Nach § 91 Landeswassergesetz NRW obliegt die Unterhaltung der fließenden Gewässer den Gemeinden. Die Kreise können im Einvernehmen mit den Gemeinden die Unterhaltung von Gewässern übernehmen. Durch öffentlich-rechtliche Vereinbarung zwischen dem Kreis und der Stadt Gütersloh aus dem Jahre 1982 wurde die Unterhaltung der größeren Fließgewässer Lutter, Dalke, Ems, Ölbach, Wapel, Knisterbach und Menkebach mit einer Länge von circa 40,9 Kilometer auf den Kreis Gütersloh übertragen. Etwa 7,4 Kilometer im Stadtgebiet werden vom Ölbach-Wasserverband unterhalten. Den Großteil von circa 276 Kilometer der Fließgewässer unterhält die Stadt Gütersloh in Eigenregie. Zu diesen rund 324,3 Kilometer in öffentlicher Unterhaltung kommen noch rund 84,1 Kilometer in privater Verantwortung, im Wesentlichen Landwirte. Seit der Übernahme der Gewässerunterhaltung durch den Fachbereich Grünflächen im Jahr 1998 wird etwa die Hälfte davon von städtischen Mitarbeitern unterhalten, die andere Hälfte ist an Privatfirmen vergeben. Grundlage ist ein Unterhaltungsplan.

 

Aufgaben und Ziele

Aufgrund gesetzlicher Rahmenbedingungen (Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes 1986, zuletzt geändert 2002, und des Landeswassergesetzes 1979, zuletzt geändert 2005, EU-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 [EU-WRRL]) ist neben der Erhaltung eines ordnungsgemäßen Zustandes für den Wasserabfluss den Belangen des Naturhaushalts Rechnung zu tragen. Grundlage der Gewässerunterhaltung der Stadt Gütersloh ist die vom Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes NRW herausgegebene »Richtlinie für naturnahe Unterhaltung und naturnahen Ausbau der Fließgewässer in NRW« (Blaue Richtlinie).

Hauptziel der Gewässerunterhaltung ist die Herstellung des ordnungsgemäßen Abflusses (die gesicherte Vorflut) in bebauten und landwirtschaftlich genutzten Bereichen. Nach den gesetzlichen Maßgaben muss die Gewässerunterhaltung dabei aber auch das Ziel eines »guten Zustandes« der Fließgewässer gemäß EU-WRRL verfolgen. Dazu gehören die Erhaltung und Wiederherstellung eines angemessenen heimischen Pflanzen- und Tierbestandes, die Erhaltung und Verbesserung des Selbstreinigungsvermögens und die Beseitigung von Unrat.

 

Aufgabenschwerpunkte

Im Folgenden werden Prinzipien, Aufgaben und Beispiele der städtischen Gewässerunterhaltung dargestellt:

  • Hauptschwerpunkte sind die Böschungsmahd und das Entkrauten der Sohle. Sie erfolgen - in der Regel nur einmal jährlich - im Zeitraum von Juni bis Oktober, Hochstaudenfluren und Röhrichte bleiben weitgehend unberührt. Das Mähgut wird zur Sicherung des Abflusses aus dem Grabenbereich entfernt und entsorgt. Gleichzeitig wird dadurch auch einer Nährstoffanreicherung und den damit häufig verbundenen Brennnesselfluren entgegengewirkt. Diese Arbeiten finden auf insgesamt 197 Gewässer-Kilometern statt und haben damit den größten Anteil an den Gesamtarbeiten (circa 83 Prozent).
  • In den Wintermonaten Dezember bis Februar findet die Pflege von Ufergehölzen statt, das heißt zum einen die Anpflanzung, die der Beschattung zur Verhinderung der Verkrautung und der Böschungssicherung dient, zum anderen der abschnittsweise, differenzierte Rückschnitt (»auf den Stock setzen«) von Bäumen und Sträuchern.
  • Die Sicherung von Böschungen, das Freihalten von Durchlässen, das Entfernen von Treibgut sind ganzjährig anfallende Tätigkeiten.
  • Entsandungen stellen starke Eingriffe in das Gewässerleben dar und werden deshalb nur bei ungenügendem Wasserabfluss abschnittsweise durchgeführt.
  • Grabenfräsen kommen wegen ihrer negativen Auswirkungen auf die Gewässerfauna nicht mehr zum Einsatz. An nahezu allen Gewässern wird seit 2001 mit Mähkörben gearbeitet, die sich als naturverträglicher und wirtschaftlicher erwiesen haben.
  • An den mehr oder weniger ständig wasserführenden Gräben ist eine routinemäßige Gewässerunterhaltung oft nicht erforderlich, solange der Wasserabfluss gewährleistet ist.

 

Unterhaltungsmaßnahmen

Durch die Unterhaltungsmaßnahmen wird ein sicherer und für das Gewässer möglichst schonender Abfluss gewährleistet. Eine Verbesserung des ökologischen Zustandes wird dadurch noch nicht erreicht. Dazu müssen weitere Maßnahmen hinzukommen, die in erster Linie der Optimierung der Gewässerstrukturen dienen. Zu nennen sind hier beispielsweise:

  • die Beseitigung von Querbauwerken wie Durchlässen, Abstürzen und Sohlschwellen und
  • die Reduzierung der Räum-, Mäh- und Böschungssicherungsmaßnahmen auf das zur Sicherstellung des Abflusses unbedingt erforderliche Maß.

Solche weitergehenden Maßnahmen tragen aktiv zur Verbesserung der Lebensraumstrukturen der Gewässerorganismen bei. Hier bestehen zukünftig sicher noch zahlreiche Möglichkeiten für die Gewässerunterhaltung.

 

Uferrandstreifen

Eine wesentliche Voraussetzung für eine naturnahe Entwicklung von Fließgewässern im Rahmen der Unterhaltung ist ein ausreichend breiter Uferstreifen. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Gütersloh 1992 das Uferrandstreifenprogramm ins Leben gerufen.

Über Pachtverträge (zurzeit 0,09 Euro pro Quadratmeter) oder Ankäufe werden Flächen entlang der Gewässer mit einer Mindestbreite von 5 Meter einer extensiven, schonenden landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt. Mit den Eigentümern werden in der Regel zusätzlich Pflegeverträge abgeschlossen, in denen unter anderem Zeitpunkt, Umfang und Art und Weise der Pflegemaßnahme geregelt werden. Bisher sind 26 Verträge mit einer Fläche von etwa 9,2 Hektar abgeschlossen worden.

Durch eine differenzierte, ökologisch ausgerichtete Gewässerunterhaltung sollen zukünftig wertvolle Biotope gesichert, Mittel eingespart und Bürger für die Bedeutung von Fließgewässern sensibilisiert werden. Der hohen Bedeutung der Gewässer und ihres Umfeldes als Lebensraum und Ausbreitungsachse wurde auch durch deren Darstellung als Kernzone der Biotopverbundflächen in der Biotopverbundplanung Rechnung getragen (vergleiche Kapitel D.4). Zudem sind im Flächennutzungsplan je 100 Meter breite Schutzstreifen entlang der Gewässer dargestellt. In diesen Zonen soll die Entwicklung der Landschaft für Natur- und Erholungsnutzung gefördert werden. Weitere bauliche Nutzungen sollen vermieden werden.

 

Fließgewässerinformationssystem (FIGÜ)

Um den Zielen sowohl unter ökonomischen wie auch ökologischen Aspekten gerecht werden zu können, wurde von den Fachbereichen Grünflächen und Umweltschutz ein Fließgewässerinformationssystem (FIGÜ) aufgebaut. Alle Daten zu den Fließgewässern und Gräben werden abschnittsweise erfasst (in der Regel 100 Meter) und in einer Geo-Datenbank gespeichert. Die Daten sind auch an mobilen Systemen im Gelände nutzbar. Die Karte G.8.1 stellt die Unterhaltungszuständigkeiten und Uferrandstreifen dar.

 

Quellen:
  • Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (1999): Richtlinie für die naturnahe Unterhaltung und den naturnahen Ausbau der Fließgewässer in NRW
  • Staatliches Umweltamt Bielefeld (StUA Bielefeld; Hrsg.) (2001): Daten zur Fließgewässerstationierung und oberflächige Einzugsgebiete, digitale übermittelte Auszüge, verändert

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 13.12.2013