G.9 Kleingewässer / Uferrandstreifen

Bearbeitungsstand: 04/2018

 

Kleingewässer stellen für weite Bevölkerungsgruppen die »Biotope« schlechthin dar. Sie sind im Bewusstsein besonders präsent, und ihre Neuanlage gilt als typische Aufgabe des Naturschutzes. Wenngleich es natürlich eine Vielzahl anderer Biotoptypen gibt, die das gleiche Maß an Aufmerksamkeit verdienen, so sind die Kleingewässer doch von besonderer Bedeutung.

 

Bedeutung

Das hat mehrere Gründe. Kleingewässer stellen in weiten Landschaftsteilen die einzigen Stillgewässer überhaupt dar. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die auf Ruhigwasserzonen angewiesen sind, benötigen ein genügend dichtes Netz derartiger Gewässer für ihr Überleben (Biotopverbund, vergleiche Kapitel D.4). Eine besondere Eigenart von Kleingewässern liegt auch darin, dass es das typische Kleingewässer nicht gibt, sondern dass Faktoren wie Grundwasserstand und damit Wasserspiegelschwankungen, geologischer Untergrund und Nährstoffangebot ganz unterschiedliche Ausprägungen bedingen. Zahlreiche Kleingewässer in einem Landschaftsraum bedeuten somit in der Regel eine Vielfalt des Biotopangebotes und damit zumindest potenziell auch eine Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten.

Kleingewässer leisten weiterhin auch einen wichtigen Beitrag zu funktionierenden terrestrischen Ökosystemen. Ein Beispiel ist der saisonale Biotopwechsel von Arten, die verschiedene Lebensräume benötigen. Hier seien exemplarisch Libellen und Amphibien genannt. Amphibien pflanzen sich im Frühjahr im bzw. am Gewässer fort, halten sich im Sommer und Winter aber in unterschiedlichen terrestrischen Biotoptypen auf. Weiterhin sind bestimmte Arten auf Kleingewässer als ausschließlichen Lebensraum angewiesen. Dazu zählen unter anderem verschiedene Kleinkrebse und Insekten. Schließlich weisen zahlreiche Pflanzenarten insbesondere an den sehr selten gewordenen Kleingewässern mit nährstoffarmen Verhältnissen Verbreitungsschwerpunkte auf.

 

Gefährdungen

Kleingewässer unterliegen zahlreichen Gefährdungen. In den 70er Jahren wurden regional unterschiedlich Rückgänge von 50 bis 90 Prozent registriert (FELDMANN 1980). Ursachen liegen in der Zerstörung bzw. Beseitigung der Gewässer im Zuge landwirtschaftlicher Nutzung, in der Überfrachtung mit Nährstoffen (Eutrophierung), im Besatz mit Fischen zwecks fischereilicher Nutzung und in der zunehmenden Versauerung. Eutrophierung und Versauerung sind auf landwirtschaftliche Düngung, von der Nährstoffe über Oberflächen- und Grundwasser in die Stillgewässer gelangen, und auf Luftverschmutzung, die sich über die Niederschläge auf die Gewässer auswirkt, zurückzuführen.

 

Amphibien

Karte G.9.1 Schwerpunkte der Amphibienverbreitung

Kleingewässer haben eine besondere Bedeutung für Amphibien. Im Rahmen einer Kleingewässerkartierung auf Gütersloher Stadtgebiet im Jahre 1995 wurden daher nicht nur die Gewässer selbst, sondern auch vorhandene Amphibien erfasst. Dabei wurden über 280 Kleingewässer registriert. Dazu zählen neben Tümpeln auch kleinere Teiche und Gräben. An 116 (= 41 Prozent) dieser Gewässer sind Amphibien nachgewiesen worden (vergleiche Karte G.9.1). Dabei handelt es sich überwiegend um Vorkommen von Grasfrosch und Erdkröte, die an 88 bzw. 57 dieser Amphibiengewässer anzutreffen sind (entspricht 76 bzw. 49 Prozent). Nur je 3 Mal konnten Berg- und Teichmolch nachgewiesen werden (= 2,6 Prozent). Schwerpunkte der Amphibienverbreitung in Gütersloh sind der Nordwesten des Stadtgebietes (Hollen), der Nordosten zwischen Reiherbach und Friedrichsdorf, der Südwesten entlang der Wapel und Sundern im Bereich der Dalke.

Auf ihren saisonalen Wanderungen ziehen Amphibien auf mehr oder weniger direktem Weg. Bei Überquerung von Straßen kommt es dabei immer wieder zu massenhaftem Überfahren der Tiere durch Kraftfahrzeuge. In Gütersloh gibt es 25 besondere Gefahrenstellen, die ebenfalls in Karte G.9.1 dargestellt sind. Hier werden gegebenenfalls besondere Schutzmaßnahmen, wie das Aufstellen von Schutzzäunen oder das Sperren der Straße durchgeführt. Die zur Hauptwanderzeit der Amphibien im Frühjahr zeitweilig gesperrten Straßen sind im Plan ebenfalls gekennzeichnet (Stand 2018: Piepenbrocks Weg, Plümers Weg, Siekstraße und Am Röhrbach). Im Falle der Schutzzäune werden die am Weiterkommen gehinderten Tiere unter erheblichem Kontroll- und Personalaufwand von meist ehrenamtlichen Helfern eingesammelt und sicher über die Straße transportiert.

 

Quelle:
Feldmann, R. (1980): Landschaftliche und biologische Bedeutung der Kleingewässer der Münsterschen Bucht - LÖLF-Mitteilungen 5; Seite 116 - 117

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 07.04.2015